Nicht mehr aus dem Harz

Vorsicht, Roller

Das schmeckt nicht jedem, und manchem stinkt es sogar: Klaus M. Frieling beschäftigt sich in seiner Glosse mit dem Harzer Roller.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 15. Juli 2021 | 12:11 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 15. Juli 2021 | 12:11 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Er ist gelblich-glasig, rund oder rollenförmig und hat ein „besonderes“ Aroma: Der „Harzer Roller“ ist für viele eine Delikatesse – und spätestens jetzt wissen Sie, dass hier von Käse die Rede ist und nicht von der gleichnamigen Kanarienvogel-Rasse.

Doch halt, das so geschmacks- und geruchsintensive Molkereiprodukt stammt gar nicht mehr aus der nahegelegenen Bergregion. Seit mehr als zehn Jahren gibt es im Harz keine größere Käserei mehr. Die letzte industriell bedeutsame Produktionsstätte war 2005 (mitsamt des Namens) nach Sachsen verlagert worden – eine über 100 Jahre alte Tradition in der Region ging verloren.

Dass der Käse trotzdem den alten Harzer Namen weiterführt, liegt daran, dass diese Herkunftsbezeichnung nicht urheberrechtlich geschützt ist. Wäre er wie andere regionale Spezialitäten in der EU (etwa Nürnberger Lebkuchen, Thüringer Rostbratwurst oder Champagner) an die Geografie gekoppelt, dürfte „Harzer Käse“ nicht sonstwo produziert werden. Dabei dürfte die fettarme und proteinreiche Kuhmilch-Spezialität durchaus als Exportschlager taugen. Aber ich bin wohl nicht der Richtige, um das zu beurteilen: Mir ist der Harzer Roller einfach viel zu stinkig.

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