Glosse

Der letzte Schrei

Wo ruckeliges Internet-Streaming und Fußballmuffel aufeinander treffen, ist der letzte Schrei nicht weit entfernt. Eine Glosse von Christian Link.

  • Von Christian Link
  • 14. Juli 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Christian Link
  • 14. Juli 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Seit vielen Jahren schaue ich große Fußballturniere eigentlich nur über Livestream im Internet. Bei vergangenen Weltmeisterschaften war das manchmal ein Riesenproblem: Während die Nachbarn mit ihrem Satelliten-TV schon lauthals über einen Treffer der deutschen Elf jubelten, setzte bei mir Thomas Müller gerade noch zur Flanke an. Da wurden schon einige tolle Spielzüge ihrer Spannung beraubt. Zum Glück gab es dieses Problem bei der EM 2021 nicht mehr.

Meine Internetverbindung hinkt zwar immer noch hinterher, aber es gab ja kaum deutsche Torerfolge zu bejubeln. Zudem wohnen in meiner Nachbarschaft offenbar keine Fußballfans. Trotz offener Fenster habe ich von den Balkonen gegenüber das ganze Turnier über nicht einen einzigen Torschrei gehört.

Der einzige Nachbar, den ich hier überhaupt mal höre, wohnt unter uns. Fußball-Liveübertragungen sind aber anscheinend nicht so sein Ding. Zumindest höre ich ihn immer nur früh morgens schreien. Das könnte natürlich daran liegen, dass er sich dann die Zusammenfassungen anschaut. Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass er erst wenige Monate alt ist und gerade den Buchstaben "A" einstudiert.

Trotzdem ist es schade, dass er bald auszieht. Denn der Kleine ist nicht nur unglaublich süß und macht lustige Geräusche, die ihm den Spitznamen "kleiner Kater" eingebracht haben. Ohne ihn werde ich mir morgens auch wieder einen Wecker stellen müssen.