Robert Simon im Porträt

„Museum für morgen stark machen“

Er leitet das Celler Kunstmuseum und führt ein Leben mit und für die zeitgenössische Kunst: Robert Simon.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juli 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Kunstsammler und Leiter des Kunstmuseums Celle: Robert Simon vor einer seiner Lieblingsarbeiten: der Serie von Spiegeleiern des Künstlers Dieter Krieg.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juli 2021 | 12:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Eine freundlich-hartnäckige Zielstrebigkeit zeichnet ihn aus. Das bekommen vor allem jene zu spüren, die in eines von Robert Simons Projekten involviert werden. Der künstlerische Leiter des Celler Kunstmuseums weiß, was er verwirklichen möchte – und er kämpft dafür. In der Regel mit Erfolg: die Gründung eines Kunstmuseums, die Patentierung des ersten „24-Stunden-Kunstmuseums“ der Welt, die Realisierung des preisgekrönten Lichtkunstkubus, die Auslobung eines deutschen Lichtkunstpreises, und – immer noch – der Ausbau des Celler Bahnhofs zum ersten deutschen „Lichtkunstbahnhof“. Der ergraute Herr mit einem Faible für auffallend-bunte Krawatten hat nichts in Sachen Willensstärke eingebüßt – „vielleicht bin ich ein bisschen geduldiger geworden“, überlegt er, „aber ich hab noch so einiges vor …“.

Kunstliebhaber par excellence

Wer das Glück hat, zu Robert Simon nach Hause eingeladen zu werden, dem wird schon im kleinen Stadtgarten des Anwesens in Hannover klar: Hier wohnt ein Kunstliebhaber par excellence. Vom Entree bis zum Dachgeschoss – die Fülle von Arbeiten zeitgenössischer Künstler lässt den Besucher staunen und umfängt Gäste wie Gastgeber gleichermaßen. In diesem einzigartigen Ambiente erfüllt sich Leben mit und inmitten von Kunst. Ein Heim voller Lieblingsstücke, die den Besitzern, Robert und Heide Simon, so wertvoll sind, weil beinahe jedes Stück verbunden ist mit wunderbaren Geschichten und Gedanken – an Menschen und Begegnungen.

Mit Lichtkünstler Otto Piene verband Robert Simon eine enge Freundschaft – der Schnappschuss wurde nur wenige Stunden vor dessen überraschenden Tod aufgenommen.

Grundstock für das Celler Kunstmuseum

Zwischen den Kunstwerken zeugen zahlreiche Erinnerungsfotos und persönliche Aufmerksamkeiten davon. Der Fundus von künstlerischen Arbeiten ist nicht nur Herzstück einer langjährigen, versierten Sammelleidenschaft. Er bildet gleichermaßen einen Grundstock, aus dem unter anderem das Celler Kunstmuseum entstehen konnte und von dem es weiterhin profitiert: „Hier wartet so manches noch auf den richtigen Moment einer Präsentation“, lächelt Simon.

Mit der Karriere ging es steil bergauf

Auch wenn sein Interesse an Kunst schon in jungen Jahren vorhanden war – der berufliche Werdegang von Robert Simon ging zunächst in eine völlig andere Richtung. Der Diplombetriebswirt fand direkt nach Abschluss des Studiums eine Anstellung beim Magdeburger Versicherungskonzern. Als 26-Jähriger arbeitete er bereits in einer Führungsposition. Pressesprecher, Leitung der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Schulung, Prokurist, zuletzt verantwortlich für den gesamten Marketingbereich … mit der Karriere ging es steil bergauf. Diese Bündelung von Erfahrung und Wissen verschmolz kontinuierlich mit einem anwachsenden Interesse an Kunst und Künstlern. „Auf der Documenta 1968 haben mich die Arbeiten von Beuys richtig gefangen genommen. Ich war ambitioniert, besuchte Ausstellungen in Galerien und Museen und konnte immer wieder Arbeiten junger Künstler erwerben. Meistens haben sie mich fasziniert, manchmal ging es auch darum, sie durch den Ankauf zu unterstützen. Es war der Anfang eines Weges, den ich überzeugt und konsequent verfolgte – und der mich letztlich nach Celle gebracht hat.“

In illustrer Gesellschaft: Robert Simon (rechts) mit dem Künstler Dieter Krieg (Mitte) und Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Ausstellungen führten zur Errichtung der "Skulpturenmeile"

Es war ihm wichtig, junge Künstler und ihre Kunst zu fördern und sie mit seiner wirtschaftlichen Erfahrung und seinen umfangreichen Kontakten zu unterstützen. Diese Intention brachte ihn Anfang der 80er Jahre dazu, eine eigene Galerie KÖ24 in Hannover zu gründen – „mit Einverständnis meines Arbeitgebers“. Ab Mitte der 80er wuchs sein Interesse für Kunst im öffentlichen Raum. Längst hatte sich Robert Simon als Galerist, Sammler und mit seinem versierten Blick für junge Talente einen Namen gemacht. Nun betätigte er sich als Mitbegründer und Mitorganisator zahlreicher Kunstprojekte. Die beiden sehr erfolgreichen Ausstellungen „Stahl 1“ und „Stahl 2“ führten zur Einrichtung der „Skulpturenmeile“ in Hannover. „Größer zu denken, war nie mein Problem. Es gilt aus einer Idee ein Konzept zu entwickeln und dann für dessen Verwirklichung zu kämpfen. Und ist die Idee gut, lässt sie sich auch finanzieren.“ Auch heute noch gelingt es ihm meisterlich, Fördermittel aufzutun und Sponsoren zu überzeugen.

Aufbau eines modernen Kunstmuseums

Nach Celle brachte den Kunstmanager und Galeristen eine Anfrage des damaligen Celler Oberstadtdirektors Martin Biermann. „Die Stadt hatte leer stehenden Raum im neuen Anbau des Bomann-Museums. Man hatte eine Kunststiftung gegründet und suchte nach bezahlbaren Werken ­­– vornehmlich von niedersächsischen Künstlern – für den Aufbau eines modernen Kunstmuseums. Ich fand diesen Gedanken sehr reizvoll.“ 1995 präsentierte das Haus erstmals eine Auswahl von Werken aus Simons Sammlung.

Zusammenarbeit, die ihresgleichen sucht

Aus dieser Kooperation wurde „das Erfolgsmodell einer Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und öffentlichem Träger, die in Deutschland ihresgleichen sucht“ – so formulierte es Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende 2015, anlässlich der Verleihung der Celler Ehrenbürgerschaft. 1998 hatte Simon das „erste 24-Stunden-Kunstmuseums der Welt“ patentieren lassen. Im Jahr 2000 war die Gründung des „Kunstmuseums Celle mit Sammlung Robert Simon“ als dauerhafte Einrichtung gefolgt. Robert Simon wurde künstlerischer Leiter.

Kreative Kraft in Jugendarbeit investieren

„Kunst sollte jedem zugänglich sein“, dafür macht sich der nach wie vor Kunstbegeisterte stark. Dazu passt die Idee eines rund um die Uhr angebotenen Kunsterlebnisses ebenso wie die Realisierung eines Lichtkunstbahnhofs. Nebenbei bestärkt er das Team des Kunstmuseums, neue Wege zu suchen, Kunst attraktiv, transparent und sichtbar zu machen und kreative Kraft in aktive Jugendarbeit zu investieren. „Es gilt Modelle zu entwickeln, das Museum auch für morgen real stark und digital präsent zu machen.“ Dieses von ihm geschaffene und mit großem persönlichem Einsatz getragene Lebenswerk soll eine beständige, weithin leuchtende Zukunft haben. Am 16. Juli feiert Robert Simon im kleinen Kreis von Familie und Freunden seinen 75. Geburtstag.

Von Doris Hennies

Lebenslauf

16. Juli 1946

Geboren in Kassel

1971

Abschluss als Diplombetriebswirtin Köln

1981

Gründung der Galerie KÖ24in Hannover

1985

Kunst im öffentlichen Raum

1995

erste Ausstellung Sammlung Robert Simon im Anbau Bomann-Museum

1998

Realisierung des ersten „24-Stunden-Kunstmuseum“ der Welt in Celle

2000

Gründung des „Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon“ und der Robert-Simon-Kunst-Stiftung

2006

Eröffnung des „Lichtkubus“ –Eingangsbereich und Erweiterung des Kunstmuseums

2014

Einrichtung und Vergabe des ersten deutschen Lichtkunstpreises

2015

Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Celle

2019

Projekt „Lichtkunstbahnhof“ Celle

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