Spott

Demaskiert

Maskenlos durch die Nacht. Wie lange das wohl gut geht, fragt sich CZ-Redakteur Michael Ende.

  • Von Michael Ende
  • 01. Apr 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Jun 2022
  • Von Michael Ende
  • 01. Apr 2022 | 08:00 Uhr
  • 13. Jun 2022
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Celle.

Da kommt was auf uns zu – und das könnte für den einen oder anderen ganz schön irritierend sein. Mit dem Wegfall der Maskenpflicht werden wir nach zwei Jahren jetzt vermutlich auch immer wieder die untere Gesichtshälfte von Menschen, denen wir irgendwo im Gedränge begegnen, sehen müssen. Ich persönlich hatte mich schon fast daran gewöhnt, den Leuten nur noch in die Augen und nicht mehr auf den Mund schauen zu können. Und ich persönlich fand es auch ganz okay, im Supermarkt oder in der Innenstadt maskiert herumzulaufen – ein unerkannter Flaneur im Trubel der Stadt. Ich selbst konnte dann und wann in die Anonymität abtauchen und mich so zum Beispiel rein beruflich zu Forschungszwecken problemlos inkognito unters schräge Demo-Volk der Corona-Seltsamen mogeln. Wie ein Hobbit mit dem Ring am Finger: praktisch unsichtbar.

Jetzt werden sich wieder viele demaskieren und die Mund-Nasen-Bedeckung weglegen. Mein Tipp: Nicht allzu weit weg, denn im Winter könnten wir sie wieder brauchen. Oder glauben Sie im Ernst, dass unsere Politiker es schaffen, ein Impfpflichtgesetz zu erlassen, wenn keiner mehr mit Maske herumläuft, ergo die Welt also rein pandemietechnisch wieder total schön aussieht? Nö, werden sie nicht. Sie werden ganz, ganz unentschlossen bleiben, und ganz, ganz dolle überlegen, wie sie sich entscheiden würden, wenn sie sich denn entscheiden wollten. Die hübsche Maske des verantwortungsvollen Volksvertreters haben viele Politiker längst fallen gelassen. Braucht man ja auch nicht mehr, so was. Ist ja keine Pflicht.