Notfall-Hotline

Miese Tour

Banken haben Notfall-Hotlines. Doch dort gibt es nicht nur Hilfe im Krisenfall. Es geht auch um dreiste Geschäftemacherei. Eine Glosse von Oliver Gatz.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 12. Juni 2021 | 09:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 12. Juni 2021 | 09:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Die Digitalisierung hat viele Vorteile und ist einfach superbequem. Doch jüngst schrillten bei einem Bekannten nach einer Online-Bestellung die Alarmglocken. Könnte es sich um einen Fake-Shop gehandelt haben? Dieser Verdacht kam auf, nachdem er den Namen der Bestell-Plattform auf einer einschlägigen Liste von vermutlich betrügerischen Anbietern fand. Hinzu kam, dass er den Deal nicht mit Kreditkarte abwickeln konnte, sondern per Online-Auslandsüberweisung – und zwar nach Litauen. Klingt alles nicht sehr vertrauenswürdig.

In Notlage Angebot für neues Giro-Konto

Also griff er flugs zum Telefon, rief aufgeregt bei der Hotline seiner Bank für Notfälle an, um die Überweisung zu stoppen. Doch dafür war es zu spät – leider. Was meinen Bekannten allerdings richtig auf die Palme brachte, war etwas ganz anderes. In einer solchen Notlage, in der man aufgeregt versucht, einen finanziellen Schaden zu verhindern, hatte der Bankberater am Ende des Gesprächs nichts Besseres zu tun, als zu versuchen, dem armen Kerl auch noch ein neues (und teureres!) Giro-Konto aufzuschwatzen – natürlich zu einem „sensationellen“ Preis, der sich als Mogelpackung erwies.

Notlage für Geschäftemacherei ausgenutzt

Stellen Sie sich vor: Ihr Haus brennt, die Feuerwehr rückt an, rollt die Schläuche aus und will Ihnen ganz nebenbei eine neue Feuerversicherung andrehen – natürlich zu einem günstigen „Aktionspreis“. Oder Sie haben akute gesundheitliche Probleme, rufen die 112 an und werden am Ende des Gesprächs dazu aufgefordert, vielleicht doch lieber zu einer privaten Krankenkasse zu wechseln. Wie würden Sie darauf reagieren? Vermutlich äußerst gereizt. Eine solche „Hilfe“ braucht niemand. Man hat eher den Verdacht, dass hier die Notlage eines Menschen für Geschäftemacherei ausgenutzt wird. Die Bank macht sich damit keine Freunde. Das ist einfach nur dreist, frech und absolut inakzeptabel.

Von Oliver Gatz

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