Ablageort

Geheim

Der Paketversand boomt. Und offenbar auch der Datenschutz. Eine Glosse von Maren Schulze.

  • Von Maren Schulze
  • 23. Apr. 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Maren Schulze
  • 23. Apr. 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Endeholz.

Dass der Versandhandel während der Corona-Pandemie noch mal einen extremen Schub bekommen hat, das dürfte jedem klar sein. Witzbolde hatten schon Fotomontagen angefertigt, die Paketzusteller neben Kartons und mit einer großen Impfspritze in der Hand darstellten – ruckzuck wären alle durchgeimpft. Nicht nur der Konsum wird durch die Versender sichergestellt, nein auch in der Bekämpfung der Pandemie kommt ihnen eine zentrale Rolle zu.

Im Großen und Ganzen bin ich persönlich zufrieden mit der Leistung dieser Unternehmen. Doch jüngst hat das einen gehörigen Dämpfer erhalten. Ich wollte bei meinem Freund die Hausapotheke auf Stand bringen. Und da ich ein Kundenkonto bei einer Versandapotheke habe, sammelte ich die benötigten Medikamente in den Warenkorb und bestellte. Versandadresse: die meines Freundes. Besteller und Bezahler: ich.

Als ich die Mail „Wie wollen Sie Ihr Paket empfangen?“ bekomme, klicke ich auf „Zustellung: Ablage vor der Haustür“. Schließlich ist der oft nicht zu Hause und hat sicher auch keine Lust, bei diversen Nachbarn nach dem Päckchen zu fahnden. Am nächsten Tag bekomme ich erneut eine Mail: „Paket wird morgen zugestellt, Wunschort: Nachbar“. Hä? Okay, änder‘ ich das schnell noch mal. Jedoch: nicht möglich. Also rufe ich beim Paketdienstleister an. „Da muss was schiefgelaufen sein“, sage ich. Und das war der Beginn einer kafkaesken Unterhaltung. Aus der ich zehn Minuten später nur noch einen Ausweg wusste: auflegen. Ich erkläre also das Problem, der Hotline-Mitarbeiter will den Namen wissen. Ich frage: „Also jetzt meinen oder den des Empfängers?“ Er antwortet: „Ja.“ Ich wiederhole meine Frage, er antwortet wieder mit „Ja“. Ich weise darauf hin, dass man eine Frage mit „oder“ nicht mit „Ja“ beantworten kann. Er ringt sich zu der Antwort durch: „Ihren!“ Ich sage meinen Namen und meine Adresse. „Das ist falsch“, behauptet er. Ich atme tief ein und wieder aus. Und nenne Namen und Adresse des Empfängers. Es bleibt still. „Hallo???“ „Dazu kann ich aus Datenschutzgründen nichts sagen.“ Ich denke: „Will der mich verarschen?“, und sage: „Aber ich habe das doch bestellt und bezahlt. Und eben alle erforderlichen Daten genannt.“ – „Dazu kann ich aus Datenschutzgründen nichts sagen.“ Wir drehen uns im Kreis. Nachdem alle meine Bitten, ich wolle doch nur, dass das VOR DIE HAUSTÜR gelegt wird, mit „Dazu kann ich aus Datenschutzgründen nichts sagen“ abgewehrt werden, lege ich auf. Und rufe bei der Versandapotheke an. Muss ich noch erwähnen, dass die darauf keinen Einfluss beim Zustelldienst hatte? Aus Datenschutzgründen? Das nächste Mal gebe ich bei weitere Optionen Ablageort ein: geheim. Aus Datenschutzgründen.