Wettbewerb

So küren junge Celler Gastronomen ihren Meister

Vor den Augen der Gäste bereiten zwölf Auszubildende Speisen zu und servieren sie. Das wurde den Gästen bei den Jugendmeisterschaften aufgetischt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. Jan. 2020 | 18:26 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. Jan. 2020 | 18:26 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Celle.

Marcia Glindemann hält die mit Alkohol gefüllte Suppenkelle dicht über die Gasflamme. Gespannt wartet sie, die Aufregung ist ihr anzumerken. Endlich entzündet sich die Flüssigkeit, bläuliche Flammen tanzen an der Oberfläche. Noch einmal tief durchatmen, dann neigt Glindemann die Kelle, kippt die brennende Flüssigkeit über den Inhalt einer bereitstehenden Pfanne, sodass die Flammen aus der Suppenkelle auch die Zutaten entzünden: Zucker, Butter, Orangensaft, Obstler und Feigen brennen. Das Ergebnis: flambierte Feigen. Zusammen mit dem restlichen Dessert serviert Glindemann sie den Gästen, der letzte Gang ist geschafft.

Fähigkeiten in verschiedenen Aufgaben beweisen

Glindemann ist eine von zwölf Auszubildenden, die am vergangenen Mittwoch bei den Celler Jugendmeisterschaften in den gastronomischen Berufen angetreten sind. Jeweils vier Restaurantfachleute, Hotelfachleute und Köche haben das Ziel, in ihrer Sparte als Gewinner hervorzutreten. Dafür müssen sie ihre Fähigkeiten in verschiedenen Aufgaben unter Beweis stellen. So gehört für die Restaurantfachleute dazu, Obst direkt vor den Augen der Gäste zu flambieren. "Vor dem Flambieren war ich besonders aufgeregt. Meine Knie haben richtig gezittert", erzählt Ann-Kathrin Biermann später.

Nur einige Zutaten sind vorgegeben

Hinter ihr und den anderen liegt ein langer Tag. Das Abendessen ist der letzte Prüfungsteil des Tages, der krönende Abschluss. Je eine Hotelfachkraft, Restaurantfachkraft und ein Koch bilden ein Team und bewirten fünf Gäste. Obwohl sie aus verschiedenen Betrieben stammen und sonst nicht zusammenarbeiten, müssen sie sich heute als Team finden. Die Köche bereiten die Gerichte zu, die Servicekräfte reichen sie den Gästen. Die Gestaltung des Menüs liegt ganz beim Koch, nur einige Zutaten sind vorgegeben. So muss die Vorspeise Pilze enthalten, die Hauptspeise eine Lammkeule und das Dessert mit Joghurt zubereitet sein. „Die Zutaten sind schon seit vier Wochen bekannt, sodass geübt werden konnte“, erzählt Kai Duda aus dem Dehoga-Vorstand. „Natürlich heißt das auch, dass die Gerichte eine bestimmte Schwierigkeit haben müssen“, fährt er fort. Christoph Graue, einer der Köche, hat die Vorbereitungszeit genutzt und neben seiner Arbeit im Betrieb und der Schule sein Menü bereits vier Mal gekocht. "Ich habe viel in meiner Freizeit trainiert, aber es lohnt sich", findet er.

Ablauf der Meisterschaften in Celle ist streng getaktet

Seit 12 Uhr sind die Köche mit Vorbereitungen für das Abendessen, dessen Ablauf streng getaktet ist, beschäftigt. Der Zeitdruck ist aber nur eine der Herausforderungen, findet Duda und fasst zusammen: „Unter Prüfungskriterien und Zeitdruck in einer Küche kochen, die ihnen nicht bekannt ist, ohne dass der Chef daneben steht und Anweisungen gibt.“

Jury beobachtet jeden Schritt der Auszubildenden

Im Restaurant in der Albrecht-Thaer-Schule in Altenhagen haben sich 20 Gäste versammelt, unter ihnen Dehoga-Mitglieder, Politiker, Sponsoren und Freunde der Gastronomie. Aufmerksam gehen die Restaurant- und Hotelfachleute durch den Raum, bieten den Gästen Wein an, schenken nach – stets unter den wachsamen Augen der Jury, die jeden Schritt der Auszubildenden beobachtet und bewertet. „Dass wir die ganze Zeit beobachtet werden, trägt auf jeden Fall zur Aufregung bei“, findet Jessie Behrens, Hotelfachfrau. In der Küche liegt der Bewertungsschwerpunkt der Jury insbesondere auf den Gerichten. „Sie achten auf Geschmack, Präsentation, Temperatur und ob das Gericht pünktlich fertig war“, erläutert Duda.

Vier Köche bereiten vier Menüs zu

Vier verschiedene Köche heißt auch: vier verschiedene Menüs. So gibt es als Vorspeise an einem Tisch eine Pilzcremesuppe mit Buttercroutons und einer Kräutersahnehaube, während ein paar Meter weiter gebratener Kräutersaitling mit Blauschimmelkäse, Sherry-Gel und Schokoladen-Öl serviert wird.

"Niveau ist gestiegen"

Nach dem Essen ist für die Auszubildenden der anstrengende Teil vorbei, der Jury steht die herausfordernde Aufgabe aber erst bevor: sich beraten und die Sieger bestimmen. Dieses Jahr sei es eine besonders schwere Entscheidung. "Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das Niveau gestiegen", erläutert Duda, wieso die Gäste etwas länger auf die Verkündung warten mussten. Unter den Restaurantfachleuten kann sich Ann-Kathrin Biermann vom Restaurant „Das Esszimmer“ durchsetzen, unter den Hotelfachleuten ist es Jessie Behrens vom Fürstenhof. Zum besten Koch kürt die Jury Christoph Graue vom Restaurant „Zum Gutshof Oppershausen“.

Gewinner fahren zur Niedersachsen-Meisterschaft

Für die Gewinner ist die Arbeit längst nicht vorbei. Bevor es im März zu den Niedersächsischen Meisterschaften nach Oldenburg geht, steht weiteres Training auf dem Programm. Der Schwerpunkt liegt laut Duda darauf, den Schwierigkeitsgrad anzuheben, denn: „Die Niedersachsen-Meisterschaft ist nochmal ein ganz anderes Niveau.“

Von Vanessa Fillis

Ablauf der Meisterschaften

Der Celler Jugendmeister in den gastronomischen Berufen wird jedes Jahrvom Dehoga-Kreisverband Celle mit der Berufsbildenden Schule in Altenhagen ausgerichtet. Es treten vier Hotelfachleute, vier Restaurantfachleute und vier Köche an. Am Ende des Tages wird aus jeder Sparte ein Gewinner gekürt. Um diesen zu bestimmen, werden den Auszubildenden den gesamten Tag über vielfältige Aufgaben gestellt.Während die Restaurantfachleute unter anderem einen Tisch zum übergeordneten Motto „Jahrmarkt der Genüsse“ eindecken und Cocktails herstellen müssen, gilt es für die Hotelfachleute, einen englischen Gast einzuchecken, einen Etagenwagen zu bestücken und ein Zimmermädchen in die Reinigung des Zimmers einzuweisen. Eine Aufgabe ist für alle 12 Auszubildenden gleich: das Erkennen von 20 Waren, darunter Pastinaken, Salbei, Besteck für Krebse und eine Hebamme. Bewertet werden sie von einer Jury, die unter anderem auf das Verhalten am Gast, die Sauberkeit des Arbeitsplatzes in der Küche sowie auf die Arbeitsweisen und -techniken achtet.Die Gewinner ihrer Sparten vertreten Celle bei den niedersächsischen Meisterschaften im März in Oldenburg.

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