Wort-Ärger

Grenzwertig

"Ich kann es nicht mehr hören. Dieses Wort." Eine Glosse von Michael Ende

  • Von Michael Ende
  • 28. Dez. 2021 | 09:53 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 28. Dez. 2021 | 09:53 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Es gibt Worte, die kann ich nicht ab. Eines davon verfolgt mich schon seit Kindertagen. Jedes Mal, wenn dieses Wort fällt, weiß ich, dass es wieder mal ganz blöd kommt. Bevor ich jetzt sage, um welches Wort es sich handelt, will ich erst einmal erwähnen, wer mit Schuld daran hat, dass dieses Wort diesen ganz speziellen Nerv-Faktor hat: Otto.

Gemeint ist Otto der Strenge, von Beruf Herzog. Dieser Herr glaubte im Jahr 1292, alles richtig gemacht zu haben. Macht gesichert: check. Neue Stadt gegründet: check. Bewohner von Tsellis per Feuersbrunst zum Umzug nach Celle bewogen: check. Nur eines hatte Otto nicht gecheckt: das Klima. Genauer: Dass sein neues Städtchen genau auf einer unsichtbaren Linie gegründet wurde. Auf einer unseligen Grenze, die für nachfolgende Generationen und speziell mich eine stete Quelle des Ungemachs sein sollte.

Jetzt kommt der Sven ins Spiel. Sven der Auskenner. Gemeint ist ARD-Wettermann Sven Plöger. Immer, wenn die Hand des Meteorologen beim Zeigen auf der Wetterkarte über Celle streicht, dann fällt dieses eine Wort: Luftmassengrenze. Diese vermaledeite Grenze ist verantwortlich dafür, dass es im Sommer bei uns regnet, wenn anderswo die Sonne scheint. Und jetzt im Winter ist es wegen dieser Trennline so, dass bei uns entweder kein Niederschlag fällt, wenn es friert und woanders schneit oder dass es bei uns zu warm für Schnee ist, wenn was von oben runterkommt und es woanders schneit, weil es dort Minustemperaturen gibt. Typischer Wintertag in Celle: Nachts schneit es, und bis zum Mittag ist die weiße Pracht weggetaut. Danke für nichts, Luftmassengrenze. Bist gerade wieder zugange, ne? Ganz toll. Du Luftmassengrenze.