Wie wirds ausgesprochen?

Das Entrecte des Scheiterns

Onträkot, Äntreköt oder Entenkot: Wenn der Kauf des edlen Rindfleisches schon an der Aussprache scheitert. Eine Glosse von Katharina Baumgartner.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Dez. 2021 | 07:58 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Dez. 2021 | 07:58 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Die Küche wird zum Versuchslabor, verrückte Zutaten werden in die Pfanne geworfen und ein total neues superleckeres Gericht erschaffen. So war mein Gedanke, als ich endlich meine total hippe Marinade verwursten wollte. Bietet sich am besten zu Hähnchenkeule an, hatte mir die Pasten-Manufakturistin noch mit auf den Weg gegeben. Aber Keulen abkauen, wenn es doch mal etwas edler sein sollte? Wohl eher nicht. Also sollte lieber ein Stück Rind durch meine jamaikanische Würzmischung streifen.

Wie wird Entrecte eigentlich ausgesprochen?

An der Metzgertheke spukte die Stimme eines Fleisch-Freundes in meinem Kopf herum: „Rind ist so ausdrucksstark, da brauchst du nur Salz und Pfeffer.“ Dem Steak-Sommelier vertraue ich mehr als Chefkoch.de. Also spontane Menü-Änderung. Rind – pur: Entrecte. Ist schon schwierig zu schreiben, aber wie wird das denn korrekt ausgesprochen?

Peinliches Nuscheln am Metzgerstand

Also nuschele ich der Fachverkäuferin meinen Fleischwunsch zu. Ein "Onträkot“ hätte ich gerne. Ein Bitte was?, schaut mich die Fachfrau verdattert an. Mist, also voll daneben mit meiner Aussprache. Dann hätte ich gerne also ein "Äntreköt". Ihr Blick verschwimmt zwischen Gulasch und Hack. Neuer Versuch: Nun bestelle ich etwas, das wie "Entenkot" klingt – und hoffe, dass es nicht tatsächlich, das ist, was ich mich gerade sagen höre. Rind füge ich sicherheitshalber noch hinzu. „Das ist alles Rind hier“, schmettert sie mir entgegen. Achso, danke für den Tipp. Ich deute auf irgendein rotes Stück, das da, mittlerweile ist mir alles egal. Ich will hier nur schnell weg.

Meine Verunsicherung scheint nun auf die Verkäuferin übergesprungen zu sein. Sie schnappt etwas aus der Auslage und geht mit meinem Steak auf Wanderschaft. Aus der Kühlkammer höre ich nur: „Ja, das ist ein Stück Äntrekot." Halleluja, jetzt haben wirs ja. Das war ein steiniger Weg.

Das Fleisch der Kenner oder doch lieber Bärchen-Mortadella?

Aber dann geht ja dieses ganze Chichi bei der Zubereitung erst los. Eine Stunde vorher auf Raumtemperatur bringen, nur eine Minute scharf von beiden Seiten braten und dann mit Butter langsam vor sich hin garen lassen und in Alufolie ruhen lassen – fehlte nur noch, dass ich meinem Steak ein Gute-Nacht-Lied singen musste. Was für eine liebevolle Tüdelei für das Futter. Und dann stellte sich heraus: Rinder-Steak ist leider nicht mein Geschmack. Vielleicht sollte ich das nächste Mal am Metzgerstand doch lieber Bärchen-Mortadella bestellen, die schmeckt und ich kann es problemlos aussprechen.

Von Katharina Baumgartner

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