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Typen Ein Leben mit Musik
Mehr Typen Ein Leben mit Musik
13:49 13.06.2010
Philharmoniker Volker Worlitzsch mit seiner 1 1/2 j‰hrigen H¸ndin Freya. Er liebt die Ruhe an seinem Haus und verbringt dort viel Zeit mit der H¸ndin. Seine Tierliebe brachte er fr¸her sogar in Verbindung mit der Musik. Fanny und Felix - ein Katzengeschwisterpaar wurden nach Fanny und Felix Mendelssohn benannt. Felix ist leider bereits vor Jahren entlaufen - die 15 j‰hrige Fanny lebt aber noch immer in der Familie.
Philharmoniker Volker Worlitzsch mit seiner 1 1/2 j‰hrigen H¸ndin Freya. Er liebt die Ruhe an seinem Haus und verbringt dort viel Zeit mit der H¸ndin. Seine Tierliebe brachte er fr¸her sogar in Verbindung mit der Musik. Fanny und Felix - ein Katzengeschwisterpaar wurden nach Fanny und Felix Mendelssohn benannt. Felix ist leider bereits vor Jahren entlaufen - die 15 j‰hrige Fanny lebt aber noch immer in der Familie. Quelle: Torsten Volkmer
Ovelgönne

OVELGÖNNE. „Wahrscheinlich doch, weil wir so gut sind“, mutmaßt Volker Worlitzsch über den riesigen Erfolg und den lebhaften Zuspruch zu den Konzerten der Radiophilharmonie im Großen Sendesaal im Funkhaus am Maschsee in Hannover. Aus einem wöchentlichen Konzert wurden zwei und aus einer anfänglich als Versuch konzipierten Matinee wurden regelmäßige Veranstaltungen klassischer Musik. „Und die alle sind regelmäßig ausverkauft“, man müsse schon auf zurückgegebene Abo-Plätze spekulieren, bedauert der Konzertmeister des Orchesters.

Ein leicht fruchtiger Duft zieht aus den festen braunen Keramiktassen. „Früchtetee trinke ich ganz gern“, bietet der freundliche Mann in dem gestreiften Freizeithemd das Getränk an. Hier auf der Terrasse neben dem großen Teich ist es ruhig. Hier entspannt sich der Künstler von den täglichen Proben und den Konzerten.

Ein Koi schwimmt an der Oberfläche und gurgelt mit dem Wasser. Es hört sich so an, als ob das Tier Husten hat. „Das ist unser Spuckkoi“, korrigiert Worlitzsch den Eindruck. Es sei einer von sieben Brokatkarpfen, die in dem Teich hier am Waldrand in Ovelgönne leben. Unzählige Kaulquappen tummeln sich in der Uferzone und zwei bronzene Reiher beobachten ruhig das Leben in dem großen Biotop aus einiger Entfernung. „Sie müssten mal am Abend kommen“, da seien die Frösche unüberhörbar. Über 50 Exemplare habe er gezählt. Das sei dann ein Konzert ganz anderer Art.

Dabei ist Worlitzsch durchaus konzerterfahren. Er, der schon mit drei Jahren wusste, dass er Geiger werden würde, wurde bereits mit 16 von Walter Schulten aus dem Gymnasium geholt. „Den möchte ich gern haben“, erinnert sich Worlitzsch, habe der Dirigent Schulten gesagt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, dass der junge Geigenvirtuose Konzertmeister werden konnte. Und der damalige Kultusminister in Nordrhein-Westfalen, Werner Schütz persönlich, beurlaubte ihn von der Schulpflicht. Worlitzsch spielte also bereits die Erste Geige, noch bevor er mit seinem Musikstudium begann. Er war für die künstlerische Umsetzung der Vorstellungen des Dirigenten zuständig und hatte bei Proben über „Aufstrich oder Abstrich“ der Streicher zu entscheiden. Mit 16. „Das war eine große, frühe Erfahrung, die ich machen durfte“, fasst Worlitzsch seine ersten Schritte in dem Profiorchester zusammen, „das war wahnsinnig…“ Und das sei nur deshalb gut gegangen, weil er den anderen 32 Orchestermitgliedern auf seinem Instrument so sehr überlegen war. Nur so hatte er die erforderliche Autorität. – Mit 16.

Er kaufte sich also plötzlich seinen ersten Schlips, den er bei den Orchesterproben umbinden musste.

Seine Mutter hat das Talent schon früh erkannt und alles getan, um den einzigen Jungen von fünf Kindern zu fördern. Vater Johannes war Musiklehrer, starb aber viel zu früh. Mutter Charlotte sorgte für besten Geigenunterricht: Die Familie zog sogar nach Detmold, damit Volker als 9-Jähriger von dem damaligen Dozenten Otto Schad, der vom Konzertmeister des WDR bestens empfohlen wurde, lernen konnte.

„In der Familie wurde alles getan, um mich als einzigen Jungen zu fördern.“ Das sei auch für seine vier Schwestern Barbara, Renate, Sabine und Claudia kein Thema gewesen.

Noch einmal wiederholte sich der Ruf in ein Orchester, als er während seines Studiums an der Musikhochschule Detmold Konzertmeister beim Züricher Orchester wurde: „In 15 Monaten haben wir elf Konzertreisen durch ganz Europa gemacht“, bilanziert Worlitzsch. „Das war ein anstrengender Job, aber unglaublich erfüllend und förderlich, weil ich in der Schweiz mit größten Solisten in engem persönlichem Kontakt gestanden habe.“

Bei Anton Dvoraks Urenkel, dem weltberühmten tschechischen Geiger Josef Suk in Prag, nahm Worlitzsch als 22-Jähriger Privatunterricht, pendelte immer zwischen Zürich, später Berlin und Prag hin und her. – Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs nicht ganz unproblematisch.

Als dann das Angebot kam, zu den Berliner Philharmonikern zu wechseln, musste er nicht lange überlegen: „Das war das große Ziel aller Musikstudenten: Orchestermitglied bei Herbert von Karajan.“ Dreieinhalb Jahre spielte Worlitzsch in Berlin, als im Mai 1970 in Hannover die Stelle des Konzertmeisters frei wurde. „Da müssen Sie hingehen“, empfahl der Konzertmeister Michel Schwalbé dem damals 26-Jährigen. „Als auch der Intendant Wolfgang Stresemann sich dieser Empfehlung anschloss, wechselte ich sogar während der Saison.“ Damals wie heute immer mit dabei: Seine Geige des berühmten Geigenbauers Jean-Baptiste Vuillaume in Paris. „Die ist seit diesen Jahren in Familienbesitz“, freut sich Worlitzsch

„Ich fühle mich in meiner Haut sehr, sehr wohl und möchte gesund und erfolgreich weiterleben“, sagt der Geiger heute. Es sei fast vermessen. Deshalb genieße er jeden Tag und erfreue sich an seiner Familie und an der Natur. Viermal wurde er nachdenklich: ● Beim Hantieren mit einem Teppichschneidemesser hat er sich die Kuppe des linken Zeigefingers abgetrennt. – Eine Katastrophe für jeden Geiger. Nur durch das sofortige fachkundige Handeln des Arztes und späteren Freundes Ulrich Seemann in Ovelgönne kann er wieder arbeiten „Ich habe lange kein Gefühl in dem Finger gehabt.“ ● Mit einer Flex hat sich der Heimwerker später dann fast den linken Daumen abgeschnitten. Eine deutliche Narbe ist geblieben. ● Einen Herzinfarkt erlebte er mit Mitte 40 bei einer Konzertreise in Leipzig. ● Seit einer weiteren Attacke vor vier Jahren lebt er mit einem Stent.

Die vielen orientalischen Möbelstücke mit den präzisen Intarsienarbeiten, die japanischen Bilder aus vergangenen Dynastien und andere Kunstgegenstände im Haus haben die Worlitzschs immer bei ihren Konzertreisen im Ausland gekauft. „Das haben wir ganz einfach als Handgepäck mitgenommen“, denn das damalige Joachimquartett, in dem Ehefrau Monika die Bratsche spielte, gab Konzerte weltweit. Nach wie vor ist Monika Worlitzsch Mitglied der Radiophilharmonie, und gemeinsam mit den drei Kindern gibt es seit einigen Jahren das Worlitzsch-Quintett.

Das große Familiengemälde neben dem Kamin wurde im Auftrage der Kinder Attila, Yaltah und Valentino von einer Düsseldorfer Künstlerin extra zur Silberhochzeit der Eltern angefertigt. Es zeigt die ganze Familie als Quintett mit ihren Instrumenten. „Die Vorlage war ein einfaches Foto, das meine Tochter mit Selbstauslöser geknipst hat.“ Sehr ausdrucksvoll und stark hat die Künstlerin die Familie auf Leinen gebracht. Harmonisch, im Einklang mit sich und der Musik.

„Ich spiele zur eigenen Erbauung“, findet Volker Worlitzsch, der jetzt auch seit acht Jahren das Symphonieorchester der Medizinischen Hochschule Hannover leitet - nebenbei und ehrenamtlich: „Das ist ein Fulltime-Nebenjob!“

„Ich führe ein totales Musikerleben, ein Leben, das sich immer um Musik dreht“, wird Worlitzsch nachdenklich. Um klassische Musik. „Bis ich das Gefühl habe, ich sollte nicht mehr geigen, werde ich spielen.“ Danach sieht er es als seine Pflicht an, sein fundiertes Wissen weiter zu geben und zu unterrichten. Drei Jahre habe er bereits an der Detmolder Musikhochschule gelehrt.

Bei aufdringlicher Beschallung in Einkaufsmärkten und Restaurants kann sich Worlitzsch hingegen richtig aufregen: „Das tut mir dann richtig weh.“ Da sagt dann schon mal Tochter Yaltah, dass sie den Wirt bitten wolle, die Popmusik leiser zu drehen. – Dann ist es fast so ruhig und entspannend wie am Gartenteich zu Hause.

● Zum 30. Jubiläum des Symphonieorchesters der MHH dirigiert Worlitzsch und tritt im Rahmen eines Konzertes auch als Solist auf: Am 22 Juni (17 Uhr) in der Waldorfschule in Hannover und am 23. Juni (19.30 Uhr) in der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Programm : C.M. v. Weber, Ouverture zur Oper „Oberon“; F. Mendelssohn-Bartholdi, Violinkonzert e-moll; R. Schumann, Sinfonie Nr. 1 B-Dur (Frühlingssinfonie).

Vita Volker Worlitzsch

1944 geboren in Rathenow.

1945 mit der Mutter und drei Schwestern per Bollerwagen nach Schleswig-Holstein übergesiedelt.

1950 Einschulung in Preetz (Holstein).

1953 Umzug nach Detmold; Geigenunterricht; Besuch des Leopoldinums in Detmold.

1960 Beurlaubung vom Schulbesuch, Konzertmeister des Mozartorchesters in Soest.

1963/64 Musikstudium an der Hochschule Detmold.

Während des Studiums: Engagements als Konzertmeister im Züricher Orchester mit elf Konzertreisen durch Europa.

1966/67 Privatunterricht in Prag bei dem Geiger Josef Suk.

Konzertmeister im Berliner Symphonischen Orchester.

Orchestermitglied der Berliner Philharmonie unter Herbert von Karajan.

Seit Mai 1970 Erster Konzertmeister der NDR-Radiophilharmonie Hannover.

Mitglied der Streichergruppe „Joachimquartett“, Schallplatteneinspielungen, Hausinternes Quintett.

1985-1987 Professur an der Musikhochschule Detmold.

Seit 2000 Leitung des Symphonieorchesters der Medizinischen Hochschule Hannover (Amateure).

Wortlitzsch ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Zusammen bildet die Familie ein Quintett und spielt Bratsche, Klavier und Geige, schließlich belegten die Kinder beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene immer vordere Plätze.

Als 16 jähriger begann Volker Worlitzsch 1960 als Konzertmeister des Mozartorchesters in Soest und wechselte fünf Jahre später in der gleichen Position zum Zürcher Kammerorchester. Bald darauf (1967) nahm er im Berliner Symphonischen Orchester ebenfalls die Stelle als erster Konzertmeister an. Von 1968 bis 1970 war er Mitglied des Berliner Philharmonischen Orchesters unter Herbert von Karajan.

Volker Worlitzsch: Anspielprobe in der Humboldtschule am 08.02.2002

Seit 1970 ist er erster Konzertmeister der Radiophilharmonie Hannover des NDR.

Zwischenzeitlich half Volker Worlitzsch als Konzertmeister beim Symphonie Orchester des WDR, den Münchner Philharmonikern, am Staatstheater Bremen und Hannover sowie bei den Hamburger Symphonikern aus.

An der Musikhochschule in Detmold unterrichtete er von 1985 bis 1987 in einer C-3 Position eine Violin- und Kammermusikklasse. Neben zahlreichen Solo- und Kammermusikkonzerten leitete er auch Kurse für Violine und Kammermusik im In- und Ausland, so einige Jahre den Kurs der "Jeunesses musicales" auf Sylt sowie das dortige Orchester.

Außer dem Hochschulorchester in Detmold dirigierte Volker Worlitzsch u.a. die Radiophilharmonie Hannover des NDR sowie die Hamburger Symphoniker. Im Dezember 2000 übernahm er die Leitung des Symphonie-Orchesters der MHH

Von Lothar H. Bluhm