"Celle blüht auf"

Zäune des Grauens

Neubaugebiete kommen nicht mehr ohne Doppelstabmattenzäune aus. Sie gehören meist zu den "Gärten des Grauens". Eine Glosse von Dagny Siebke.

  • Von Dagny Siebke
  • 26. Nov. 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
  • Von Dagny Siebke
  • 26. Nov. 2021 | 08:00 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Celle.

Alles wird in Plastik eingehüllt: Nicht nur Gurken im Supermarkt und Werbeprospekte für den Briefkasten werden eingeschweißt. Selbst klobige Gebäude wie der Reichstag und der Arc de Triomphe werden – zu Kunstzwecken natürlich – in Kunststoff gehüllt.

Den neuesten Trend kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Zu meinem persönlichen Garten des Grauens gehören nicht nur jede Menge Schotter, sondern auch Metallzäune mit eingewebten Plastikbahnen. Früher wurden Zäune aus Maschendraht oder Holzlatten gebaut. Doch inzwischen sollen Zäune mit Sichtschutzmatten etwa die Hälfte der neuen Abgrenzungen ausmachen. Diese Konstruktionen wurden eigentlich erfunden, um Bergleute im Schacht vor herabfallendem Geröll zu schützen.

Vögel anders beobachten

Heute werden Grundstücke damit umrahmt, damit keiner mehr reingucken kann. Ich frage mich nur, ob die neuen Eigentümer auch bedacht haben, dass sie dann auch gar nicht mehr rausgucken können, um etwa Vögel zu beobachten. Gerade da das Grundstück bei den Mondpreisen nur noch klein ist, würde ich ziemlich schnell Platzangst kriegen.

Rausreißen kann es nur ein überdimensionaler LCD-Bildschirm, auf dem man sich dann die hoch auflösende Naturdokus anschauen kann. Das sind die letzten Tiere dieser Erde eh viel besser zu sehen. Auch heimische Piepmätze.