Rede mal ganz anders

Boris und Peppa

Boris Johnson fiel jüngst mit einer unkonventionellen Rede auf. Wäre das nicht vielleicht auch mal etwas für unseren Landesvater? Eine Glosse von Oliver Gatz.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Jan. 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Jan. 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Spitzenpolitiker haben‘s nicht leicht: Sie müssen auf jede Frage eine passende Antwort haben. Nicht selten halten Journalisten ihnen unerwartet ein Mikrofon vor die Nase oder rücken ihnen mit Stift und Block auf die Pelle. Und damit beim plötzlichen Nachfragen nicht nur Stuss herauskommt, muss ein Politiker immer gut vorbereitet sein. Er muss quasi erahnen, was die Reporter derzeit wissen wollen. Doch die Vorbereitung lässt manchmal zu wünschen übrig. Und das gilt nicht nur für spontane Situationen, sondern auch für hochoffizielle Anlässe.

Britischer Premier Boris Johnson lobt die Peppa Pig World

Einen solchen erlebte jüngst der britische Premier Boris Johnson. Vor Wirtschaftsvertretern sollte er eine Rede halten. Was könnte dabei Thema sein? Auswirkungen von Corona? Brexit? Konjunkturaussichten? Mitnichten: Minutenlang schwärmte der Regierungschef von der Peppa Pig World. Kennen Sie Peppa Pig? Eine lustige Zeichentrickfigur. Und für genau diese gibt es sogar einen ganzen Themenpark, den Johnson mit seiner Familie besucht hatte. Toll, oder? Mal eine ganz unkonventionelle Rede eines Politikers vor einem Industrieverband. Erfrischend anders.

Peppa Pig ist auch im Heidepark Soltau zu finden

Das wäre doch auch mal etwas für unseren Landesvater: Stephan Weil spricht vor Vertretern von Niedersachsenmetall nicht über die Zukunft der Autoindustrie, sondern über einen lustigen Ausflug in den Heidepark (wo es übrigens auch ein Peppa-Pig-Land gibt). Oder der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt anstatt für Peugeot und Renault für den Asterix-Park in der Nähe von Paris. Und wäre Donald Trump noch an der Macht, würde er gewiss das Disneyland in Florida in den höchsten Tönen loben – auch wenn seine Zuhörer Zuckerberg, Bezos oder Musk geheißen hätten. Dann wäre das Medienecho weitaus größer. Und das ist für Politiker doch das Wichtigste, oder?

Von Oliver Gatz

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