Digitalisierungspanne

Kein Papier, keine Impfpflicht

Scheitert die Impfpflicht am Papiermangel? Das meinen die Krankenkassen. Katharina Baumgartner hofft in der Zukunft auf Brieftauben, Rauchzeichen und Rohrpost.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Mar 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Jun 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Mar 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Jun 2022
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Celle.

Stellen Sie sich vor: Es ist eine Pandemie und ein möglicher Ausweg aus der Krise könnte die Einführung einer Impfpflicht sein. Aber das ist ja alles nicht so einfach. Haben wir nach mehr als zwei Jahren Corona bereits gelernt. Warum das nicht geht, zeigen die Krankenkassen – mit einer sehr eigenwilligen Argumentation: Der Papiermangel ist schuld.

Krankenkassen: Nicht genug Papier um Schreiben zu erstellen

Es fehle schlichtweg am Rohstoff, um die Aufforderungsschreiben zu erstellen. Gerade wenn man denkt, in dieser weltweiten Gesundheitskrise schon die abstrusesten Begründungen gehört zu haben, zeigt sich hier: Noch deutscher gehts gar nicht mehr. Zwischen bürokratischen Absurditäten und Digitalisierungspannen schafft es ein Spitzenverband tatsächlich das alles noch zu toppen.

Wie digital sind deutsche Unternehmen?

Deutschland und dieses Internet – das kann noch was werden. Für meine Auto-Inspektion bekam ich vor ein paar Wochen sogar eine Erinnerungsmail – und kein Fax. Nicht nur in meinem Serviceheft (aus Papier) wird die Wartung protokolliert, sondern auch in meiner Fahrzeug-App (digital). Wie praktisch. Aber Fragezeichen beim Blick aufs Smartphone nach dem Autocheck. Da steht nichts. Auf Rückfrage verwies man mich auf den digitalen Nachweis, den man mit ins Handbuch gelegt hatte. Tatsächlich: Feinsäuberlich auf DIN A4 gedruckt, prangten die Wörter „Digitaler Service Nachweis“ schwarz auf weiß auf dem Zettel. Also suchte ich auf dem Stück Papier so etwas wie einen QR-Code, denn irgendwie musste dieses Papier mir doch den versprochenen digitalen Beweis erbringen. Aber Fehlanzeige. Sollte dieser Nachweis jetzt lediglich „digital“ sein, weil ein Mensch das Textverarbeitungsprogramm eines PCs genutzt hat? Euer Ernst?

Auf Werbekettenbriefe verzichten

Aber am Spagat zwischen Papierverbrauch und Digitalisierungsmangel scheitern auch andere Institutionen. Denn da gibt es auch noch meine Bank. Die schickt mir einen Brief, dass die Vertragsänderungen nun in meinem „digitalen Postfach“ einsehbar wären. Danke für diesen crossmedialen Hinweis. Und in Zeiten des von den Krankenkassen angeführten Papiermangels können eben diese den wertvollen Rohstoff an anderer Stelle einsparen. Denn ziemlich penetrant werde ich regelmäßig mit Werbung für eine Zahnzusatzversicherung zugemüllt. Vielleicht sollten die Gesundheitsunternehmen diese Werbekettenbriefe einfach weglassen. Das eingesparte Papier dann bitte für die Impfpflicht-Schreiben nutzen. In Zukunft bin ich dann über Rauchzeichen oder Brieftaube zu erreichen.

Von Katharina Baumgartner

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