Schnullerfischen und Brei

Baby-Party: Ein Nachmittag voller Peinlichkeiten

Babybauch-Partys? Neumodischer Quatsch, findet Katharina Baumgartner. Sie musste sich einen Nachmittag lang durch peinliche und verstörende Spiele quälen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Jan. 2022 | 07:58 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Jan. 2022 | 07:58 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

„Da schwimmt etwas in meinem Glas“, sagte ich und rührte in meinem Getränk herum. „Ja, witzig, oder? Das ist schon das erste Spiel“, erwiderte die Partygastgeberin strahlend, „das ist ein Baby!“ Mein Stammeln ging in absolute Fassungslosigkeit über. Was ist das hier für eine Horrorshow? Ich hatte schon etwas Bedenken vor dieser „Babybauch-Party“ einer Freundin, aber dass sich diese Veranstaltung schon nach fünf Minuten zu einem Albtraum entwickelte, hatte mich doch überrascht.

Gefangen im Paralleluniversum der Peinlichkeiten

Und schon wurde ich in ein Paralleluniversum eingesogen. Eine Welt voller überladenem Kitsch aus hellblauen Luftballons und Girlanden, die mir in Großbuchstaben entgegenschrien: „It’s a Boy.“ Oh je, ich dachte eigentlich, dass wir über diesen Hellblau-Rosa-Quatsch längst hinweg wären. Aber hier anscheinend nicht. Die Babyparty-Gastgeberin und stolze Tante des kleinen „Krümelchen“ hatte alles akribisch vorbereitet. Das kleine Plastik-Neugeborene, das schockgefroren in einem Eiswürfel durch mein Glas trieb, war der Anfang eines Nachmittags voller „witziger Spiele rund um Wonneproppen“.

Schnullerschnappen, Brei-Verkostung und das gefrorene Baby

Riesigen Partyspaß garantierte das „Schnullerschnappen“. Mit Händen auf dem Rücken musste man hier mit dem Mund möglichst viele Schnuller aus einer Wasserwanne fischen. Es folgten der Babybrei-Geschmackstest, Lätzchen bemalen und Makramee-Mobile basteln, aber nichts war so so verstörend wie „Ice, Ice, Baby“ – das Eiswürfelbaby in meinem Getränk. Denn wir mussten auf den schmelzenden Eiswürfel ganz genau achten, denn wenn dieser komplett verschwunden ist, ist das Baby geboren. Augenzwinkernd wurden uns noch ein paar Geburtsschummeleien anvertraut. Mit „Einleitungsmethoden“, wie etwas kräftiges Rühren oder das Getränk unter eine Lampe halten, könnten wir die „Geburt“ etwas beschleunigen.

Kind ist noch gar nicht auf der Welt

Sich auf den Nachwuchs freuen – unbedingt! Aber Babybauch-Partys in dieser Form? Das ist für mich mehr als befremdlich. Auf diesen Trend, der aus den USA rüberschwappte, kann ich gerne verzichten. Was mich etwas milde gestimmt hat, der kleine „Krümmel“ hat von diesem ganzen Wahnsinn nicht so viel mitbekommen – für ihn geht der Stress erst im Februar los: Mit seiner Babypinkel-Party, wenn er auf die Welt kommt.

Von Katharina Baumgartner

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