Suche nach Tannenbaum

Wenn der Mensch zum Tier wird

Geht es darum den richtigen Weihnachtsbaum zu finden und vor Konkurrenten zu verteidigen, wird der Mensch zum Tier. Eine Glosse von Katharina Baumgartner

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Dez. 2021 | 08:02 Uhr
  • 13. Juni 2022
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  • 17. Dez. 2021 | 08:02 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Alle Jahre wieder weckt die Vorweihnachtszeit einen besonderen Trieb im Menschen, den wir sonst nur aus dem Tierreich kennen. Der Homo sapiens verlässt sein gemütliches Vier-Wände-Habitat und dringt in die Natur ein, um auf Jagd zu gehen. Eine Beobachtung aus der adventlichen Flora und Fauna:

Animalische Züge

Schon seit Stunden streift der Leitwolf durch das dichte Tannengeäst. Immer wieder ruht er, um dann doch weiterzuziehen. Es ist der Hunger, der ihn in dieser Jahreszeit weitertreibt. Die bereits abgepackte Beute am Rand der Lichtung verabscheut das Raubtier. Der Wolf will jagen, er will das Abenteuer. Abgesetzt von seiner Gefährtin und seinen beiden Jungtieren schnüffelt er immer wieder am Geäst, bis ein martialischer Heuler durch die Lichtung tönt. Eine Familie kleiner weißer Turnschuh-Hasen schreck auf, verängstigt schlagen sie Haken und ihre hellen Pfoten graben sich tief in den matschigen Untergrund.

Kettensägen-Geheul in der Tannenbaum-Plantage

Der Leitwolf schleicht prüfend um einen Baum, schnüffelt und zieht ein blaues Bändchen hervor, das er an einem Tannenzweig markiert. Sein Rudel folgt derweil seiner Fährte, denn der Anführer hat sein Territorium mit vielen weiteren bunten Fähnchen abgesteckt, um es gegen konkurrierende Wölfe zu verteidigen. Abseits suhlen sich kleine Wildschwein-Frischlinge und toben lautstark zwischen den piksenden Tannen. Noch bevor die Fähe ihren Zollstock auspackt und den Nadelbaum inspiziert, hallt ein Motorgeräusch durch den Wald. Isegrim hat die Kettensäge schon ausgepackt und bringt den Baum zu Fall.

Tierisches Konkurrenzverhalten

Triumphierend zieht der Wolf seine Beute aus der Schonung. Es ist sein Sieg. Doch das Tierreich scheint dies anders zu sehen. Ein kapitaler Hirsch, der selbsternannte König der Plantage, würdigt den Beutegreifer nur eines mitleidigen Blickes. Denn das majestätische Rotwild hat sich schon direkt am Eingang des Wildgatters eine bereits von fremden Tieren erlegte und abgepackte Baumbeute ausgeguckt. Die Wolfsfrau trottet verschmutzt nebenher und knurrt ihren Partner an: „Das nächste Mal kaufen wir einen bereits geschlagenen Baum!“

Von Katharina Baumgartner

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