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14:25 13.06.2010
Celler Typ: Astrid Trebchen Von Silja Weißer - CELLE. „Ich muss gestehen, ich kenne die Krankheit gar nicht“. Lachend dreht Astrid Trebchen ihre Hände auf Brusthöhe. An den kleinen Fingern glänzen Ringe. Zusammen mit den Daumen umgeben sie ihre Behinderung: Zeige-, Mittel- und Ringfinger an beiden Händen sind jeweils zusammengewachsen und unbeweglich, von Geburt an. Greifen kann die 31-Jährige nicht. „An den Füßen habe ich das auch“, erzählt Trebchen, beugt sich zu ihren schwarzen Turnschuhen herunter und fordert strahlend auf: „Soll ich mal zeigen…?“ Ihr verschmitzter Blick sagt alles: Mich stört`s nicht und ob es Dich stört, ist mir egal. - Genau diesem erfrischenden Cocktail aus Zuversicht, Lebenslust, Tatendrang und Selbstironie, die jeden Anflug von Mitleid oder Selbstmitleid im Keim erstickt, ist es zu verdanken, dass Trebchen bei den Mitbewohnern der Lobetalarbeit ebenso beliebt ist wie bei den Mitarbeitern. - Ihre positive Energie reicht nicht nur für sie. Das beweist Trebchen seit zehn Jahren durch ihre Mitarbeit in der Gruppe 4 im Haus Siloah. In der Wohngruppe der Haupteinrichtung der Lobetalarbeit in der Fuhrberger Straße werden zehn Schwerstbehinderte betreut. Als so genannte hauswirtschaftliche Hilfskraft packt Trebchen, trotz Behinderung, ordentlich zu. Damit ist sie eine von insgesamt 13 Bewohnern, die den Mitarbeitern der Einrichtung bei ihrer Arbeit helfen. Das Entgeld dafür ist objektiv betrachtet gering. Doch: Bewohner haben Kost und Logis frei und bekommen Geld für Bekleidung. Der Lohn gilt als Anerkennung für das, was Trebchen so selbstverständlich bewältigt, sechs Tage die Woche und an Feiertagen, im Schichtdienst von 6.30 bis 12 Uhr oder 13 bis 19.30 Uhr. - Ob Frühstück oder Betten machen, Wäsche zusammenlegen, Müll wegbringen oder Botengänge erledigen, ein „Das-kann-ich-nicht“, hört das Mitarbeiter-Team des Hauses selten von ihr. Die Arbeiten, die sie nicht in Angriff nimmt, darf sie ohne Fachaus
Celler Typ: Astrid Trebchen Von Silja Weißer - CELLE. „Ich muss gestehen, ich kenne die Krankheit gar nicht“. Lachend dreht Astrid Trebchen ihre Hände auf Brusthöhe. An den kleinen Fingern glänzen Ringe. Zusammen mit den Daumen umgeben sie ihre Behinderung: Zeige-, Mittel- und Ringfinger an beiden Händen sind jeweils zusammengewachsen und unbeweglich, von Geburt an. Greifen kann die 31-Jährige nicht. „An den Füßen habe ich das auch“, erzählt Trebchen, beugt sich zu ihren schwarzen Turnschuhen herunter und fordert strahlend auf: „Soll ich mal zeigen…?“ Ihr verschmitzter Blick sagt alles: Mich stört`s nicht und ob es Dich stört, ist mir egal. - Genau diesem erfrischenden Cocktail aus Zuversicht, Lebenslust, Tatendrang und Selbstironie, die jeden Anflug von Mitleid oder Selbstmitleid im Keim erstickt, ist es zu verdanken, dass Trebchen bei den Mitbewohnern der Lobetalarbeit ebenso beliebt ist wie bei den Mitarbeitern. - Ihre positive Energie reicht nicht nur für sie. Das beweist Trebchen seit zehn Jahren durch ihre Mitarbeit in der Gruppe 4 im Haus Siloah. In der Wohngruppe der Haupteinrichtung der Lobetalarbeit in der Fuhrberger Straße werden zehn Schwerstbehinderte betreut. Als so genannte hauswirtschaftliche Hilfskraft packt Trebchen, trotz Behinderung, ordentlich zu. Damit ist sie eine von insgesamt 13 Bewohnern, die den Mitarbeitern der Einrichtung bei ihrer Arbeit helfen. Das Entgeld dafür ist objektiv betrachtet gering. Doch: Bewohner haben Kost und Logis frei und bekommen Geld für Bekleidung. Der Lohn gilt als Anerkennung für das, was Trebchen so selbstverständlich bewältigt, sechs Tage die Woche und an Feiertagen, im Schichtdienst von 6.30 bis 12 Uhr oder 13 bis 19.30 Uhr. - Ob Frühstück oder Betten machen, Wäsche zusammenlegen, Müll wegbringen oder Botengänge erledigen, ein „Das-kann-ich-nicht“, hört das Mitarbeiter-Team des Hauses selten von ihr. Die Arbeiten, die sie nicht in Angriff nimmt, darf sie ohne Fachaus Quelle: Peter Müller
Wietzenbruch

„Ich muss gestehen, ich kenne die Krankheit gar nicht“. Lachend dreht Astrid Trebchen ihre Hände auf Brusthöhe. An den kleinen Fingern glänzen Ringe. Zusammen mit den Daumen umgeben sie ihre Behinderung: Zeige-, Mittel- und Ringfinger an beiden Händen sind jeweils zusammengewachsen und unbeweglich, von Geburt an. Greifen kann die 31-Jährige nicht. „An den Füßen habe ich das auch“, erzählt Trebchen, beugt sich zu ihren schwarzen Turnschuhen herunter und fordert strahlend auf: „Soll ich mal zeigen…?“ Ihr verschmitzter Blick sagt alles: Mich stört’s nicht und ob es Dich stört, ist mir egal.

Positive Energie reicht für

die ganze Wohngruppe

Genau diesem erfrischenden Cocktail aus Zuversicht, Lebenslust, Tatendrang und Selbstironie, die jeden Anflug von Mitleid oder Selbstmitleid im Keim erstickt, ist es zu verdanken, dass Trebchen bei den Mitbewohnern der Lobetalarbeit ebenso beliebt ist wie bei den Mitarbeitern.

Ihre positive Energie reicht nicht nur für sie. Das beweist Trebchen seit zehn Jahren durch ihre Mitarbeit in der Gruppe 4 im Haus Siloah. In der Wohngruppe der Haupteinrichtung der Lobetalarbeit in der Fuhrberger Straße werden zehn Schwerstbehinderte betreut. Als so genannte hauswirtschaftliche Hilfskraft packt Trebchen, trotz Behinderung, ordentlich zu. Damit ist sie eine von insgesamt 13 Bewohnern, die den Mitarbeitern der Einrichtung bei ihrer Arbeit helfen. Das Entgeld dafür ist objektiv betrachtet gering. Doch: Bewohner haben Kost und Logis frei und bekommen Geld für Bekleidung. Der Lohn gilt als Anerkennung für das, was Trebchen so selbstverständlich bewältigt, sechs Tage die Woche und an Feiertagen, im Schichtdienst von 6.30 bis 12 Uhr oder 13 bis 19.30 Uhr.

Ob Frühstück oder Betten machen, Wäsche zusammenlegen, Müll wegbringen oder Botengänge erledigen, ein „Das-kann-ich-nicht“, hört das Mitarbeiter-Team des Hauses selten von ihr. Die Arbeiten, die sie nicht in Angriff nimmt, darf sie ohne Fachausbildung nicht erledigen, insbesondere das Verabreichen von Medikamenten. Auch Essen anreichen, die Bewohner mit dem Lifter auf Toilette bringen oder mit Epileptikern spazieren gehen ist der jungen Frau nur unter Aufsicht gestattet. Ihr geistiges Defizit, ihre Schwierigkeit, komplexe Sachverhalte zu verstehen, verschafft ihr, so die Mitarbeiter, einen gewissen „Heimvorteil“: „Nicht Behinderte denken manchmal um viele Ecken, Astrid denkt gerade. Oft versteht sie die Bewohner besser und kann ihre Gesten schneller deuten“, erläutert Anke Hermerding, gelernte Heilerziehungspflegerin und Vertrauensperson Trebchens.

Trebchens Arbeit wird

von allen ernst genommen

Hermerding muss überlegen, was ihrem Schützling im Job überhaupt schwer fällt: „Filigrane Arbeiten. Drehverschlüsse und Schleife binden, aber sonst…?“, grübelt sie. „Ich bin eine, die gerne mal versucht etwas alleine hinzukriegen“, wird sie unterbrochen. Trebchen wippt aufgeregt auf ihrem Stuhl hin- und her, die Hände auf ihre schwarze Jeans gepresst, als könne sie die kleine Gesprächspause nicht ertragen. Nervös beginnt sie, an dem orangen T-Shirt zu nesteln, das unter der schwarzen Sweatjacke hervorblitzt. „Ist doch so, oder?“, fragt die zierliche Person mit einer sympathischen Unsicherheit Hermerding. Immer wieder nickt diese ihr aufmunternd zu – ein kollegiales Nicken. Trebchen grinst und erklärt: „Wir ärgern uns manchmal – das darf ich doch sagen, oder?“ Die trockene Antwort: „Nö.“ Beide müssen lachen und Hermerding führt aus: „Wir sind ein sehr positives Team, nehmen Rücksicht aufeinander, Astrids Arbeit wird genauso ernst genommen. Und sie merkt, dass sie geschätzt wird.“

Doch nicht nur Angenehmes und Lustiges durchlebt Trebchen mit dem Betreuerteam. Besonders bei brenzligen Situationen in der Wohngemeinschaft, zum Beispiel bei epileptischen Anfällen, weiß Hermerding ihre Unterstützung zu schätzen.

Ihre Familie gab sie

mit einem Jahr weg

Dann holt Trebchen Hilfe, wartet auf den Krankenwagen und weist den Rettungshelfern den Weg. „Ja, es ist schön für uns zu wissen, dass wir uns auf Dich verlassen können“, sagt Hermerding und bekräftigt: „Dich geben wir nie wieder her.“

Trebchens Familie tat es. Mit einem Jahr brachten ihre Eltern sie in die Einrichtung. Eine Pflegemutter nahm sich dem Kind an. Nur wenige Familienbilder hängen an der Wohnzimmerwand ihres Zweizimmer-Appartements. Kein Bild von den Eltern, nur ihre Schwester samt Familie. Der Vater? Ja, der habe sich noch ein paar Mal gemeldet, winkt die sonst so fröhliche Frau schnell ab. Die Mutter schicke ihr zwei Mal pro Jahr eine Postkarte, Weihnachten und zum Geburtstag.

Trebchen schaffte sich ihr eigenes Zuhause. „Astrid sagt immer: Ich habe Dich adoptiert“, erzählt Anke Hermerding. Doch nicht nur der Job gibt ihr Halt. Vor vier Jahren heiratete sie Thomas Hansen, ebenfalls Heimbewohner und tatkräftige Hand im Allertal-Café an der Fuhrberger Straße. Mit ihm teilt sie mittlerweile nicht nur ihren Nachnahmen, sondern auch ein Appartement. Der 44-Jährige ist Astrid Trebchens große Liebe. Bereits als 18-Jährige „lauerte“ sie ihm nach der Arbeit auf. Ein Psychologe und ein Pastor bereitete das Paar mit Beratungsgesprächen auf ihre Lebensgemeinschaft vor. Trebchens Bund fürs Leben ist eine Seltenheit in der Lobetalarbeit. Unter den Bewohnern wurden bislang acht Ehen geschlossen, so Markus Weyel, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Nicht nur die Ehe gibt Trebchen Geborgenheit und Kraft. Auch in ihren zahlreichen Interessen geht die junge Frau auf. Angefangen von ihrer Mitarbeit im Heimbeirat, der selbstgewählten Vertretung der Bewohner, über ausgedehnte Radtouren und Gartenarbeit bis hin zu regelmäßigen Proben mit der Lobetal-Band, in der sie als Sängerin bei Heimfesten auf der Bühne steht. Das Repertoire reicht von christlichen Liedern bis zu Drafi Deutschers „Marmor, Stein und Eisen bricht“.

Künstlerisch tätig wird Astrid Trebchen auch nach Feierabend noch, wie ein Blick in ihre Wohnung verrät. An jeder freien Wand hängen von ihr gemalte Bilder – mit fröhlichen Farben und Motiven. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt sie. „Außerdem gehe ich nur ein paar Minuten bis zu Arbeit.“ Dass der Job kein Muss ist, zeigt ihre Antwort auf die Frage, was sie sich denn zu Weihnachten wünsche: „Romantik. Ein schönes Essen. Viele Geschenke brauche ich nicht. Ich arbeite Weihnachten – das mache ich gerne. Hier ist es ja auch auf eine Art romantisch.“

Vita:

- Geboren am 15. August 1977 in Salzburg (Österreich).

- 1978: Aufnahme in die Lobetalarbeit.

- Lobetalkindergarten

- Ab 1983: Zwölfjährige Ausbildung in der Lobetalschule. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Hauswirtschaft, Werken, lebenspraktische Bereiche und Sport sowie in Kursform Lesen, Schreiben und Rechnen.

- Ausbildung in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM), unter anderem in der Lobetaler Küche und der Näherei sowie in der Arbeitstherapie in Altencelle.

- 1998 bis heute: hauswirtschaftliche Hilfskraft im Haus Siloah, einer Wohngruppe für Schwerstbehinderte in der Lobetalarbeit in der Fuhrberger Straße.

- 2004: Hochzeit mit Thomas Trebchen, geborener Hansen.

Von Silja Weißer