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Typen Ein Leben für die Zeichnung
Mehr Typen Ein Leben für die Zeichnung
13:41 13.06.2010
Oberohe

Anna Katharina Jander wurde vor 40 Jahren in Lüneburg geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Braunschweig an der dortigen Hochschule für Bildende Künste. Malerei, Grafik und Film waren ihre Studienfächer. Durch ein Stipendium bekam sie die Gelegenheit, ein Jahr an der „School of the Art“ in Chicago / USA zu verbringen. Im Jahr 1992 schloss sie ihr Studium mit einem Diplom und dem Grad „Meister-Schüler“ ab. „Diplom-Künstlerin - diese Bezeichnung ist doch nur für Beamte wichtig“, meint sie aus heutiger Sicht dazu.

Zu ihrer Abschlussarbeit gehörte ein Trickfilm. Dieser Kunstgattung hatte sie sich schon vorher, auch in Chicago, zugewendet. Nun war es für sie eine Freude, dass ihr Abschlussfilm im Rahmen der Oberhausener Filmtage gezeigt wurde.

Hang zum Zeichen wurde

mit in die Wiege gelegt

Anna K. Jander wohnt in Oberohe. Das Haus liegt zwar an der Kreisstraße, die Unterlüß mit Faßberg verbindet, ist jedoch im Wesentlichen von Wald und Heide umgeben. Sicher ein passendes Refugium für eine sensible Künstlerin wie Jander. Sie ist ein wenig erblich belastet, meint sie. Beide Elternteile waren Kunsterzieher, ihre Großmutter war eine der ersten Kunst-Studentinnen überhaupt. Damit war der Weg schon vorgegeben. Zumindest zeichnete Anna Jander bereits in der Schule sehr gern und viel. Ab ihrem 15. Lebensjahr hat sie sich regelmäßig künstlerisch betätigt, erinnert sie sich. Wenngleich sie ein breites Feld an Ausdruckmöglichkeiten beherrscht, so gilt sie nunmehr als „Trickfilm-Malerin“. Zum Kreis der anerkannten Trickfilmkünstler gehören in Deutschland insgesamt rund 50 Personen, sagt Anna K. Jander, sie selbst eingeschlossen. Daraus resultiert, dass sie bei neuen Projekten zur Mitarbeit eingeladen wird.

Etwa 800 Hintergründe

mussten gemalt werden

Beim Film „Die drei Räuber“ hat sie mit fünf Kollegen die etwa 800 Hintergründe gemalt. Die waren vorher festgelegt worden, ebenso war der gesamte Stil der Bilder vorgegeben. Dafür verantwortlich ist der jeweilige Art Director, der die Arbeiten dann überwacht. Täglich werden die Ergebnisse überprüft und bewertet und die weiteren Schritte besprochen. Das ist wichtig, damit das Zeichner-Team als homogene Einheit arbeitet. Nur so wird vermieden, dass im fertigen Film dann lästige Stilbrüche erkennbar sind. „Natürlich gibt man bei dieser Arbeit doch einen Teil seiner eigenständigen stilistischen Identität auf“, räumt Anna K. Jander ein. Allerdings darf man sich ihren Beitrag nicht als eine Art Fließbandarbeit vorstellen, vielmehr gelingt es durchaus, eigene Ideen einzubringen. Jander arbeitet gern an Trickfilmen. Im Augenblick entwirft sie das Stilkonzept für einen weiteren Trickfilm. Das ist eine große Herausforderung.

Deutscher Fimpreis in der

Kategorie „Kinder-Film“

Neben dem künstlerischen Anspruch sind die technischen Gegebenheiten der Trickfilmherstellung zu berücksichtigen. Da fühlt sich die Malerin sicher, schließlich beschäftigt sie sich aktiv seit gut 15 Jahren mit diesem Metier. Mit Erfolg, der unter anderem an Auszeichnungen sichtbar wird. Im Jahr 2000 erhielt sie den Deutschen Filmpreis in der Kategorie „Kinder-Film“ zuerkannt, im Jahr darauf den ersten Preis des „Art Directors Club“.

Anna K. Jander ist nicht einseitig festgelegt. Vor gut zwei Jahren hat sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Klaus Jordan ein Buch fertig gestellt. „Wir Heidschnucken von Sothriethof“ heißt es. Die erste Auflage ist bereits vollständig verkauft, derzeit wir eine zweite Auflage vorbereitet. Zur Entstehung des Buches trug ihre häusliche Umgebung bei. Ganz in der Nähe liegt der Sothriethof, auf dem rund eintausend Schnucken leben. Klaus Jordan hat den Text verfasst, Anna K. Jander steuerte die etwa 30 Bilder bei. Herausgekommen ist ein sehr lesenswertes Buch, in dem mit Liebe, Genauigkeit und voller Humor der Lebenslauf der Schnucken, ihr Herkommen und das Drumherum des Hoflebens geschildert werden.

Städte Kaliforniens und die umgebenden Wüstengebiete

Das Paar Jander-Jordan arbeitet augenblicklich an einem weiteren Projekt. „Ich unternehme oftmals zwei oder drei Dinge gleichzeitig“, seufzt Anna Jander, aber es scheint, als wenn sie diese Tatsache eher künstlerisch beflügelt. Immerhin waren die beiden in diesem Jahr für zwei Monate in Los Angeles und San Francisco. Dieser Aufenthalt soll seinen Niederschlag in einem Buch finden. Der Reisebericht, in dessen Mittelpunkt die beiden kalifornischen Städte und die umgebenden Wüstengebiete stehen, wird den Inhalt ausmachen. „Das Buch ist lustig und spannend“, verrät die Künstlerin das Konzept. Klaus Jordan schreibt wieder die Texte und Anna K. Jander steuert die Bilder bei.

Arbeit an einem

neuen Zeichentrickfilm

In diesen Tagen nimmt Anna K. Jander die Mitarbeit an einem neuen Zeichentrickfilm auf. Er wird in Baden-Baden entstehen und „Drei Freunde“ heißen. Diesmal ist sie „Key Background Malerin“ und setzt in dieser Funktion die Maßstäbe für die Hintergründe. Dass ihr Name dann im Abspann gleich nach dem des Art Director genannt wird, freut sie zwar, ist jedoch allenfalls ein Ansporn.

Lebenslauf

.26. März 1967 wird Anna K. Jander in Lüneburg

geboren

.1986 Abitur

.1986 bis 1992 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

.1989 / 1990 Studium an der „School of the Art

Institute“ in Chicago

.1992 Studienabschluss

mit Diplom und

„Meister-Schüler“

.1992 Beginn der

beruflichen Tätigkeit im

Zeichentrickfilmbereich

.1996 Lehrtätigkeit in

Hamburg und Babelsberg

.2000 Deutscher Filmpreis in der Kategorie Kinder-Film

.2001 Erster Preis des

„Art Directors Club“

.2005 Buch „Wir Heidschnucken vom Sothriethof“ zusammen mit Klaus Jordan

.2006 Beginn der

Mitarbeit am Trickfilm

„Die drei Räuber“

Von Udo Genth