Homeoffice: Für und Wider

Corona macht Zwangsumzug nötig

Nach über einem Jahr hat es auch ein starker Verfechter des Büroarbeitsplatzes ins Homeoffice geschafft. Eine Glosse von Carsten Richter.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Mai 2021 | 08:04 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Mai 2021 | 08:04 Uhr
  • 13. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Mehr als ein Jahr lang gehörte ich zum harten Kern der Kollegen, die während der Pandemie weiter in der Redaktion gearbeitet haben. Die schlechte Internetverbindung zu Hause war zunächst ein Argument, das mich vom Homeoffice abhielt. Das Problem ist nun schon länger vom Tisch – ich habe technisch aufgerüstet. In der Redaktion durfte ich erstmal trotzdem weiter bleiben, was mich freute. Mehr Platz und ein größerer Schreibtisch waren der Grund. Ich hatte mich insgeheim sowieso seit Corona-Beginn gefragt, ob die Kollegen, die über ein Heimarbeitszimmer verfügen, hellseherische Fähigkeit haben und das ganze Elend vorausgesehen haben.

Und nun? Wer hätte das gedacht: Heute beginnt meine vierte Arbeitswoche zu Hause. Wegen größerer technischer Probleme mussten wir unsere Arbeitsabläufe ändern. Mehr Kollegen arbeiten nun wieder im Verlagsgebäude. Da die Pandemie noch nicht ganz ausgestanden ist, gab es die Auflage: Alle Reporter müssen ihre Texte in den heimischen vier Wänden schreiben. Ich kam mir ein bisschen vor wie bei der „Reise nach Jerusalem“. Im vertrauten Umfeld war kein Stuhl mehr für mich frei.

Mittlerweile habe ich mich mit der Situation notgedrungen arrangiert. Erstaunlich, wie der Mensch sich einschränken kann, wenn es sein muss. Der Minimalismus hat für mich an Bedeutung gewonnen. Internet, Telefon, Block und Stift sind da – was braucht man mehr? Bei Gesprächspartnern sorge ich manchmal noch für eine Überraschung. „Ach Herr Richter, Sie sind das“, heißt es dann, wenn bei einem Anruf auf ihrem Display nicht meine vertraute Bürodurchwahl erscheint. Dafür ist der Weg zur Kaffeemaschine nun deutlich kürzer – ein klarer Vorteil. Und wenn ich dann wie gestern doch mal wieder in der Redaktion arbeite, ist die Wiedersehensfreude unter den Kollegen umso größer.

An den Zustand gewöhnen möchte ich mich trotzdem nicht. Ein Freund vom Homeoffice werde ich nicht mehr werden. "Jüngere Arbeitnehmer drängen laut Umfrage ins Homeoffice", mit dieser Schlagzeile habe ich gestern den Newsticker auf der CZ-Homepage bestückt. Ich finde mich bei diesem Trend nicht ganz wieder. Vielleicht bin ich mit 35 dafür auch schon zu alt.

Von Carsten Richter

Von