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Reportage Sechser im Lotto: Zwillinge im Doppelpack
Mehr Reportage Sechser im Lotto: Zwillinge im Doppelpack
13:34 13.06.2010
Spielen im Kinderzimmer: Manchmal schafft es die gesamte Familie im Kinderzimmer zu spielen.
Spielen im Kinderzimmer: Manchmal schafft es die gesamte Familie im Kinderzimmer zu spielen. Quelle: Torsten Volkmer
Hohne

Bei Ehepaar Schubert in Hohne ist jeden Tag ordentlich was los. Die vier Kinder der Eltern Anne und Björn stellen den Haushalt der jungen Familie oft auf den Kopf. Hier ist immer Trubel, denn: Eva und Fynn sowie Mia und Leif sind jeweils im Doppelpack auf die Welt gekommen.

11 Uhr. In der Küche tummeln sich Eva und Fynn. Die beiden zweijährigen Zwillinge jagen sich gegenseitig mit dem Bobycar um den Esstisch, lautstark angefeuert von dem eineinhalb Jahre alten Golden-Retriever-Berner-Sennen-Mischling Fiete. Während dieses Spektakels, bereitet Anne Schu-bert am Herd in einer Seelen-ruhe das Mittagessen vor: Hähn-chenschnitzel in Dinosaurierform, Gemüse und Kartoffelbrei. „So jetzt ist Schluss. Es wird gegessen und du Fiete gehst auf deinen Platz“, kommandiert Schubert ihre Lieben mit Erfolg auf ihre Plätze. Nebenan im Wohnzimmer schlafen die vier Monate alten Babys Mia und Leif friedlich gemeinsam in ihrem Bettchen. Ebenfalls Zwillinge. „Man sagte mir die Chance Zwillinge zu bekommen liege bei 1 zu 86, als ich Eva und Fynn erwartete“, erzählt Schubert. „Und als ich dann im vergangenen Jahr wieder Zwillinge bekam, sagte mir der Chefarzt, das sei so häufig, wie ein Sechser im Lotto.“ In der Familie der jungen Mutter gibt es zwar Zwillinge – ihre Schwiegermutter und ihre Oma sind Zwillinge – aber damit gerechnet, selbst ein Pärchen zu bekommen, hat Schubert nicht: „Daran habe ich überhaupt nicht gedacht. Der erste Blick auf den Ultraschall und die Erkenntnis, das sind ja zwei, war natürlich zunächst ein Schock. Ich habe das dann aber einfach so akzeptiert und mich sehr gefreut. Auch beim zweiten Mal.“

Kinder können Wecker ersetzen

6 Uhr. Einen Wecker braucht die 28-jährige Mutter eigentlich nicht. Ihre beiden Kinder Mia und Leif melden sich ziemlich zuverlässig am frühen Morgen. „Dann kümmere ich mich erst einmal um die beiden Kleinen, bevor ich dann die verbleibende Zeit, bis meine Großen aufwachen, für mich nutze“, schildert Schubert. Spätestens um 8 Uhr stehen nämlich Eva und Fynn in ihrem Bettchen und fordern mit lauten Rufen die Aufmerksamkeit ihrer Mutter ein. Selbst gemalte Wandbilder der Comic-Figur Spongebob Schwammkopf aus der Fernsehserie zieren die Dachschräge im Zimmer der Zweijährigen. Mit viel Liebe hat Schubert die Szenen auf der Wand aufgebracht. Direkt unter der Schräge steht das Bettchen von Fynn. Noch etwas knörig sitzt der kleine Mann im Schlafsack in seinem Schlafgemach und kuschelt seine Decke. „Guten Morgen Fynn, na hast du gut geschlafen“, fragt seine Mutter und streichelt ihm über seinen Kopf. Schräg gegenüber blättert Eva bereits in einem Bilderbuch und brabbelt vor sich hin. Jetzt geht es recht zügig. Die Kleinen werden von ihren Schlafsäcken befreit und in den Tag geschickt. „Nun kommt, wir wollen uns doch anziehen oder“, fordert Schubert ihre Kinder auf mit ins Wickelzimmer zu kommen. Doch Eva will lieber schon mal etwas spielen. „Gut, dann gehen Fynn und ich eben alleine rüber.“ Das zieht. Ruckzuck hat Eva ihre Spielsachen links liegen gelassen und tapst ihrer Mutter und ihrem Bruder hinterher. Während Fynn gewaschen wird und eine neue Windel bekommt, macht sich Eva an der mit Wolken beklebten Tapete zu schaffen. „Die werden regelmäßig an eine andere Stelle geklebt“, sagt Schubert seelenruhig und sucht für Fynn seine Anziehsachen heraus. „Eva lässt du die Tür bitte auf, Mama will doch die Babys hören.“ Mit großen Augen starrt Eva ihre Mutter aus nicht mal einem Meter Höhe an. „Babys“, entgegnet sie und zeigt auf den Flur. „Ja genau und jetzt komm, wir machen dich fertig, dann gehen wir zu Mia und Leif nach unten.“

9 Uhr. Jetzt sind alle Kinder unten im Wohnzimmer. In den Regalen sind die untersten Fächer leergeräumt. Alle Bücher stapeln sich außer Reichweite der kleinen Kinderhände. Auf dem Wohnzimmertisch liegt jede Menge Spielzeug. In großen Kisten finden sich Holz-Bauklötze, Playmobil und Legosteine. Während die beiden Großen an ihrem Kindertischchen mit Buntstiften weißes Papier und die Tischplatte verzieren, schlafen die beiden Babys friedlich in ihrem Bett. Auch die lauten Spielgeräusche ihrer beiden großen Geschwister können sie nicht stören. „Die beiden sind sehr pflegeleicht. Das macht es natürlich einfacher“, freut sich Schubert und geht die Flasche für die kleine Mia vorbereiten. „Leif schläft oft länger. Der meldet sich eben später, aber das macht nichts, denn immerhin wiegt er jetzt schon mehr als seine Schwester und ist auch schon größer.“ Beide Zwillingspärchen wurden vier Wochen vor dem eigentlichen Entbindungstermin per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. „Die Jungs waren jeweils die Schwereren. Fynn wog 2750 Gramm und Leif sogar 3050 Gramm“, sagt Schubert. „Nicht gerade kleine Kinder für Zwillinge. Eva kam mit 2630 Gramm und Mia mit 2520 Gramm zur Welt.“ Zumindest bei den Großen hat Eva den Vorteil ihres Bruders bereits aufgeholt. Die Kinder haben sich prächtig entwickelt und halten ihre Mutter auf Trapp. Zwei Jahre will Schubert noch zu Hause bleiben und sich ausschließlich um ihre vier Kinder kümmern. „Dann würde ich gerne wieder Halbtags arbeiten“, erklärt die gelernte Floristin. „Mein Job hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Wäre toll, wenn ich in den Beruf zurück könnte.“

Zeit zu zweit bleibt wenig

Zeit für sich hat das Ehepaar Schubert nur abends, wenn die Kinder schlafen. „Das ist nun einmal so. Ich bin gerne Mutter und liebe meine Kinder. Entbehrungen gehören da eben dazu“, sagt die 28-Jährige, die früher eigentlich nie Kinder wollte. „Man hört von allen Seiten, das kannst du alleine ohne Hilfe gar nicht schaffen. Was soll ich sagen: Ich schaffe es.“ Natürlich hätte sie manchmal Bedenken: „Wenn ich meinen Mann nicht hätte, dann wäre es wahrscheinlich sehr sehr schwer. Aber, wenn er Nachmittags nach Hause kommt, dann kann ich einfach mal nur mit den Großen etwas machen oder ich kümmere mich dann um Dinge, die ich Vormittags alleine nicht schaffe.“ Und am Abend, wenn die Kinder im Bett sind, genießt das Ehepaar dann die wenige Zeit zu zweit.

Minischlacht ums Mittagessen

11.30 Uhr. Nach der Mini-schlacht ums Mittagessen, verschwinden die großen Zwillinge gegen halb zwölf bis etwa 15 Uhr in ihren Betten und halten ihren Mittagsschlaf. Bis jetzt hat sich die kleine Eva schon mehrfach ihrer Anziehsachen entledigt. „Sie zieht sich sehr gerne aus, aber leider nicht an“, sagt Schubert mit einem Schmunzeln. „Manchmal hilft da nur eine Hose, die sie nicht so leicht aufbekommt.“ Die Mittagspause ihrer großen Kinder, als eine der wenigen ruhigen Zeiten des Tages, nutzt Schubert dann nicht um sich selbst zu regenerieren, im Gegenteil: Jetzt ist der Haushalt dran. „Zwei Waschmaschinen mache ich pro Tag. Für die ganze Wäsche habe ich vier Wäschespinnen“, erzählt die junge Mutter während sie das Spielzeug der Großen etwas zusammenräumt. Seit Ende letzten Jahres lebt die Familie erst in Hohne. Vorher haben sie eine Vierzimmer-Wohnung in Scheuen bewohnt. Jetzt stehen ihnen drei Ebenen in ihrem Haus zur Verfügung. „Das muss natürlich auch alles sauber gehalten werden. Das mache ich eben immer Stück für Stück. Und an ein gewisses Grundchaos habe ich mich gewöhnt.“ Das gehöre eben auch dazu. „Früher hätte mich das Spielzeug überall auf dem Boden und im ganzen Haus verrückt gemacht. Aber mit Geburt der Kinder habe ich eine Gelassenheit entwickelt, die ich vorher nicht hatte.“

Von Jasmin Nemitz