Diethelm Schulz

Mathematiker aus Gockenholz rechnet mit Gott

"Jesus Christus ist unser Fundament", ist Diethelm Schulz aus Gockenholz überzeugt. Zu seinem Glauben haben drei überlebte Anschläge beigetragen.

  • Von Carsten Richter
  • 02. Okt. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Carsten Richter
  • 02. Okt. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Gockenholz.

Was Diethelm Schulz erlebt hat, bietet Stoff für einen Krimi-Mehrteiler im Fernsehen. Es ist 41 Jahre her. 1980 war das Schicksalsjahr für den gebürtigen Rheinländer. Die damaligen Erlebnisse sollten sein Leben vollständig umkrempeln. Diethelm Schulz hat binnen weniger Wochen drei Bombenanschläge unverletzt überlebt. Da klingt es schon verwunderlich, wenn der heute 63-Jährige über das Jahr 2014 sagt: "Von da an wurde das Leben erst richtig spannend." Vor sieben Jahren ist Schulz zusammen mit seiner Frau Angela nach Athen gegangen, wo der Mathematiklehrer für drei Jahre eine Stelle an der Stelle an der Deutschen Schule übernahm. Im vergangenen Jahr hat er den Vorsitz des Celler Verbandes von "Christen im Beruf" übernommen. Ein wechselvolles Leben, das durch Gott geprägt ist.

Sein Leben steht im Zeichen der Nächstenliebe

"Gott hat uns durch Leid und Ungerechtigkeit getragen", erzählt der Gockenholzer, der erstmals 1975 in den Lachendorfer Ortsteil gezogen ist, dann viel durch die Welt gereist ist und schließlich 2017 wieder zurückkehrte. Ein wechselvolles Leben, das seit rund 25 Jahren im Zeichen der Nächstenliebe steht, aber nicht von vorneherein mit dem christlichen Glauben verbunden war. Selbst direkt nach den drei überlebten Anschlägen – in Bologna, auf der griechischen Peloponnes und in München – war diese Erkenntnis noch nicht gereift. "Mir ist erst später bewusst geworden, dass mein Leben unter Gottes Schutz steht", erzählt Schulz.

Diethelm Schulz in einfachen Verhältnissen aufgewachsen

Aufgewachsen ist er mit einer Schwester und einem Bruder in einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Schweißer im Krupp-Hüttenwerk in Rheinhausen, heute ein Stadtbezirk von Duisburg. 1969 eröffneten seine Eltern ein Blumengeschäft. "Mein Bruder war das erste Arbeiterkind, das an unserer Schule Abitur gemacht hat", berichtet Schulz. Diethelm hat später Mathematik und Informatik studiert, sein Bruder ist promovierter Diplom-Ingenieur. "Clevere Jungs", meint Diethelm Schulz verschmitzt. Im Bereich Lachendorf hatte die Familie Verwandtschaft. Als der Vater auf ein Grundstück aufmerksam wurde, das am Kirchweg in Gockenholz zum Verkauf stand, hat die Familie nicht lange überlegt. Von 1973 bis 1975 haben sie das Haus gebaut, in das Schulz schließlich mit Eltern und Geschwistern einzog.

Unterwegs gewesen in 30 Ländern

Angela Schulz stammt aus Altenhagen. 1979 haben sie sich kennengelernt, 1986 wurde geheiratet. Nach Stationen im In- und Ausland und Reisen in 30 Ländern – zur Hälfte aus beruflichen Gründen – ist das Paar vor vier Jahren wieder zurückgekehrt. Mit im Haus lebt Diethelm Schulz' Mutter, seine Frau hat dort zudem eine Beratungspraxis unter anderem für Traumatherapie eingerichtet.

Drei Anschläge in wenigen Wochen überlebt

Diethelm Schulz hat insgesamt viel Glück gehabt im Leben, Tiefschläge blieben aber auch nicht aus. "Gott hat uns durch Leid und Ungerechtigkeit getragen. Wir sind nicht vor allem bewahrt, aber in allem", erläutert er seine Auffassung vom christlichen Glauben. Nichts hat ihn so sehr zu dieser Erkenntnis kommen lassen wie die Ereignisse im Sommer 1980. Angela und Diethelm waren auf dem Weg in den Urlaub nach Griechenland, als auf den Hauptbahnhof in Bologna ein Anschlag verübt wurde. 85 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt. Die Gockenholzer waren an dem Tag in der italienischen Stadt, um in einen anderen Zug zu steigen. "Erst zwei Wochen später habe ich überhaupt erfahren, was passiert ist. Da habe ich dann gedacht: Da habe ich wohl Glück gehabt."

Oktoberfest-Attentat nur knapp entkommen

Das sollte noch nicht alles gewesen sein: Im Urlaub gingen während eines Bootsausflugs links und rechts Bomben nieder – es sollte der zweite Anschlag innerhalb kürzester Zeit gewesen sein, den er völlig unversehrt überlebte. Zurück in Deutschland: Schulz war als Bundeswehrsoldat in München stationiert, als beim rechtsextremen Oktoberfest-Attentat am 26. September 13 Menschen durch eine Bombenexplosion ums Leben kamen. Schulz war zum Zeitpunkt des Anschlags auf dem Gelände und hörte den lauten Knall. Auch diesmal hatte er viel Glück. "Ich habe mir noch keine großen Gedanken gemacht, dass Gott damit zu tun gehabt haben könnte."

Mit Püppchen-Aktion fing neuer Lebensabschnitt an

Nach dem Studium und der Geburt ihrer vier Kinder begann für Diethelm Schulz mit der Gründung des Christlichen Kinderhilfswerks Deutschland (Child) ein neuer Lebensabschnitt. Ende der 1990er Jahre kehrte ein befreundeter Missionar aus Brasilien zurück nach Deutschland. Er hatte von der Child-Gründung gehört und berichtete von Waisenkindern in Südamerika – Schulz' Helfersyndrom war geweckt. Zugleich hatte eine Frau aus Springe Puppen an das Hilfswerk gespendet. Schulz machte sich auf die Reise nach Brasilien. Mit den Püppchen war eine Idee geboren, die den weiteren Lebensweg des Gockenholzers prägen sollte.

"Aktion Schuhkarton" als Erfolgsgeschichte

"Es hat mich bewegt, wie Kinder verhungern", schildert Schulz seine Eindrücke. "Später haben wir Püppchen aus ganz Deutschland gesammelt und verschickt." Die daraus resultierende "Aktion Schuhkarton" wurde zu einer Erfolgsgeschichte. "Wir haben bis zu 300 Pakete in einem Monat gepackt und jeweils zur Hälfte nach Argentinien und Sambia verschickt." Auch in seiner Zeit als Lehrer an der Deutschen Schule in Athen ab 2014 verfolgte ihn sein Engagement für hungernde Kinder: Schulz war in Griechenland, als die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt erreichte. "Dadurch ist die Aktion Schuhkarton wieder aufgeflammt", berichtet der Lehrer, der 2004 seinen ursprünglichen Berufswunsch wieder aufnahm. Schlafsäcke verteilen, Essen ausgeben – Schulz hat angepackt, wo immer Hilfe nötig war.

Celler Vorsitzender von "Christen im Beruf"

Die überlebten Bombenanschläge, die Flüchtlingshilfe: "Ich fühle mich durch Gott geführt", erzählt der 63-jährige heute, der jeden Tag mit einem Gebet beginnt. Im überkonfessionellen Verein "Christen im Beruf" werden öffentliche Vorträge über besondere Lebensgeschichten gehalten. "Wir wollen weitererzählen, was wir erlebt haben", sagt der Vorsitzende Schulz. Für ihn steht zweifelsfrei fest: "Jesus Christus ist unser Fundament."

lebenslauf

5. April 1958

Geboren in Rheinhausen (Duisburg)

1975

Umzug nach Gockenholz, danach noch zweimal umgezogen im Kreis Celle

1979

Abitur, Technisches Gymnasium Celle

1985-1994

Mathematik- und Informatikstudium

1986

Heirat mit Angela, vier gemeinsame Kinder

1995-2003

Gründer und Geschäftsführer Kinderhilfswerk Child

2004-2014

Mathematiklehrer in Öhringen

2014-2017

Lehrer an Deutscher Schule Athen

seit 2017

Lehrer/stellvertretender Schulleiter in Hannover

seit 2020

Vorsitzender des Vereins "Christen im Beruf Celle"