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Sachsenspiegel Spätere Königin von England bleibt kinderlos und ist wohl nie im Celler Raum gewesen
Mehr Sachsenspiegel Spätere Königin von England bleibt kinderlos und ist wohl nie im Celler Raum gewesen
11:55 14.06.2013
Adelheid von Sachsen-Meiningen, die spätere Königin von England, nach der auch die Adelheidstraße in der hannoverschen Südstadt benannt wurde. Quelle: Matthias Blazek
Celle Stadt

Es gab schon immer Geschichten über eine schöne Prinzessin mit Namen Adelheid. Sie soll „irgendwann“ einmal jenes Dorf, in dem „die Pfannenkuchen nur auf einer Seite gebacken werden“, besucht haben. Aus diesem Anlass hieß es seitdem „Adelheidsdorf“, sagt man. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Adelheid jemals das Dorf gesehen hat. Dagegen steht fest, dass die damalige Kolonie durch Verfügung des Kabinett-Ministeriums zu Hannover am 14. Februar 1831 zu Ehren der Königin Adelheid den Namen Adelheidsdorf bekam. Und damals (1833) lebten in der Kolonie in elf Wohngebäuden 60 Einwohner.

Die Königin Adelheid lebte von 1792 bis 1849 und stand auch für die australische Metropole Adelaide Namenspate. Adelheid überlebte ihren Mann um zwölf Jahre, alle ihre Kinder starben bereits nach sehr kurzer Lebensdauer.

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Um das Leben dieser Frau und ihres späteren Mannes, Wilhelm IV., Königs von England und Hannover, zu beleuchten, lohnt sich ein Blick in das Buch „Auf Englands Thron: Das Haus Hannover – The House of Hanover“ von Alvin Redman.

Wilhelm der IV. (Herzog von Clarence) wurde 1765 als Sohn König Georgs III. geboren. Durch den Tod seiner Nichte, Prinzessin Charlotte, Tochter des von 1820 bis 1830 regierenden Bruders Georg IV., war für Wilhelm IV. eine Thronfolge plötzlich möglich gewesen. Der Tod der Prinzessin Charlotte im Jahre 1817 änderte plötzlich die Stellung des Junggesellen. Nun war er der Nächste in der Thronfolge nach dem Herzog von York. Dass er heiraten sollte, war nun fast gebieterische Notwendigkeit geworden, und die alte Königin und der Regent nahmen die Angelegenheit in die Hand. Königin Charlotte suchte die Braut aus, und Georg, der Regent, überredete ihn, zuzustimmen.

Heirat mit Wilhelm IV.

Die zukünftige Braut war Adelheid von Sachsen-Meiningen, und bald waren die Verhandlungen mit ihrer Mutter, der Herzogin-Witwe von Sachsen-Meiningen, abgeschlossen, denn diese war mehr auf die Bedeutung der Heirat als auf die Qualitäten des Ehemannes bedacht. In den Augen der Prinzessin konnte die Ehe mit einem ältlichen Mann von schlechtem Ruf und mit zehn unehelichen Kindern wohl kaum eine sehr verlockende Partie sein.

Als Adelheid 1818 als verlobte Braut des angehenden Königs nach England reiste, bezeichnete sie ihre Fahrt als „Opfergang“ für ihr Heimatland und ihren minderjährigen Bruder, den späteren Herzog Bernhard II., Ehrich Freund von Sachsen-Meiningen. Mit ihrer Hochzeit gelang zum ersten und einzigen Male einem Spross des Sachsen-Meininger Herzogshauses der Sprung auf den Thron eines der größten und mächtigsten Königreiche der Welt. Möglicherweise wäre die 25-jährige Adelheid unvermählt geblieben, wenn nicht 1818 der Heiratsantrag gekommen wäre. Sie war schon aus dem besten Heiratsalter heraus, da kriegerische Zeitläufe und die eingeschränkten Besuchsreisen wegen chronischen Geldmangels ihre Heiratschancen erheblich gemindert hatten.

Amalie Adelheid Louise Therese Caroline – so lautet ihr voller Name – kam am 13. August 1792 als ältestes Kind des regierenden Herzogs von Sachsen-Meiningen zur Welt. Als ihm acht Jahre später ein Sohn und Erbe geboren wurde, lud er das Volk ein, Pate zu sein. Er regierte seinen kleinen Staat mit Würde und Mäßigung. Er starb 1803, als Adelheid zehn Jahre alt war, und die Herzogin übernahm die Regentschaft.

Adelheid und ihre jüngere Schwester Ida wurden von der Herzogin-Witwe streng und moralisch erzogen. Ida heiratete Bernhard, den Herzog von Sachsen-Weimar, aber Adelheids Eheaussichten schienen schlecht zu sein, bis der Heiratsantrag aus England eintraf.

Sie war nicht mehr die Jüngste, war, wie es heißt, „nicht schön, aber angenehm und liebenswürdig von Charakter und von feinem, maßvollem Benehmen“. Sie kam, von ihrer Mutter begleitet, am 4. Juli 1818 in London an, und sie stiegen im Grillon-Hotel in der Albemarle Street ab. Sieben Tage später fand die Doppelhochzeit des Herzogs von Clarence mit Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen und des Herzogs von Kent mit Prinz Leopolds Schwester, der verwitweten Fürstin Viktoria von Leiningen, statt. Sie wurden im roten Ziegelbau der alten Königsresidenz Kew Palace getraut.

Wenige Tage nach der Trauung reisten der Herzog und seine junge Frau nach Hannover, um dort ihre Flitterwochen zu verleben. Hier trafen sie den Herzog und die Herzogin von Cambridge, die seit einem Monat vermählt waren, und die beiden Frauen freundeten sich an. Im März des folgenden Jahres wurde sie fast gleichzeitig Mutter, aber Adelheids Freude war von kurzer Dauer, denn ihr Kind starb schon nach wenigen Stunden.

Sie blieben bis Oktober in Deutschland, dann kehrten sie nach England zurück und schlugen ihren Wohnsitz in St. James auf. Sicherlich vermisste der Herzog den Klang von Kinderstimmen um sich, aber Kinder waren dem Paar nicht beschieden. Am 10. Dezember 1820 hatte Adelheid ihr zweites und letztes Kind geboren, ein Mädchen, das man hoffnungsvoll Elisabeth Georgina Adelaide taufte, aber es starb, als es erst drei Monate alt war, am 4. März 1821.

Die mütterliche Liebe der Königin umschloss die Kinder und Enkelkinder ihres Gatten; zwei Töchter des Königs lebten mit im Schloss, während andere aus seiner zahlreichen Nachkommenschaft sie oft und lange besuchten. Der Bruder des Königs, der Herzog von Cambridge, der jetzt Vizekönig von Hannover war, sandte ihr seinen Sohn zur Erziehung nach England, und die Königin hatte ein wachsames Auge auf ihn. Selbst der Sohn des verhassten Cumberland, Prinz Georg, der spätere blinde König von Hannover, wurde häufig von seiner Mutter nach Windsor gebracht. Kinder pflegen die besten Eigenschaften im Menschen zu entwickeln, und alle diese Kinder drängten sich zu der duldsamen, gütigen Königin.

Popularität durch Reformgesetz 1832

Adelheid war von Natur ebenso wenig förmlich wie der König. Die Annahme des Reform-Gesetzes (7. Juni 1832) hatte den König sehr populär gemacht; denn die Zeitungen verschwiegen nicht, dass er es begünstigte, obwohl er mehr darauf bedacht gewesen war, seinen Ministern unbehindert das Erledigen der leidigen Angelegenheit zu überlassen, als selbst aktiv daran mitzuwirken. Jetzt war die Königin unbeliebt, denn man wusste, dass ihr Hofmarschall Lord Howe ein Gegner jeder Reformmaßnahme war. Eine Entlassung Lord Howes kam für König Wilhelm wegen seiner seit Jahren mit der Familie Howe gepflegten Freundschaft nicht infrage. Zudem hatte sich Königin Adelheid auf dessen Rat in allen Etikettefragen verlassen können. Während der politischen Krise war eine besonders heftige Pressekampagne gegen die angebliche Einmischung der Königin entstanden, und man hatte sogar ihre Kutsche angegriffen. Adelheids Hauptsorge war stets die Gesundheit ihres Gemahls, und die Schwierigkeiten mit dem Reform-Gesetz waren sicherlich eine schwere Belastung für seinen körperlichen Zustand. Man sagte, er sei in diesem einen Jahr um zehn Jahre gealtert.

Seine Königin, die zartere Adelheid, bevorzugte Windsor, und es fiel ihr schwer, Windsor um Brightons willen zu verlassen: „Ich musste so vieles zurücklassen, was ich liebte – das schöne Land, meine hellen, freundlichen Zimmer, die angefüllt sind mit Büsten und Bildern, die ich besonders schätze und vor allem die Gräber, die mir so heilig sind (das ihres kleinen Kindes und Louises), denn es tut mir so gut, in ihrer Nähe zu sein ... Für eine Frau, die soviel verloren hat, sind selbst die Überreste derer, die nur noch in unserer Erinnerung leben, ein kostbarer Besitz, den sie nicht gerne aufgibt.“

Im Jahre 1834 machte sich Wilhelm ernste Sorgen um Adelheids Gesundheit, weil sie an einem hartnäckigen Husten litt. Er war der Meinung, dass ihr ein Erholungsurlaub in ihrem Heimatland gut tun würde. Da er wusste, wie ungern sie ihn verließ, traf er alle Anstalten dazu ohne ihr Wissen. Er ordnete alles und besorgte sogar die Geschenke für ihre Verwandten, ehe er ihr seine Absichten mitteilte. Adelheid zeigte sich erschrocken über die Aussicht, auf sechs Wochen wegzugehen. Er hingegen war ungewöhnlich gesprächig und schien besessen von einer Vorliebe für militärische Dinge, besuchte die Kasernen und brachte den Tagesablauf mit sonderbaren Befehlen durcheinander, was dem Herzog von Wellington großen Kummer bereitete. Deshalb beschloss sie, nicht eher zu reisen, ehe Ruhe eingekehrt sein würde.

König überrascht mit Erholungsurlaub

Im Juli schien er wieder ganz gelassen, und sie segelte mit der königlichen Jacht ab. Ihr Bruder, der von Meiningen gekommen war, begleitete sie, und die ganze Flotte des Jachtclubs gab ihr das Geleit. Aber auch jetzt reiste sie nur ungern und vertraute einer ihrer Hofdamen an, sie sei „doch mehr attachiert an den König, als sie vielleicht selbst wüsste, sei ihm nötiger als sie gedacht hatte, und mit einem Wort: England sei jetzt ihre einzige wahre Heimat“.

Umgekehrt vermisste der König sie sehr. Junggesellenvergnügen interessierten ihn nicht. Als Adelheid am 20. August von der Kur nach London zurückkehrte, bereitete ihr der König einen Staatsempfang; die Kanonen schossen Salut, und Fahnen und Flaggen schmückten ihren Weg zum Palast. Ihre Gesundheit soll sich sichtlich gebessert haben.

Am 18. Juni, dem Jahrestag von Waterloo, ließ der „Seemannskönig“ (das Volk nannte Wilhelm seinen „Reformkönig“, seinen offenen, ehrlichen „Seemannskönig“, der das Gute wenigstens nie hinderte) die Segel zu seiner letzten Reise setzen. Bis zum Ende hielt seine geliebte Königin seine verkrüppelten Hände. Er starb frühmorgens am 20. Juni 1837 im 72. Lebensjahr. Mit seinem Tod endete nach 123 Jahren die Personalunion Hannover-London.

Adelheid bezog als Königinwitwe vom Hof ​​ein Jahreseinkommen von 100.000 Pfund und erhielt zudem Marlborough House, ein großes Anwesen in der Nähe von St. James Palace.

Adelheid hatte ihren eigentlichen Lebensinhalt verloren, als König Wilhelm starb. Sie erholte sich niemals ganz von diesem Schlag und wandte sich von ihren Freunden und Bekannten ab. Im folgenden Herbst hatte ihr Schmerz noch nicht nachgelassen, und sie widmete sich vollkommen ihrer Schwester und ihren Neffen. Sie „sprach immerwährend von dem König und hoffte nur, dass sie ihre Pflicht gründlich getan habe“.

Adelheid lebte den Rest ihres Lebens zurückgezogen hauptsächlich in Hastings. Schließlich zog sie in die Priorei zu Bentley, in der Nähe Stanmore in Middlesex, die sie für drei Jahre von der Marquess of Abercom vermietet bekommen hatte. Hier starb sie schließlich am 2. Dezember 1849. „I die in all humility, knowing well that we are all alike before the throne of God“, hatte sie bereits im November 1841 in ihrem Testament geschrieben (Abschrift in The Church Sunday School Magazine, London 1850). „Ich sterbe in aller Demut, denn ich weiß recht gut, dass wir vor Gottes Thron alle gleich sind.“

Im „Bonner Wochenblatt“ hieß es am 9. Dezember 1849: „London, 3. Dez. Gestern Mittag 2 Uhr verschied in Stanmore Priory, Whitehall, Ihre Majestät die Königin Mutter Adelaide, geb. Prinzessin von Sachsen-Meiningen, nach einem langen Krankenlager im 57. Jahre. Sämtliche Zeitungen, Globe, Times, Morning Chronicle, Daily News u. s. w. erscheinen mit Trauerrand. Der Tod dieser trefflichen Frau wird allgemein bedauert.“

„Die arme, liebe Königin Adelheid!“, sagte ein Kritiker jener Zeit, „sie hat nie etwas getan, was in die Weltgeschichte eingegangen ist, außer zu schweigen und den Armen zu helfen“.

Adelheid wurde in der St. George’s Chapel, Windsor, neben ihrem Ehemann beigesetzt.

Adelheids Nichte Victoria hatte als 12-Jährige in ihr Tagebuch geschrieben, dass sie Tante Adelheid mehr vertraue als ihrer Mutter. Bei ihr habe sie auch einen geschmückten Weihnachtsbaum gesehen. Nach den Worten verschiedener Queen-Victoria-Biographen war es Königin Adelheid, die die Tradition des Weihnachtsbaums auf die britischen Inseln gebracht hat. Matthias Blazek

LiteraurAlvin Redman: Auf Englands Thron: Das Haus Hannover – The House of Hanover, London 1960, München 1961

Von Matthias Blazek