Sachsenspiegel

Raubmörder Jasper Hanebuth

Jasper Hanebuth galt war viele Jahre lang der Schrecken der hannoverschen Bürger gewesen Er verübte auch eine Mordtat unweit von Celle.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 24. Aug. 2020 | 07:51 Uhr
  • 10. Juni 2022
„Beim Pinkenburger“. „Hanebuth des Räuberhauptmanns Wiege stand hier, wo Pinkenburgers-Scholle ist im Land.“Postkarte im Hannovera-Verlag (Fritz Thörner).
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  • 24. Aug. 2020 | 07:51 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Celle.

Der Pferdedieb und vielfache Mörder Jasper Hanebuth, „zum Bockholte“ auf der Pinkenburg wohnhaft, ist viele Jahre lang der Schrecken der hannoverschen Bürger gewesen, bis er endlich am 4. Februar 1653 hingerichtet wurde. Unweit von Celle erschoss der Raubmörder Jasper Hanebuth (1607–1653) auf der Heerstraße einen Krämer aus Uelzen. Die Beute bestand aus einem seidenen Wams und 3 1/2 Talern. Die Erinnerung an Hanebuth, der dem Betrachter von heute die Verrohung der Menschen im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), vor Augen führt, verblasst. Verwandtschaftslinien sind nur noch schwer nachvollziehbar, Örtlichkeiten und Zusammenhänge lassen sich schwer greifen, Originalakten sind kaum vorhanden und wenn, dann in Fragmenten und schwer lesbar. Es gibt nur wenige hannoversche Kriminalfälle gegen Mitte des 17. Jahrhunderts, die eine gute Quellenlage aufweisen. Bei Hanebuth sieht es besser aus, insbesondere wegen seiner mit insgesamt 19 Morden außergewöhnlichen Abgebrühtheit, über den immer wieder kurze Lebensgeschichten veröffentlicht worden sind.

Als Söldner in schwedischen Diensten

Alle diese Beschreibungen haben gemein, dass sie mehr oder weniger oberflächlich sind und die Rohheit des Täters herunterspielen. Romantisch verpackt, wird dem Betrachter suggeriert, es handele sich bei dem „Räuber“ um eine Person, der man gerne einmal begegnet wäre. Dabei ist die Rede von einem ganz üblen Subjekt, einem neunzehnfachen Raubmörder, der während des Dreißigjährigen Krieges als Söldner in schwedischen Diensten stand und Menschen beinahe willkürlich tötete. Ihn daher als „Robin Hood von Groß-Buchholz“ auszugeben, verfälscht die Tatsachen: Hanebuth hatte 19 Menschenleben auf dem Gewissen und ebenso vielen Familien unsägliches Leid zugefügt. Christian Philipp Iffland (1750–1835), Hofgerichtsassessor und Bürgermeister zu Hannover, inzwischen provisorischer Stadtgerichtsdirektor, war mit seinem Beitrag „Caspar Hanebuth, ein Beytrag zur Geschichte und Characteristik der Stadt Hannover, um die Zeit der letzten Hälfte des 30-jährigen Krieges – aus Originalacten“, abgedruckt 1817 im „Hannoverschen Magazin“, der Erste, der sich der Geschehnisse um den skrupellosen Söldner angenommen hat. Seine Recherchen nahm er schon bald nach den Befreiungskriegen (1813–1815) gegen die napoleonische Herrschaft in Europa vor.

Interesse von Heimatforschern geweckt

Weitere 60 Jahre gingen ins Land, da weckte der Casus Hanebuth das Interesse des hannoverschen Juristen und Heimatforschers August Jugler (1833–1888), Land-Syndikus in Hannover. Er wertete die damals registrierten Ausgaben für seine Schrift „Aus Hannovers Vorzeit – Ein Beitrag zur deutschen Cultur-Geschichte“ (Hannover 1876, S. 177) aus und fand gleich mehrere Positionen, die im Zusammenhang mit Jaspers Haft und Hinrichtung stehen. In dieser Zeit wertete Jugler auch die schwer lesbaren Akten im städtischen Archiv aus, die genug Stoff für einen Beitrag boten, der 1878 im illustrierten Familienblatt „Daheim“ und etwas detaillierter zwei Jahre später als eigenständige Publikation zum Thema gereichten: „Vergilbte Kriminalakten sind unsere Quelle“, lautete seine Feststellung.

Hanebuths Leichnam aus Rad gelegt

Am Dienstag, 4. Februar 1653, wurde der aus dem alten Bauerndorf Groß-Buchholz bei Hannover stammende Hanebuth, dem man 19 Morde und dazu schwere Diebstähle vorgeworfen hatte, „unter seinem Kirchhofe“ vom Leben zum Tode gebracht. Neben dem steinernen Galgen am Nordzipfel des Postkamps im Steintorfeld vor Hannover wurde sein Leichnam danach zur Abschreckung auf das Rad gelegt. Am Rad deuteten 19 Knüppel auf die Anzahl seiner Mordtaten hin – unter seinen Opfern war als letzte auch seine Liebste, Maria, die ihm unentwegt gefolgt war. Für die Menschen, die nach Hannover durch das Steintor kamen, war es der erste Eindruck und die Mahnung, dass Rechtsverstöße vom Magistrat der Altstadt Hannover unnachgiebig geahndet wurden.

Wunderliche Geschichten

Nach Hanebuths „Justifikation“ wurden wunderliche Geschichten zusammengereimt und erzählt. Eine Höhle sei noch in der Eilenriede vorhanden, in der Hanebuths Schätze verborgen liegen. Man wollte es nicht glauben, dass der Berüchtigte keine Reichtümer angehäuft hatte; man meinte eben, ein Räuber übe seine Tätigkeit nicht aus einem bösen Triebe aus, sondern um Geld zu erwerben. Ferner knüpfte sich an ihn die Geschichte, dass der Räuber Drähte mit kleinen Glöckchen daran über die Wege legte, um sofort beim Herannahen eines Opfers Nachricht zu erhalten, wie uns auch vom „blutdürstigen Räuber Lippold“, der der Sage nach seine Höhle auf einem Berge bei Brunkensen im Braunschweigischen gehabt haben soll, berichtet wird. Schließlich wird Hanebuth angedichtet, er habe durch den „Hanebuth-Gang“ die Leichen seiner Mordopfer aus der Stadt geschafft. Das hätte im Übrigen vorausgesetzt, dass er die Morde innerhalb der Stadtmauern verübt hätte. Dieser mittlerweile nach etwa neun Metern eingestürzte Gang führt unter der Mauer am unteren Leineufer hindurch in die Stadt und endete einst in einem Keller. Eine kleine Pforte verschließt den Gang.

Auf der Pinkenburg 1607 geboren

Jasper Hanebuth wurde Anfang Februar 1607 als Sohn des Vollmeiers Hans Hanebuth und seiner Ehefrau Anneke, geb. Elers, „auf der Pinkenburg“, einer alten Zollstätte mit Ausschank bei Bothfeld, geboren. Getauft wurde er am 8. Februar 1607 von Pastor Justus Wolkenhaar. Über Kindheit, Jugend und Elternhaus ist kaum etwas bekannt. Lesen und Schreiben lernte er nicht, Katechismus und Kirche blieben ihm böhmische Dörfer. Als Junge diente er bei einem Bauern in List, einem Dorf, das wie das benachbarte Bothfeld an der Poststraße von Hannover nach Celle lag.

Morden und Rauben aus Lust und Gier

Seit 1618 wütete im Heiligen Römischen Reich und in Europa der Dreißigjährigen Krieg, und Hanebuth nutzte die Gelegenheit, sich als Söldner in die Dienste des schwedischen Feldmarschalls Robert Graf Douglas (1611–1662) zu stellen, dessen Truppen übrigens noch im Oktober 1648 das Nürnberger Umland unsicher machten.Deutsche Söldner wie Jasper Hanebuth boten den Schweden bereitwillig ihre Dienste an. Sie galten als gnadenlose Gewaltarbeiter, die aus Lust und Gier mordeten und raubten. Die Werbung funktionierte stets ähnlich: Pfeifer und Trommler zeigten an, dass ein Feldschreiber in der Stadt war, der die Rekruten notierte. Häufig erhielten sie Laufgeld, um den oft Tage dauernden Weg zum Musterplatz zu bewältigen. August Jugler (1878) erwähnt die Ankunft des schwedischen Feldmarschalls Johan Banér (1596–1641) am 1. Februar 1632 in Sarstedt, Heisede und Gleye und datiert für diese Zeit die ersten von Hanebuth begangenen Raubmorde. Damals hatte sich Banér laut der „Hannoverschen Chronik“ (1907) „zu Roß um den Calenberg quartieret“.

Schlacht bei Sarstedt

Im Frühjahr 1634 befand sich der Söldner Hanebuth mit den schwedischen Soldaten im Feldlager vor Hildesheim. Die Schweden und die Lüneburger Truppen lagerten bei Sarstedt unter dem „Hülpersberge“, die Gegner bei Groß Lafferde. Nach der Schlacht bei Sarstedt (8. Juli 1634) ergab sich die kaiserliche Besatzung in Hildesheim den Wolfenbütteler Truppen unter Generalmajor Thilo Albrecht von Uslar (1586–1634). Später wohnte Hanebuth lange in Groß-Buchholz und trieb Pferdehandel, wobei er im deutschen Reich weit umher kam. Er war verheiratet gewesen, seine erste Frau, Dorothea, geb. Meier, starb 1641, seine zweite 1650. Am 22. Oktober 1637 wurde die Tochter Anna getauft, die Zwillinge Catharina und Lisebeth starben als Kleinkinder mit der Mutter 1641 in Hannover, wo die Familie damals Zuflucht gesucht hatte.

Ein wilder unheimlicher Gesell

Über Hanebuths Auftreten in Groß-Buchholz schreibt Jugler (1878): „Ein wilder unheimlicher Gesell, war Hanebuth der Schrecken des Dorfes. Manchmal jagte er die Bauern aus dem Dorfe und hielt unterdessen mit den Weibern rechtschaffen Haus. Wollten dann die Bauern auf ihn ein, so stieß er sich mit dem bloßen Messer auf den Leib – und kein Tropfen kam! Mit höllischen Zaubermitteln hatte er den Leib gegen das Geschoß der Feinde verfestet. Oft war er auf die Haut geschossen und nie war die Kugel durchgegangen.“ Der Bauer Gronecke im Dorf List, so Jugler weiter, habe ihn das Festmachen gelehrt. Der habe ihm einen beschriebenen Zettel gegeben und gesagt: „Wenn er davon einen Mund voll eingefressen, so sei er 24 Stunden fest; soweit einen aber die Sonne bescheine, könne man sich nicht fest machen.“

Hannoversches Bürgerrecht erworben

Jasper Hanebuth ging 1641 mit seiner Familie in die nahe Festung Hannover. Dort erwarb der 37-Jährige 1643 das hannoversche Bürgerrecht, das er wegen Steuerschulden bald wieder verlor. August Jugler schreibt über diese Episode im Leben Hanebuths, der damals bereits mehrere Morde verübt hatte: „Hanebuth war eine Zeit lang Bürger in Hannover und verkehrte Zeit seines Lebens viel in der Stadt. In den Wirthschaften, wo Bürger und Bauern um Herberge oder um einen Krug Biers einkamen, waren Hanebuth und seine Kameraden gefürchtete Gäste. Sie soffen den Bürgern den Broihan aus und fragten nicht nach der Zeche. Hanebuth führte sein „Rohr“ allezeit bei sich. Seine bestialische Wuth kannte keine Grenzen. Einst hatte er einem hannoverschen Bürger Mist abgekauft. Als er den Mist abholte und des Wirthes kleine Hunde ihn anliefen, faßte er die Mistgabel und schlug damit dem Manne dermaßen über den Kopf, daß er wie todt niederfiel. Als der Unglückliche sich wieder ermannte, zwang ihn Hanebuth mit entblößtem Messer, daß er aus dem Kruge, in den das Blut von seinem Kopfe gelaufen, ihm Bescheid thun sollte. ‚Wenn er auf Morden ausgegangen,‘ sagte der Wirth, ‚solle er zuvörderst bei den kleinen Kindern in der Stube anfangen.‘ Als die Frau ihren Mann dann verband, drohte Hanebuth abermals mit bloßem Messer, ihm die Kehle abzuschneiden, wenn er nicht trinken wolle. Auch einen Andern, der eben zugegen, zwang Hanebuth, den mit des Wirthes Blute vermischten Broihan zu trinken.“ Nach dem Krieg diente er für drei Jahre als Soldat beim Hildesheimer Rat und erwarb auch dort das Bürgerrecht, das aber später wieder verloren ging, „weil ich gewisse bürgerliche Gefälle nicht bezahlte“. Das andere Kapitel beschreibt die vielen Morde, die Jasper Hanebuth während seiner Söldnerzeit, aber auch nach der Zeit des Dreißigjährigen Krieges verübte. August Jugler leitet seine Aufstellung der einzelnen Verbrechen 1878 mit einem Hinweis auf Hanebuths kriminelle Energie ein:

19 Mordtaten eingestanden

„Die eingestandenen 19 Mordthaten wurden in den letzten beiden Jahrzehnten des Krieges begangen, die meisten in der Nähe der Stadt, an Hanebuths Geburtsstätte, in Bothfeld und List, am Sandberge bei Hainholz, bei Misburg und Seelze, andere im Lüneburgschen und Hildesheimschen, nur zwei in weiterer Ferne, bei Rendsburg und Ingolstadt. Gemordet wurde, was vorkam, der kaiserliche Musketier wie der schwedische Reiter, der düstere Räuber und der heitere Spielmann, der Marketender und der Krämer, der arme Schäfer und der Hausmann, der Kamerad und die Liebste. Wer ein Stück Plunder am Leibe trug, dem wurde auf den Weg gegangen. Marketender versprachen fette Beute. Die Leichen der Erbeuteten, sagt Hanebuth, hätte er allemal an der Wahlstatt liegen lassen und sich nicht so viel Weile genommen, dieselben zu verscharren, aus Furcht dabei betreten zu werden.“ Rudolph Ludwig Hoppe schreibt 1845: „Hanebuth trieb, wie gesagt, sein Unwesen im Verlaufe des 30-jährigen Krieges und zwar während der letzten Hälfte desselben. Als in dieser Gegend täglich unmenschliche Grausamkeiten verübt wurden, an einer Seite der Leine durch die Krieger Königs Christian, auf der anderen von Tilly‘s entfesselter Bande, mußten die Zuschauer bald gleichgültiger werden gegen Mord und sonstige Verbrechen; diese wurden deshalb mit mehr Sicherheit und ungestörter begangen, als in weniger stürmischen Zeiten. Dies ist wohl der Grund, daß die verbrecherische Laufbahn Hanebuth‘s viele Jahre sich fortziehen konnte.“

Caspar Reusche und Hänschen von Rode

Als wichtigste Weggefährten Hanebuths werden in den hannoverschen Chroniken gelegentlich Caspar Reusche (Rausch) aus Stöcken und Hänschen von Rode genannt, so auch bei Jugler (1878): „Hier waren die gefährlichsten Räuber: Jaspar Hanebuth aus Groß-Buchholz, Caspar Reusche von Stöckheim und Hänschen von Rode, ein hannoverscher Patrizier. Alle drei Mordgesellen ereilte der Arm der Gerechtigkeit.“ Neben weiteren Begleitern Hanebuths wird neben anderen vor allem Hans Stille aus Dedensen genannt, der ebenfalls als Söldner in schwedische Dienste getreten war und sieben Morde mit Hanebuth verübte. Im letzten Verhör sagte der Inquisit Hanebuth noch aus: „Ich habe in meinem Gefängnisse genau nachgerechnet, entsinne mich aber nicht, mehr Mordtaten begangen zu haben, als angegeben worden. Die 19 Mordtaten aber, welche ich angeführt, muss ich vor Gottes Gericht verantworten; ich habe sie wirklich verübt, hoffe jedoch, Gott wird mir verzeihen, um Christi willen.“ Seelischen Beistand erhielt Hanebuth auf seinem letzten Gang von den Herren Magister Pastor Justus Heinrich Barnstorff (1609–1686) und Magister Melchior Ludolph Sattler (1654–1718), beides Pastoren an der Pfarrkirche zum Heil. Kreuz. Auf dem Weg zur Richtstätte war Hanebuth „ein ansehnlicher Weintrunk zur letzten Reise vergönnt“.

Von Matthias Blazek

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