Einfach umwerfend

Opfer der Schwerkraft und des Vergessens

Ein kurioser Vorfall an einer Celler Kreuzung gibt zu Denken. Kann man Dinge vergessen, die man gerade in der Hand hält? Eine Glosse von Lisa Brautmeier.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 13. May 2022 | 08:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 13. May 2022 | 08:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Ich warte an der Kreuzung unseres Verlagsgebäudes, eine junge Frau steht vor mir, die auch auf die andere Straßenseite möchte. Ihre rechte Hand hat sie locker auf den Lenker ihres Fahrrads gelegt, das sie neben sich hergeschoben hatte. Plötzlich fällt das Rad krachend zur Seite. Ihr Begleiter steht weit genug weg, sonst hätte er es abbekommen. Er schaut als Erster verdutzt auf die verteilten Sachen am Boden, denn zwei Taschen waren aus dem Korb gepurzelt. Die Frau reagiert viel langsamer. Dann schaut sie kurz das Rad an, ist dabei völlig überrascht und sagt: „Mein Fahrrad habe ich völlig vergessen.“

Fallender Kaffeebecher

Ziemlich unpraktisch, Dinge zu vergessen, die man selbst in der Hand hält. Und offenbar ist das keine Seltenheit. Nach der erlebten Szene erinnerte ich mich wieder daran, wie mir jemand von einem Mann erzählt hatte, der seinen Coffee-to-go-Becher im Gehen fallengelassen hatte, weil er auch angeblich nicht mehr daran gedacht hatte, dass er den Becher überhaupt hielt. Da hatte ich mich schon gefragt, wie so etwas möglich war.

Auf Handysuche

Allerdings ist mir jetzt bewusst geworden, dass mir das so ähnlich auch schon passiert ist. Zumindest habe ich irgendwann mal mein Handy gesucht, bis mir aufging, dass ich es in der Hand hielt. Ganz so abwegig ist das Vergessen daher wohl nicht. Aber immerhin hatte ich es fest im Griff. Hätte ich da plötzlich losgelassen, hätte das auch noch richtig ärgerlich werden können. Genug Macken hat es eh schon, denn ein paar Mal hat es die Erdanziehungskraft dann doch schon zu spüren bekommen. Aber ich gebe zu: Das hat weniger mit Vergesslichkeit als mehr mit purem Ungeschick zu tun.