Georg Wilhelm Lafontaine

Ein talentierter Hofmaler des Knigs

In seiner Geburtsstadt Celle hat man Georg Wilhelm Lafontaine weithin vergessen. Keine Strae trgt seinen Namen. Wer war dieser bedeutende Hofmaler mit deutschem Vor- und franzsischen Nachnamen?

  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Juni 2020 | 11:48 Uhr
  • 10. Juni 2022
Beispielhaftes Werk des Malers Georg Wilhelm Lafontaine: Friedrich Ernst Wilhelm, Sohn der schnen Gertrud, der sptere Graf Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe (* 9. Januar 1724 in London; 10. September 1777 in Wlpinghausen)
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  • 18. Juni 2020 | 11:48 Uhr
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Celle.

Am 20. Juli 1730 wurde Georg Wilhelm Lafontaine in London vom britischen Knig Georg II. zum Nachfolger des verstorbenen kniglichen Hofmalers Tommaso Giusti ernannt. Der Architekt und Kunstschriftsteller Wilhelm Mithoff nennt unter Verwendung eines Zitats unbekannter Herkunft Lafontaine des Knigs [Georg I.] besten Maler. Ob diese Bewertung zutreffend ist, sei dahingestellt. Wer war dieser Hofmaler mit deutschem Vor- und franzsischen Nachnamen, der sowohl in der kunstgeschichtlichen und landesgeschichtlichen als auch in der hugenottischen Forschung nur wenig Beachtung gefunden hat? In seiner Vaterstadt Celle hat man ihn weithin vergessen. Keine Strae trgt seinen Namen.

Sohn des Celler Hoftapezierers Jaques Sieur de la Fontaine

Als Geburtsort nennen fast alle Sekundrquellen Celle, wobei als Geburtszeitraum zumeist um 1675/1680 angegeben wird. Doch findet sich der Name Georg Wilhelm Lafontaine erstaunlicher Weise in keinem Celler Taufregister. Freilich weisen die vom letzten Celler Herzog hergeleiteten Vornamen Georg und Wilhelm schon auf Celle hin. Sollte Georg Wilhelm Lafontaine, wie zuvor sein lterer Bruder Johannes (Jean), jenseits der Landesgrenzen des Frstentums Lneburg in der reformierten Landgrafschaft Hessen-Kassel getauft worden sein? Doch konnte auch dort bislang kein Kirchenbucheintrag ausfindig gemacht werden. Eine weitere Mglichkeit wre eine nicht dokumentierte Haustaufe in Celle durch einen reformierten Pastor aus Hessen-Kassel aus der Verwandtschaft der Mutter.

Leben im noblen Anwesen Trift 25

Sein Vater Jaques Sieur de la Fontaine bekleidete seit 1668 am Celler Hof Herzog Georg Wilhelms zu Braunschweig-Lneburg die Position des Hoftapezierers . Im strengen Sinn ist ein Tapissier ein Teppich- bzw. Tapetenwirker. Doch wrde man heutzutage den Beruf Lafontaines wohl als Innenarchitekten oder Raumausstatter titulieren. In Celle lebten die Lafontaines in dem noblen Anwesen Trift 25. Nach dem Tod des Herzogs war er unter anderem 1706 bei der Neuausstattung der Inneneinrichtung des Welfenschlosses Gifhorn beteiligt, wobei ihn seine beiden Shne Georg Wilhelm und Johannes begleitet und untersttzt haben sollen.

Der Vater Jaques Lafontaine hatte schon vor 1670 die Deutsche Anna Maria (Annemarie) Schnabel geheiratet, die 1650 zu Hoof in der Landgrafschaft Hessen-Kassel geboren wurde. Sie war die Tochter des reformierten Pfarrers Johann Schnabel und der Anna Maria Traube. Aus der Ehe von Jaques und Annemarie Lafontaine gingen acht Kinder hervor, von denen der Georg Wilhelm der zweitlteste war.

Mitglied der Franzsisch-reformierten Gemeinde in Celle

Der Vater war in Celle Mitglied der Franzsisch-reformierten Gemeinde, ohne dort leitende Funktionen zu bekleiden. Dessen Ehefrau Anna Maria, die im Kirchenbuch der Franzsisch-reformierten Gemeinde frankofon stets Schenabelle genannt wird, war Mitglied der 1709 gegrndeten Deutsch-reformierten Gemeinde, zu deren Finanzierung sie mit beitrug. Auch der Sohn Georg Wilhelm Lafontaine gehrte nach 1713 zu den Gemeindegliedern und Finanziers der Deutsch-reformierten Gemeinde. Spter wechselte er in Hannover zur dortigen Franzsisch-reformierten Gemeinde. Ein Indiz dafr, dass sich die Lafontaines sowohl deutsch als auch franzsisch definierten.

Als Portrtist am Celler Hof

Seit dem Jahr 1696 bezog Georg Wilhelm Lafontaine am Celler Hof ein Jahresgehalt von 200 Talern als Contrefaite (Portrtist/Bildnismaler). Wo er seine Berufsausbildung gemacht hat und wer seine Lehrer waren, ist unbekannt. Ohne eine Quelle zu nennen, soll Lafontaine laut Hermann Mitgau zunchst in den Niederlanden ttig gewesen sein. Zur Aufgabe eines Hofmalers zhlte in erster Linie die Schaffung zeitgenssischer reprsentativer Portrts der Herrscherfamilie sowohl zur Ausstattung der eigenen Schlsser und weiterer Gebude als auch zur Abgabe an andere Hfe. Diese Bildnisse sollten dem hfischen Statusdenken entsprechen.

Beispielhaftes Werk des Malers Georg Wilhelm Lafontaine: Friedrich Ernst Wilhelm, Sohn der schnen Gertrud, der sptere Graf Wilhelm Friedrich Ernst zu Schaumburg-Lippe (* 9. Januar 1724 in London; 10. September 1777 in Wlpinghausen)

Damals wurden viele Knstler eher als Handwerker betrachtet, deren Aufgabe darin bestand, reprsentative Dekoration zu erstellen. Sie wurden auch bei Dekorationen von Maskenbllen, Restaurierungen oder als Bhnenbildner im Theater eingesetzt. So hat Martin Warnke beispielsweise die Hofknstler als Hoflieferanten charakterisiert. Das erklrt, warum damals zahlreiche Gemlde nicht signiert worden sind. So verwundert es kaum, dass auch im Fall des Hofmalers Georg Wilhelm Lafontaine die Zahl der ihm aktuell zugeordneten Werke erstaunlich gering ist. Die Mehrzahl seiner Bilder drfte sich unsigniert unter namenlosen barocken Portrts befinden.

Georg Wilhelm Lafontaine und seine Familie

Am 10. Juli 1700 heiratete Georg Wilhelm Lafontaine in seiner Vaterstadt die erst 15-jhrige Lutheranerin Anna Elisabeth Braband, die Tochter des Viermanns im Celler Rat und Hofgoldschmieds sowie Medaillen- und Stempelschneiders Johan Ernst Braband (16241716) und dessen zweiter Frau Ilse Margarete, geb. Simons (16581747). Neben ihrer Ttigkeit als Goldschmiede bettigten sich die Brabands in Celle auch nebengewerblich als Bierbrauer, ein Recht, das 1714 auch auf Georg Wilhelm Lafontaine bergehen sollte. Tatschlich bte der Maler Jahre nach dem Fortgang des Hofs aus Celle das Braueramt aus. Heike Plass vermutet zutreffend: Wahrscheinlich sah er im Braugeschft eine zustzliche Verdienstmglichkeit zur Sicherung seines Lebensunterhaltes. Im Frhjahr 1714 hatte Georg Wilhelm Lafontaine zudem fr sich, seine Frau sowie seine damaligen drei Kinder das Celler Brgerrecht erworben.

Nach 1705 im Dienst des hannoverschen Hofs

Ob sich seine Werkstatt in Celle oder in Hannover befand, ist unbekannt. Auch wenn Georg Wilhelm Lafontaine nach 1705 im Dienst des hannoverschen Hofs stand, so hat seine Familie weiterhin die meiste Zeit in Celle gelebt. Denn die sieben Kinder, die aus der Ehe hervorgingen, wurden mehrheitlich in Celle getauft. Auffllig ist, dass die Taufen weder in der Franzsisch- noch der Deutsch-reformierten Gemeinde erfolgten, sondern in der lutherischen Stadtkirche.

Hervorragende Verbindungen zum Celler und Hannoveraner Hof

Das Georg Wilhelm Lafontaine zeitlebens ber hervorragende Verbindungen zum Celler und Hannoveraner Hof verfgte, belegen beispielsweise die Namen der Paten seines ersten, am 11. April 1701 getauften Kindes, der Tochter Sophia Eleonora Wilhelmina: Kurfrstin Sophie von Hannover, die Celler Herzogin Elonore dOlbreuse und Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lneburg. Die Tochter heiratete vor 1727 den aus Hamburg stammenden Maler Johann Franz Lders (um 17001760), der zunchst als Hofdekorateur in Hannover beschftigt war. Ihm verdanken wir auch die einzige Abbildung von Georg Wilhelm Lafontaine.

In die Fustapfen des Vaters getreten

Der lteste, 1704 geborene Sohn Ludolf Ernst Andreas, ber den bereits im Sachsenspiegel berichtet wurde, trat beruflich in die Fustapfen seines Vaters und wurde Portrt-, Miniatur- und Porzellanmaler. Das dritte Kind der Lafontaines war der am 7. Mai 1710 getaufte Jacob Friedrich Ludwig. Er soll spter seinem Vater nach Grobritannien gefolgt sein und sein betrchtliches Vermgen den Qukern hinterlassen haben. Der vierte am 2. September 1714 getaufte Sohn Johann wurde Hutmacher in Celle. Als fnftes Kind des Contrefaite wurde am 18. Juli 1717 der bald darauf verstorbene Sohn Johann Albrecht, als sechstes 1718 ein namentlich nicht genannter frh verstorbener kleiner Sohn und als siebtes und somit letztes Kind am 15. September 1719 die Tochter Dorothea Helena getauft. Von den beiden zuletzt namentlich Genannten ist nicht mehr als das Taufdatum bekannt.

Hofmaler in Hannover und London

Nach dem Tod des Celler Herzogs Georg Wilhelm im Jahr 1705 zhlte Georg Wilhelm Lafontaine zu den Hofbediensteten, die in die Dienste des benachbarten kurfrstlichen Hofs nach Hannover wechselten, wo bereits zwei Hofmaler beschftigt waren: Thomaso Giusti und Andreas Scheitz. Georg Wilhelm Lafontaine zeichnete fr ein Honorar von zehn Talern ein Portrt des 1705 verstorbenen Herzog Georg Wilhelms, das als Vorlage fr dessen in den Niederlanden 1707 durch einen nicht genannten Knstler gefertigtes Epitaph im Hohen Chor der Celler Stadtkirche diente . Es ist ferner belegt, dass Lafontaine spter Vorzeichnungen zu Medaillen geschaffen hat.

Kopierte Portrts im Rittersaal des Leineschlosses in Hannover

In den Jahren 1706/1707 fertigte er Kopien von Bildern braunschweig-lneburger Regenten fr das Jagdschloss in der Ghrde an. Der Kurfrst hatte in einem Zimmer des Schlosses die Bildnisse aller Braunschweig-Lneburgischen Regenten von Otto dem Groen an aufstellen lassen. Diese waren nach den alten Portraits gemalt, die sich in dem Frstensaal des Rathauses zu Lneburg befanden. Nach dem Abbruch des Jagdschlosses wurden die kopierten Portrts nach Hannover gebracht, wo sie zum Teil im Rittersaal des Leineschlosses eine neue Heimat fanden. Nach der Annektierung des Knigreichs Hannover durch Preuen (1866) wurden sie durch Hohenzollern-Bildnisse ersetzt. Laut Hermann Mitgau fanden die von Lafontaine gemalten Bilder spter auf die Marienburg bei Nordstemmen eine neue Heimat. Gegenwrtig befinden sich die Gemlde jedoch nicht mehr im dortigen Bestand.

berarbeitete Altargemlde fr das Kloster Barsinghausen

1716/1717 erstellte Lafontaine gegen ein Honorar von 400 Talern zwei im Laufe der Zeit stark berarbeitete Altargemlde (Gang nach Emmaus und Christus am Kreuz) fr das umfassend renovierte Kloster Barsinghausen. Diese befinden sich heutzutage auf der Damenempore, da der barocke Hauptaltar im 19. Jahrhundert entfernt worden war.

Personalunion zwischen Grobritannien und Hannover

Der in Hannover regierende Kurfrst Georg Ludwig bestieg 1714 als Georg I. den britischen Thron. Damit begrndete er das in Grobritannien bis 1901 regierende Haus Hannover sowie die bis 1837 bestehende Personalunion zwischen Grobritannien und Hannover. Der Contrefaite Georg Wilhelm Lafontaine gehrte zu jenen Hflingen, die spter mit in die britische Hauptstadt wechselten, wo er in den Jahren 1725 bis zum Todesjahr Georgs I. 1727 lebte. Von dem Aufenthalt in London wissen wir auch durch Briefe des damals in London weilenden Komponisten und katholischen Titularbischofs Agostino Stefani.

In London Knig Georg I. und dessen Familie gemalt

Dieser berichtete, dass Lafontaine in London sei, um Georg I. und dessen Familie zu malen. Zugleich erfahren wir, dass der Maler damals nicht nher beschriebene Probleme mit dem englischen Gesetz infolge von Lotterien bekommen hatte. Das Bildnis des Monarchen sollte das letzte zu Lebzeiten des Herrschers gemalte Portrt werden. Ragnhild Hatton nennt es ein groartiges Portrt. Ein von Lafontaine gemaltes Bildnis des Knigs befindet sich aktuell in der Royal Collection, der Kunstsammlung der britischen Knigsfamilie. Bei der groen Welfenauktion auf Schloss Marienburg im Jahr 2005 wurde auch eine in l auf Leinwand von Lafontaine gemalte, in Details vernderte Kopie des Bildes versteigert. Weitere Kopien sind belegt.

Viele Mitglieder der kniglichen Familie portrtiert

Der Hofmaler portrtierte in der britischen Hauptstadt auch andere Mitglieder der kniglichen Familie, darunter zwei Shne der schnen Gertrud (der Tochter Georgs I. und dessen Mtresse Melusine von der Schulenburg, der Duchess of Kendal). Die beiden Kinderbildnisse befinden sich heute im Schloss zu Bckeburg, dem Stammsitz des Hauses Schaumburg-Lippe, des bis 1918 regierenden Frstenhauses des Landes Schaumburg-Lippe.

Zahlreiche Bildnisse Lafontaines von mnnlichen Mitgliedern des Hauses Hannover dienten zudem als Vorlage fr Kupferstiche oder Mezzotint-Drucke. Von einem weiteren Portrt Lafontaines wissen wir durch eine von Georg Friedrich Schmidt um 1744 gefertigte Radierung mit der kleinen Inschrift Fontaine pinxit. Sie zeigt Charles Gabriel de Tubires de Caylus, den Bischof von Auxerre (16691754).

Werke auch im Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig

Dass Georg Wilhelm Lafontaine mehr als nur ein Portrtmaler war, belegen nicht nur seine beiden fr den Hauptaltar im Kloster Barsinghausen erstellten Werke, sondern auch das Bildnis eines Flamingos, das heute zum Bestand des Herzog-Anton-Ulrich-Museums in Braunschweig gehrt. Der Maler hatte das Tierbild einst fr das Gandersheimer Damenstift Kloster Brunshausen gemalt.

Georg Wilhelm Lafontaine starb in der Calenberger Neustadt

Georg Wilhelm Lafontaine, der auf eine Karriere als cellescher, dann als kurfrstlich-hannoverscher und schlussendlich kniglich-grobritannischer Hofmaler zurckblicken konnte, starb in der Calenberger Neustadt (heute ein Stadtteil von Hannover), am 1. Mrz 1745. Sein Tod wurde im Kirchenbuch der 1697 gegrndeten Franzsisch-reformierten Gemeinde eingetragen. In der Hugenottengemeinde hatte George Guillaume La Fontaine bis zu seinem Tod auch das gemeindeleitende Amt eines Ancien (Kirchenltesten) bekleidet. Ob dieser Hugenotten- beziehungsweise Wallonennachfahre der beste Maler des Knigs Georg I. war, mchte ich bewusst offenlassen. Auf jeden Fall war er der begabteste Portrtist aus der Knstlerfamilie Lafontaine.

Von Andreas Flick

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