Georg Ernest von Melvill

Eine Celler Militärkarriere

Der General Georg Ernest von Melvill starb 1742 in Celle. Hier begann seine militärische Karriere. Im Privaten erlebte der Offizier schwere Schicksalsschläge.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 12. Sept. 2020 | 06:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 12. Sept. 2020 | 06:00 Uhr
  • 10. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Für das Residenzmuseum im Celler Schloss erwarb der Museumsverein Celle 2004 ein auf Leinwand gemaltes Ölgemälde eines unbekannten Künstlers mit dem Porträt von Georg Ernest (Ernst) von Melvill in soldatischer Kleidung. Das Bildnis dürfte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert enstandenen sein. Von Melvill war in seiner militärischen Laufbahn „Seiner Königl.[ichen] Majestät von Groß-Britannien und Chur-Fürstl.[ich] Durchl.[aucht] zu Braunschweig-Lüneburg“ General der Infanterie, Oberster über ein Regiment zu Fuß, Gouverneur der Festung Hameln und Kommandant der Residenz Hannover.

In Johannes-Kirche in Eschede beigesetzt

Am 4. Januar 1742 verstarb der Offizier in Celle im Alter von 74 Jahren und wurde am 6. Februar in der lutherischen Johannes-Kirche zu Eschede beigesetzt. Drei Tage darauf fand in der Celler Reformierten Kirche „bey volckreicher Versammlung“ ein Trauergottesdienst statt. Die dort von dem Pastoren der Deutsch-reformierten Gemeinde Heinrich Talla gehaltene Leichenpredigt wurde zusammen mit der Rede, die der Pastor bereits am 6. Februar bei dem Erb-Begräbnis in Eschede gehalten hatte, 1742 im Auftrag der Neffen und Nichten des Verstorbenen durch den Celler Buchdrucker Johann Georg Passin publiziert. Der mit abgedruckte Lebenslauf ist die wichtigste Quelle für die Biografie des Generals.

Vater war schottischer Offizier

Georg Ernest von Melvill wurde am 8. November 1668 in Celle geboren. Sein Vater war der 1624 in Schottland geborene Offizier Andrew Melvill, der einem alten schottischen Adelsgeschlechtern entstammte, das mit zu den frühesten Anhängern der Reformation auf den Britischen Inseln zählte. 1665 hatte ihn Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg nach Übernahme seiner Amtsgeschäfte zum Stadtkommandanten von Celle eingesetzt. Andrew Melvill, der 1706 oder 1708 nach mehr als vierzigjähriger militärischer Laufbahn als Generalmajor und Drost zu Gifhorn verstarb, wurde in der Celler Stadtkirche beigesetzt, obgleich er der reformierten Konfession angehörte.

Mutter eine enge Freundin von Eléonore d´Olbreuse

Die Mutter von Georg Ernest war die um 1640 zu La Motte im Poitou geborene Hugenottin Nymphe de la Motte-Chevalerie (oft auch schlicht Lamotte genannt). Sie war eine enge Freundin der ebenfalls aus dem Poitou stammenden Lebensgefährtin des Herzogs Eléonore Desmier d´Olbreuse, mit der sie einst als Hofdame bei dem Prinzenpaar von Tarent lebte. 1664 trat Nymphe de la Motte-Chevalerie in die Dienste von Sophie von der Pfalz, der einstigen Verlobten von Herzog Georg Wilhelm. Aus der Zeit nach dem Tod ihres Mannes liegen nur spärliche Nachrichten über sie vor. So schenkte Madame de Melville, die als Witwe in einem Haus an der Trift (später Bahnhofstraße 7) wohnte, 1716 der Französisch-reformierten Gemeinde in Celle die beachtliche Summe von 300 Reichstalern. Zwei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, Georg Ernest und seine Schwester Charlotte Sophie, die 1790 den Hofkavalier Alexander von der Schulenburg heiratete.

Aufenthalte in Frankreich und England

Im Alter von kaum acht Jahren wurde Georg Ernest 1676 nach Frankreich geschickt. Dort hat ihn seine Großmutter mütterlicherseits, Anna de la Prymauday, in der berühmten hugenottischen Akademiestadt Saumur bei einem „Doctor der Rechten, in Pansion gethan, der Ihn in den Anfangs-Gründen der nöthigen Wissenschaften“ unterrichtete. Nach zweijährigem Aufenthalt trat er die Heimreise nach Celle an, wo der Zehnjährige Page am Hofe von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg wurde.

Georg Ernest von Melvill (1668-1742). Unbekannter Maler, Öl auf Leinwand, um 1700.

1680 begleitete er zusammen mit seinem Vater (den späteren) König Georg I. nach England. „Da Er denn die Ehre gehabt, dem damahls regierenden König in Engeland Carl dem II. praesentiret zu werden, und demselben die Hand zu küssen“, berichtet Pastor Talla. Nachdem Georg Ernest von Melvill die Universität Oxford besuchte „und sonst alles Merckwürdige in Engeland besehen“ kam er 1681 wieder nach Celle zurück. Dort diente er erneut von 1681 bis 1683 als Page am Celler Hof. Gegen Ende des Jahres 1683 wurde er „nach dem Haag, in die berühmte Academie des Herrn Lavaleé [vmtl. Henry de la Valeé]“ geschickt, wo er im Reiten, Fechten und den ritterlichen Übungen unterwiesen wurde.

Soldatenkarriere beginnt in Celle

Nun beginnt die Lebensepoche, die durch seine militärische Laufbahn bestimmt war. Im Jahre 1685 wird er Soldat im Celler Infanterie-Regiment La Motte. Im selben Jahr kämpfte er im Türkenfeldzug bei der Festung Neuhäusel und in der Schlacht bei Gran. Nachdem er nochmals eine kurze Zeit im Haag verbrachte, wurde er 1686 nach Hamburg gesandt, um die Stadt in der Auseinandersetzung mit Dänemark zu beschützen. 1687 finden wir von Melvill in Ungarn, wo er unter anderem an der Schlacht bei Mohacz teilnahm. 1689 beteiligte er an den Rheinfeldzügen gegen Frankreich, insbesondere an den Belagerungen von Mainz und Bonn, wofür er eine eigene Kompanie Infanterie geworben hatte. Die nächsten Stationen seines militärischen Lebens lauten Ratzeburg und Brabant (1692). 1694 wurde von Melvill Stabsoffizier bei dem Infanterie Regiment de Luc. Mit dieser Truppe nahm er an allen Feldzügen bis zum Frieden von Rijswijk im Jahre 1697 teil. Es würde zu weit führen, alle weiteren Orte seiner militärischen Wirksamkeit zu beschreiben. Schnell stieg er die militärische Karriereleiter hinauf. 1701 wurde er zum Oberstleutnant und Kommandant des zuvor genannten Regimentes befördert. 1705 zum Obersten ernannt, nahm er an sämtlichen Feldzügen bis zum Rastatter Frieden (1714) teil.

Heirat mit Lucia Anna Dorothea von Staffhorst

Im Jahre 1717 heiratete der bereits 49-Jährige, der sich inzwischen zum Brigadier emporgedient hatte, Lucia Anna Dorothea von Staffhorst. Es war für ihn bitter zu erleben, dass er seine Frau bereits 1730 und sowohl seine drei Söhne Alexandre Frederic Christian, Guillaume Auguste Joachim und George († 1740) als auch seine einzige Tochter Marie Anne (†1740), die einst eine Ehrendame der Herzogin Eléonore d’Olbreuse war, noch zu seinen Lebzeiten zu Grabe tragen musste. 1728 wurde Georg Ernest von Melvill Generalleutnant der Infanterie und Gouverneur der Festung Hameln, wo er auch wohnte. Über seinen weiteren Karriereweg äußert Pastor Heinrich Talla: „Im Jahr 1733 ist Ihm das Commando über die sämtliche Infanterie zu führen aufgetragen worden, zu deren Behueff Er sich denn die mehreste Zeit in Hannover aufhalten müssen, woselbst Er denn auch 1735 die hohe Würde eines Generals der Infanterie erhalten.“

Nach schwerer Krankheit stirbt Georg Ernest von Melvill 1742

Im Winter des Jahres 1740, als von Melvill 72 Jahre alt war, erkrankte er so schwer, daß er die Entlassung aus seinem Dienstverhältnis erbat. Seine Gesundheit sollte sich fortan weiter verschlechtern, so dass er 73-jährig am 14. Januar des Jahres 1742 „des Morgens zwischen 6 und 7 Uhr, bey vollem Verstande, unter den brünstigen Gebetern Seiner hohen Anverwandten, sanft und selig in dem Herrn“ verstarb. Heinrich Talla beschreibt den Verstorbenen als einen gläubigen Menschen: „Er hatte recht geübte Sinnen in dem Worte der Wahrheit, und war Ihm nichts angenehmers, als in denen göttlichen Schriften, nach dem Exempel der edlen von Berrhoen täglich zu forschen, und von dem wahren Sinn des Geistes recht unterrichtet zu werden.“

Vorübergehend kirchliches Amt in Celle übernommen

Erstaunlicherweise verschweigt Talla das kurzzeitige kirchliche Engagement von Melvill, hatte er als Brigadier doch 1722 in der Französisch-reformierten Gemeinde Celle das kirchenleitende Amt eines Ancien (Ältesten) übernommen. Vor der Amtsübernahme hatte er in einem Brief ausdrücklich klargestellt, dass er nur an drei Monaten in Celle sein könne und eher eine beratende Funktion einnehmen möchte. Zugleich hatte er betont, dass er nicht lebenslänglich Ancien sein möchte und das es ihm erlaubt sei jederzeit seine Funktion aufzugeben. Bereits nach 1724 findet sich keine Unterschrift Mellvills mehr unter den jeweiligen Sitzungseintragungen, woraus geschlossen werden kann, dass er das Amt nur rund drei Jahre ausgeübt hat.

Teure Schrift für Beisetzung

Die Leichenpredigt mit dem Titel „Die Seelige Ruhe, und der Theure Genaden-Lohn Derer, die in dem HERRN sterben …“ besteht aus drei für diese Gattung typischen Teilen: der eigentlichen Leichenpredigt, einem Lebenslauf sowie der Abdankungsrede bei der Beisetzung. Der gedruckte Lebenslauf wurde allerdings nicht im Rahmen der Trauerfeierlichkeiten verlesen.

Erbeblicher finanzieller Aufwand für Leichenpredigt

Dem Titelblatt der Leichenpredigt ist ein Porträt von Georg Ernest von Melvill vorgesetzt, welcher den Verstorbenen in militärischer Rüstung zeigt. Dieser Kupferstich sowie weitere Stiche im Inneren des Drucks zeugen von einem erbeblichen finanziellen Aufwand, den die Angehörigen mit der Erstellung dieser Predigt getrieben haben. Verständlich, dass sich zumeist nur betuchte Adelige oder vornehme Bürger ein derartiges Druckerzeugnis leisten konnten.

Von Andreas Flick

Ausgewählte Quellen

Wilhelm Beuleke: Die Hugenotten in Niedersachsen, Hildesheim 1960, S. 115f.

Andreas Flick: Dr. med. Robert Scott wurde zuweilen wegen seiner Frömmigkeit verspottet, in: Cellesche Zeitung 21. November 1992 (Sachsenspiegel 48).

Andreas Flick: „Drei Mal mehr Hugenottin … als Französin“? Herzogin Eléonore Desmier d’Olbreuse (1639-1722) (= Kleine Schriften zur Celler Stadtgeschichte, Bd. 1 u. Geschichtsblätter der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft, Bd. 47), Celle – Bad Karlshafen 2011.

Andreas Flick/Sabine Maehnert/Eckart Rüsch/Norbert Steinau: Die Westceller Vorstadt. Celles barocke Stadterweiterung. Geschichte und Bauten (= Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte. Schriftenreihe des Stadtarchivs und des Bomann-Museums, Bd. 40), Celle 2010.

Hans-Joachim Görke: Chronik der ev.-luth. Johannes-Kirche zu Eschede, Eschede 1971.

Bernhard R. Kroener: „Der Krieg hat ein Loch …“. Überlegungen zum Schicksal demobilisierter Söldner nach dem Dreißigjährigen Krieg, in: Heinz Duchhardt (Hg.), Der Westfälische Friede. Diplomatie – politische Zäsur – kulturelles Umfeld – Rezeptionsgeschichte (= HZ Beiheft N.F. 26), München 1998.

Rudolf Lenz: Erfassung und Auswertung frühneuzeitlicher Leichenpredigten in der Forschungsstelle für Personalschriften, in: Die Auslese. Vierteljährige Informationsschrift für Kirche und Friedhof, 10. März 1993.

Karl-Heinz Mader: Jahresbericht des Museumsvereins 2004/2005, in: Celler Chronik 12. Beiträge zum 300. Todestag Herzog Georg Wilhelms von Braunschweig-Lüneburg (1624-1705), Celle 2005.

Andrew Melvill: 1624-1706. Memoirs of Sir Andrew Melvill. Translated from the French […] With a forword by Sir Ian Hamilton. London / New York 1918. [Die Originalausgabe trägt den Titel: Andre DE MELVILL: Memoires de Chevalier de Melvill […]. Amsterdam 1704.].

Bernhard von Poten: Melvill, in: Allgemeinde Deutsche Biographie 21. Bd, Berlin 1970 (Nachdruck der 1. Auflage von 1885), S. 303f.

Kurt W. Seebo: Die Melvill´s (Manuskript Samtgemeindearchiv Eschede) o.J.

Henri Tollin: Geschichte der hugenottischen Gemeinde von Celle (= Geschichtsblätter des Deutschen Hugenotten-Vereins, II, 7 u. 8), Magdeburg 1893.

Von Uslar: General Melvill, in: Neues vaterländisches Archiv oder Beiträge zure allseitigen Kenntnis des Königreichs Hannover wie es war und ist … Vierter Band, Lüneburg 1823, S. 167-174.

Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eschede: Kirchenbuch Eschede, Bd. 2, Verzeichnisse der Getrauten und Verstorbenen 1681-1694, 1706-1750.

Ev.-ref. Kirchengemeinde Celle, Bestand 2, Nr. 13: Protokollbuch des Französisch-reformierten „consistoire“ (Presbyteriums), 1. Bd. 1687-1729, 1732-1735, 1737-1750.

Ev.-ref. Kirchengemeinde Celle, Best. 2, Nr. 129: 2. Kirchenbuch der Französisch-reformierten Gemeinde Celle, 1705–1810.

Ev.-ref. Kirchengemeinde Celle, Best. 2, Nr. 163: Synode in Celle 1719-1722: Brief de Melvill, verfasst in Diekhorst am 17. Februar 1722.

Von