Kaiser, Bomber, Katze

Es lebe die Länderspiel-Konserve!

Fußballgucken im Fernsehen kann so toll sein - zumindest, wenn man Konserven zu schätzen weiß. Eine Glosse von Michael Ende.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 08. Juni 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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  • 08. Juni 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Haben Sie auch das super Fußball-Länderspiel gesehen? Ich meine jetzt nicht das von gestern. Das habe ich mir nicht angetan. Ich meine das von vor ein paar Tagen. Und ich meine nicht Deutschland gegen Dänemark, in dem die Jogi-Krökeltruppe gerade mal ein jämmerliches Unentschieden geholt hat. Nein, ich meine das Spiel, das DANACH im Fernsehen lief. Das war so klasse, dass es meinen Fernsehabend dann doch noch gerettet hat. Eine TV-Konserve: EM 1972, Finale, Deutschland gegen UdSSR 3:0.

Damals standen Persönlichkeiten auf dem Platz, an die man sich auch dann noch erinnern wird, wenn Jogis letztes Aufgebot schon längst gescheitert sein wird: Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Horst-Dieter Höttges, Katsche Schwarzenbeck, Paul Breitner, Uli Hoeneß, Günter Netzer, Herbert Wimmer, Jupp Heynckes, Erwin Kremers, Gerd Müller. Diese Männer habe ich als Junge verehrt. Jeder von ihnen war auf seine Art ein Künstler, der lässig-schlenzende "Kaiser", der geniale Lauf-Ökonom Netzer, der "Bomber", die "Katze von Anzing", der ackernde Hoeneß. Zusammen waren sie eine Mannschaft, der man ansah, dass sie zu Größerem berufen war. Zwei Jahre später war es dann so weit. Und während meine Idole "den Sowjets" zeigten, wo Hammer und Sichel hingen, reifte in mir ein Entschluss: Ich gucke nur noch Länderspiele von früher. Macht einfach mehr Spaß.

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