Autorin

Fernab der Zivilisation kommt die Inspiration

Ein halbes Jahr in Celle, den Rest in Schweden: So sieht das Leben von Christine Brinkforth aus. In der Ruhe Skandinaviens schreibt sie romantische Thriller.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 07. Sept. 2021 | 19:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 07. Sept. 2021 | 19:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Ihren Hund, den Ehemann und die Natur – mehr braucht Christine Brinkforth nicht um glücklich zu sein. Das hat sie festgestellt, als die drei für ein komplettes Jahr nach Schweden gezogen sind. Sie hatten sich 2017 ein Haus gekauft, mitten im Wald gelegen und fernab von anderen Menschen. Es hat ihnen so gut gefallen, dass sie regelmäßig mehrere Monate in Mittelschweden verbringen. Die restliche Zeit leben sie in Celle und warten wieder darauf, in die unberührte Natur zurückzukönnen.

Es war der lange Aufenthalt im skandinavischen Land, der Christine Brinkforth dazu bewegte, mit dem Schreiben anzufangen. „Ich habe überlegt, was ich dort machen kann und habe nur für mich selbst angefangen zu schreiben. Ich hatte gar nicht vor, dies später zu veröffentlichen“, erzählt Brinkforth. Es war die Enkeltochter, die den ersten Roman lesen durfte und ihr dazu riet, diesen zu veröffentlichen. Ein paar weitere Testleser später, stand der Entschluss fest, es per Self-Publishing-Plattform zu versuchen.

Arbeit am dritten Band in vollem Gange

„Ich mache das nicht zum Geldverdienen. Daher wollte ich mir die Verlagssuche nicht antun und auch nicht an feste Abgabetermine gebunden sein“, erklärt die Autorin. So konnte sie dieses Jahr auch gleich zwei Bücher einer Reihe auf einmal herausbringen. Nach den beiden romantischen Thrillern „Bleib - Verloren“ und „Bleib - Verborgen“ arbeitet die 54-Jährige derzeit am dritten Band. Alle Bücher handeln von Charakteren derselben Familie, spielen aber zeitlich versetzt. Die besten Ideen zum Schreiben kommen der Frühaufsteherin morgens um 5 Uhr. Dabei kommt es vor, dass sie mal jeden Tag etwas schreibt, dann wieder wochenlang gar nichts. Das Erfinden ihrer eigenen Geschichte ist auch für sie selbst spannend, denn viele Gedanken macht sie sich vorher nicht. „Plotten kann ich überhaupt nicht. Ich weiß gerade mal den Anfang und das Ende“, sagt sie. Alles andere entwickelt sich spontan. Die Geschichte für den ersten Teil hatte sie schon lange im Kopf, ohne diese aufzuschreiben. „Wenn man viel liest, denkt man sich irgendwann auch eigene Geschichten aus“, erklärt sie.

Liebe auf den ersten Blick

Im ersten Roman verliebt sich Protagonistin Cloe auf den ersten Blick in den Personenschützer Jo, der nach einem Überfall der einzige ist, der sie beschützen kann. Diese Liebe auf den ersten Blick ist etwas, was Hauptfigur und Autorin gemeinsam haben. „Ich habe meinen Mann in Essen mitten in einer Diskothek gesehen und wusste sofort, das ist er“, erzählt sie. Beide sind im Ruhrgebiet aufgewachsen. Als sie dann zusammen nach Celle zogen, war die Begeisterung groß. „Celle hat total viel Flair und man ist nie weit vom Grünen entfernt“, schwärmt Brinkforth.

Arbeit mit Pferden als Traumjob

Nach der Geburt ihrer Tochter, fing sie an, als Reitlehrerin zu arbeiten. „Diese Idee hatte ich schon, als ich das erste Mal beim Ponyreiten vom Pferd gefallen bin“, erzählt sie. In Bostel arbeitete sie als selbstständige Reitlehrerin und war für die Ausbildung der Pferde und Kinder zuständig. „Es ist einfach schön, beide zusammenbringen zu können“, so Brinkforth. Damals wurde sie mehrmals gefragt, ob die Kinder so weit wären, auch eigene Pferde zu halten. Normalerweise hat sie fast immer nein gesagt, da die Kinder durch die Schule schon genug zu tun hatten. „Aber einmal hatte mich eine Mutter gefragt und ich hatte ehrlich antworten können, dass die Tochter tatsächlich so weit ist, ein eigenes Pferd zu haben“, erzählt die ausgebildete Pferdewirtin. Das war für sie selbst ein besonderer Moment. Mit beiden steht sie bis heute in Kontakt. Auch jetzt ist sie noch regelmäßig auf dem Hof in Bostel, um zu reiten und Freunden Unterricht zu geben. Ihre eigenen elf Pferde hat sie aber mittlerweile abgegeben. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, länger zu verreisen beziehungsweise ein Haus in Schweden zu kaufen.

Elche keine Besonderheit mehr

Die erste Zeit in der neuen Heimat war für sie ein großes Abenteuer. „Als wir am Anfang die ersten Elche am Zaun gesehen haben, haben wir uns immer noch gegenseitig gerufen. Jetzt ist das für uns völlig normal“, sagt die Cellerin. Sie haben sich ein zweistöckiges Holzhaus gekauft, das mitten im Wald steht. Nur unweit entfernt liegen zwei Seen, auf denen Brinkforth gerne mit ihrem Kajak unterwegs ist. Ihr Begleiter: Hund Pauli. Der Briard darf vorne Platz nehmen, bleibt auch mittlerweile im Boot sitzen. „Beim ersten Mal ist er rausgesprungen“, erzählt seine Besitzerin. „Zum Glück waren wir auf dem kleineren der beiden Seen unterwegs, sodass er mit seiner Schwimmweste schnell wieder ans Ufer kam.“ Ihn zurück ins Kajak hineinholen, ist bei seiner Größe einfach nicht möglich.

Nachdem Christine Brinkforth und ihr Ehemann ein ganzes Jahr in Schweden verbracht haben, wechseln sie nun halbjährlich ihren Wohnort. Zuletzt waren sie den Winter über in ihrem Holzhaus. „Es ist genauso, wie man sich einen Winter dort vorstellt. Die Seen sind zugefroren, sodass wir dort spazieren gehen konnten. Es liegt überall Schnee und es ist die meiste Zeit dunkel“, so Brinkforth. Die Einkäufe konnten irgendwann nur noch zu Fuß den Berg hochgebracht werden, weil das Auto selbst mit Schneeketten nicht mehr nach oben fahren konnte.

Schweden sind ruhiger und gelassener

Das nächste Dorf liegt je nach Wetterverhältnissen eine halbe bis Dreiviertelstunde mit dem Wagen entfernt. Dort gibt es aber alles, was benötigt wird: Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken. Um sich zu verständigen, reicht Englisch völlig aus. Ein bisschen Schwedisch hat Brinkforth aber trotzdem gelernt. Insgesamt seien die Menschen dort viel ruhiger und gelassener als in Deutschland.

Von der Sonne früh geweckt

In Zukunft möchte das Ehepaar eher in den Sommermonaten nach Schweden. „In der Zeit ist es dort wunderschön. Allerdings wird es schon um 2 Uhr hell, sodass man denkt, man müsste aufstehen und Kaffee machen“, so Brinkforth. Da Ehemann Dirk im Homeoffice ist und von überall aus arbeiten kann, ist es kein Problem länger weg zu sein. Und für Christine Brinkforth sind Schweden und die Ruhe perfekt, um an ihren Büchern zu arbeiten. „Dort kann man so gut entschleunigen“, sagt sie. Auch die großen und kleinen Tiere machen ihr nichts aus. Sie hat sich dran gewöhnt, dass sich Schlangen und Frösche im Gras tummeln oder Mäuse ins Haus verirren können. Nur ein Tier war dann doch etwas nervig: Ein Kuckuck, dessen Rufe auf Dauer ziemlich nervig wurden und die Stille regelmäßig durchbrach. „Zum Glück war der bei unserem letzten Aufenthalt nicht mehr da“, so Brinkforth.

Durch den Aufenthalt in Schweden hat Brinkforth ein neues Bewusstsein für die Natur entwickelt. Wenn sie jetzt mit Pauli durch Celles Wälder geht, nimmt sie Vogelstimmen wahr, die ihr zuvor gar nicht aufgefallen sind. Auch ihr Kaufverhalten hat sich verändert. Sie setzt auf Unverpacktes und auf Lebensmittel direkt von den Landwirten. Ihre neue zweite Heimat hat ihr Leben stark verändert. Sie genießt beides: Das Treffen mit Freunden in Celle und die Ruhe in Mittelschweden.

Lebenslauf

1966

geboren in Essen

1984

Ausbildung zur Pferdewirtin

1989

Hochzeit

1993

Umzug nach Celle

1999

Beginn als Reitlehrerin

2007

Hund Pauli kommt aus dem Tierheim zur Familie

2017

Hauskauf in Schweden

2021

Veröffentlichung der Buchreihe „Bleib“