Wechselvolle Geschichte

So endete der Kalibergbau bei Habighorst

Die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Kalischachtes bei Habighorst ist in Vergessenheit geraten nachfolgend ein kurzer Blick in die Vergangenheit.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Okt. 2020 | 13:23 Uhr
  • 10. Juni 2022
Die Lage des Kalischachtes Habighorst.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 30. Okt. 2020 | 13:23 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Celle.

Nur wenige berreste erinnern noch an die Zeit des Kalibergbaus im Landkreis Celle. Die ehemaligen Schacht-, Frder- und Verarbeitungsanlagen sind fast berall zurckgebaut worden. Weithin sichtbar ist heute nur noch die Abraumhalde des ehemaligen Schachtes Niedersachsen bei Wathlingen. Die historisch ebenfalls interessanten Relikte des Kalibergbaus bei Habighorst erhalten dagegen deutlich weniger Aufmerksamkeit.

Verschwunden sind die Schacht- und Frdergebude, die einst nrdlich der Strae zwischen Hfer und Habighorst im Bereich der heutigen Habighorster Hhe anzutreffen waren. Verborgen unter Baumwipfeln und bedeckt mit dichtem Strauchwerk lassen sich die Reste der alten Abraumhalde nur noch erahnen. Die wechselvolle Geschichte des ehemaligen Kalischachtes ist in Vergessenheit geraten nachfolgend ein kurzer Blick in die Vergangenheit.

Erste Hinweise auf Salzvorkommen bei Hfer und Habighorst

Die Entdeckung der Salzvorkommen bei Hfer und Habighorst darf der geschichtlichen berlieferung zugeschrieben werden: Alte Erzhlungen rankten sich um auffllige Vertiefungen in der rtlichen Umgebung. Natrliche Erdflle namentlich die sogenannte Krieger- sowie die Zwerchkuhle deuteten Anfang des 20. Jahrhunderts bereits auf einen greren Salzstock in den Gemarkungen hin. Durch obertgige Beobachtungen, Wnschelrutenbegehungen und Probebohrungen verdichteten sich die Hinweise.

Die Postkarte zeigt den Schacht Fallersleben-Habighorst im Jahr 1912.

Im August 1909 erfolge eine Bohrung im Bereich der heutigen Habighorster Hhe, die in circa 127 Meter Teufe auf Steinsalz, in 511,70 Meter Teufe auf das erste Kalilager und in 868,45 Meter auf das zweite Kalilager stie. Nach den ersten Bohrungen vergingen eineinhalb weitere Jahre, in denen entsprechende Kontrollbohrungen den Fund der unterttigen Lagersttten besttigten. In der Zwischenzeit erfolgte die Grndung der Bergbaugesellschaft Fallersleben mbH als Trgergesellschaft. Mit der Nachbargewerkschaft Mariaglck verstndigte man sich darauf, nach Abteufen der Schchte, untertgige Verbindungsstrecken zu schaffen. Durch den zweiten Ein- beziehungsweise Ausgang wurden die Schchte jeweils sicherer auerdem konnte auf diese Weise die untertgige Bewetterung, das heit die Belftung, verbessert werden.

Schachtanlage Habighorst nimmt 1916 Frderung von Kali- und Steinsalz auf

Ende 1909 hatte die Bergbaugesellschaft Fallersleben mbH die bentigten Grundstcke erworben, auf denen schlielich die bertgigen Schachtanlagen errichtet wurden. Die Bauttigkeiten verzgerten sich jedoch erst Ende Januar 1912 konnte mit dem eigentlichen Abteufen des Schachtes begonnen werden. Ende 1913 war die vorgesehene Endteufe von 650 Meter erreicht. Der Bau der bertgigen Anlagen war im Jahr 1914 schlielich abgeschlossen. Im Jahr 1916 hatte die Schachtanlage Habighorst eine bescheidene Frderung von Kali- und Steinsalz aufgenommen. Der Abtransport geschah ber einen Gleisanschluss der Kleinbahn, der vom Schachtgelnde Mariaglck bei Hfer verlngert wurde. Die Energiezufuhr erfolgte ebenfalls von Mariaglck aus hierhin wiederum war eine Stromleitung von der Allerzentrale bei Oldau verlegt worden.

Der Niedergang des Schachtes Habighorst

Gesellschaftliche Umstrukturierungen und die Eingliederung in den Aschersleben-Konzern fhrten schlielich dazu, dass die Aktienmehrheiten an den Bergwerksgesellschaften Habighorst und Mariaglck im Juni 1917 in einer Hand vereinigt wurden. Dieser Umstand bedeutete allerdings auch den Niedergang des Schachtes Habighorst, da es nicht profitabel erschien, vor Ort weiterhin zwei Schchte parallel zu betreiben.

Hinzu kam, dass in Gebieten, die nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund des Versailler Vertrages abgetreten werden mussten, ebenfalls Kalischchte in Betrieb waren, deren Frdermengen in der Nachkriegszeit ausgeweitet wurden. Die Monopolstellung der deutschen Kaliindustrie geriet daraufhin ins Wanken.

Nach der Stilllegungsverordnung des Jahres 1921 wurde das Kaliwerk Habighorst planmig bis zum Jahr 1953 stillgelegt. Fortan diente der Schacht nur noch als einziehender Wetterschacht fr den weiterhin in Betrieb stehenden Kalischacht Mariaglck.

Plne fr Rstungsproduktion

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde es ruhig um den Schacht Habighorst. Erst als die deutsche Rstungswirtschaft und Infrastruktur immer massiver von alliierten Luftangriffen in Bedrngnis gerieten, kam stillgelegten Bergwerken die gesteigerte Aufmerksamkeit des Rstungsministeriums zu.

Im Mrz 1944 fand in diesem Zusammenhang eine Untersuchung der Schchte bei Hfer und Habighorst statt. Tatschlich wurden beide Anlagen begutachtet, allerdings wurde nur der Schacht Habighorst fr eine Rstungsproduktion weiter ausgebaut. In untertgigen Kavernen auf der 710 Meter Sohle sollte die Leipziger Maschinenfabrik und Schriftgieerei Schelter & Giesecke als Zulieferungsbetrieb der Focke-Wulf Flugzeugbau GmbH einziehen. Das Leipziger Unternehmen sollte unter anderem Federbeine fr Flugzeuge des Typs FW-190 herstellen, deren Endmontage anderenorts erfolgen konnte. Das streng geheime Rstungsprojekt firmierte unter dem Decknamen Lwe und sah sich bereits in seiner Anfangsphase vielfltigen Problemen ausgesetzt.

Streng geheimes Rstungsprojekt unter dem Decknamen Lwe

Die grte Schwierigkeit bestand im Frhjahr 1944 darin, dass die ursprnglich auf dem Schacht Habighorst installierte Frdermaschine bereits lngst zurckgebaut worden war die Seilfahrt in den Schacht war aus diesem Grund zunchst nur ber den Schacht Mariaglck mglich. Von den Bemhungen, im letzten Kriegsjahr eine neue Frdermaschine zu organisieren und diese vor Ort in Betrieb zu nehmen, berichten auch die Schriftwechsel des Bergamtes Celle mit dem Oberbergamt Clausthal zum Stand der Verlagerungsaktion. So hatte die Leipziger Maschinenfabrik im Juni 1944 offenbar schon zahlreiche Produktionsmaschinen angeliefert. Eine Frdermaschine, die ntig war um die Produktionsmaschinen in die unterirdischen Werkshallen in 710 Meter Tiefe zu befrdern, befand sich aber noch gar nicht an Ort und Stelle, sondern wurde whrenddessen noch beim Kaliwerk Krgershall bei Teutschenthal (Sachsen-Anhalt) demontiert. Erst im Februar 1945 gut zwei Monate vor Kriegsende war die neue Frdermaschine halbwegs einsatzbereit auf dem Schacht Habighorst montiert.

Notwendige Lfter nicht wie geplant installiert

Ein anderes Problem zeigte sich bei der Bewetterung der unterirdischen Fertigungsrume. Alleine fr die Firma Schelter & Giesecke wurde mit einer schichtweisen Belegschaft von 300 bis 500 Personen kalkuliert. In einer Tiefe von 710 Metern lag die durchschnittliche Gebirgstemperatur bei 28 Grad Celsius. Um einen laufenden Regelbetrieb zu gewhrleisten, war eine zustzliche Frischluftzufuhr zwingend erforderlich. Diese sollte durch groe Schraubenlfter hergestellt werden allerdings fhrten Lieferengpsse dazu, dass diese Lfter bis Ende 1944 nicht wie geplant installiert werden konnten.

Da neben der Firma Schelter & Giesecke noch weitere Unternehmen, wie beispielsweise die Opel AG , fr die Verlagerung in den Schacht Habighorst vorgesehen waren, wre eine entsprechende Belftung allerdings unabdingbar gewesen. Durch die Opel AG htten Fahrwerke fr die Messerschmidt Me-262 das erste in Serie gefertigte Strahlflugzeug im Schacht Habighorst hergestellt werden sollen. Auf dieses ehrgeizige Unterfangen weist ein Schreiben vom 6. Mrz 1945 hin.

Die meisten Gebude abgerissen

Zu einer Realisierung der untertgigen Rstungsproduktion bei Habighorst kam es jedoch nicht mehr. Noch heute befinden sich im Bereich der Habighorster Hhe einige alte Bunker beziehungsweise deren berreste aus dieser Epoche des Kalischachtes. Unabhngig vom geheimen Rstungsprojekt Lwe erfolgte noch die Einlagerung wichtiger Bibliotheks-, Archiv- und weiterer Kulturgutbestnde in den Schacht Mariaglck, um diese vor den Einwirkungen durch Luftangriffe zu schtzen. Nach Kriegsende wurden die Schchte und Anlagen durch Einheiten der Alliierten inspiziert die noch vorhandenen Produktionsanlagen- und Werkzeugmaschinen wurden grtenteils demontiert und abtransportiert.

Nur noch Bewetterungsschacht fr Mariaglck

Der Schacht Habighorst wurde fortan nur noch als Bewetterungsschacht fr Mariaglck verwendet die bertgigen Schachtgebude lagen brach. Konkret handelte sich dabei um eine Wohnbaracke, eine Mhle, die Schachthalle, eine Werkstatt, das Frdermaschinenhaus, ein Wohnhaus und einen kleinen Stall. Die Gebude befanden sich in einem derart desolaten Zustand, dass sich die Samtgemeindeverwaltung Eschede in einem Schreiben an das Bergamt Celle 1986 schlielich hierber beklagte. Die Kali und Salz GmbH (spter K+S AG) veranlasste in der Folge den Komplettabbruch der Schachtanlagen auf der Habighorster Hhe. Bis Anfang 1995 wurden die meisten Gebude vollstndig abgerissen. Nur die alte Seilscheibe, die einst hoch oben auf dem Frderturm gethront hatte, wurde als Denkmal in den Eingangsbereich des Schachtgelndes Mariaglck nach Hfer gebracht, wo sie noch heute an die Geschichte des Kalibergbaus vor Ort erinnert.

Bergwerke mit Lauge sowie Wasser aus der Aschau geflutet

Am 8. Juli 1977 rollte der letzte Frderwagen aus dem Schacht Mariaglck, der daraufhin ebenfalls stillgelegt wurde. Ab 2001 wurden die bertgigen Werksanlagen vollstndig zurckgebaut. In einem letzten Schritt wurden die Bergwerke mit Lauge aus anderen Bergwerksstandorten sowie Wasser aus der Aschau geflutet. Ab 2016 erfolgte die Verfllung des Schachtes Habighorst ein Jahr spter begann die Verfllung des Schachtes Mariaglck. Die Arbeiten wurden bis Ende 2018 abgeschlossen und die Schachteingnge mit massiven Betondeckeln verschlossen.

Heute nur noch Relikte der Schachtanlage Habighorst sichtbar

Vor Ort ist kaum noch etwas vom einstigen Betrieb der Schachtanlage Habighorst zu erkennen. Mit gebtem Blick lassen sich jedoch noch einige Relikte jener Tage aufspren. Betonfundamente, ehemalige Gleisverlufe und alte Bunker zeugen von der wechselvollen Geschichte der ehemaligen Kalibergwerke. Inzwischen erinnert der neu aufgewertete Eingangsbereich zum ehemaligen Schachtgelnde Mariaglck an die historischen Hintergrnde. Die Tatsache, dass es auf der Habighorster Hhe ebenfalls einen Kalischacht gegeben hat, ist allerdings wohl nur noch Ortskundigen bekannt.

Von Hendrik Altmann

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