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Wembley-Fluch

Das WM-Finale von 1966 müsste ab dem Stand von 2:2 noch einmal neu zu Ende gespielt werden. Zu diesem Schluss kommt Oliver Schreiber in seiner Glosse.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juli 2021 | 07:59 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juli 2021 | 07:59 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

So ganz habe ich es nicht verstanden, warum das Elfmeterschießen im EM-Finale überhaupt durchgeführt worden ist. Der Ausgang dieses ultimativen Showdowns war doch eh klar. Der Ball ist rund, ein Spiel dauert 90 Minuten – und England versagt im Elfmeterschießen. So ist das nunmal im Fußball. Demnach wäre es sinnvoll gewesen, wenn Trainer Gareth Southgate nach Abpfiff der Verlängerung mit seinem Team sofort in die Kabine marschiert wäre, um sich die erneute Schmach zu ersparen. Er hätte schließlich aus eigener Erfahrung (EM-Halbfinale 1996 in Wembley gegen Deutschland) wissen müssen, was passieren wird. Vielleicht war seine Idee, zum Schluss nur noch gefühlt 14-Jährige schießen zu lassen, denen er vorher durch ihre Reservistenrolle bei der EM das Selbstvertrauen genommen hatte, auch nicht die beste.

Selbst Wissenschaftler haben schon versucht zu ergründen, warum die Engländer vom Punkt aus immer scheitern. Natürlich spielt die Psyche, Stichwort „selbsterfüllende Prophezeiung“, eine gewisse Rolle. Aber das alleine kann es auch nicht sein. Als im Fernsehen während des Endspiels Geoffrey Hurst eingeblendet wurde, fiel es mir schlagartig ein. Es muss sich um einen Fluch handeln, der 1966 im WM-Finale zwischen England und Deutschland (4:2 nach Verlängerung) ausgelöst worden ist. Das legendäre Wembley-Tor zum 3:2, das natürlich keines war und von Hurst „erzielt“ wurde, ist die Wurzel allen Übels. Diese krasse Fehlentscheidung bescherte den Briten zwar ihren einzigen Titel, zugleich belegte der Fußball-Gott sie aber mit einem Fluch. Nach dem Motto: Wenn ihr euch tatsächlich auf diese Art zum Weltmeister krönen lasst, werdet ihr danach nie wieder einen Triumph feiern. Und immer wieder auf dieselbe grausame Weise kurz vorm Ziel verlieren …

Es gibt nur einen Weg für England, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Das Finale von 1966 müsste ab der 101. Minute, als Hurst den Ball an die Unterkante der Latte nagelte und er danach auf (und nicht hinter!) der Linie des deutschen Tores aufsetzte, beim Stand von 2:2 noch einmal neu zu Ende gespielt werden. Wenn es dann in den verbleibenden 19 Minuten beim Remis bleibt, ist Deutschland nachträglich Weltmeister. Denn auf die Durchführung eines Elfmeterschießens mit englischer Beteiligung kann man doch eigentlich auch ganz verzichten, oder?

Von Oliver Schreiber

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