Herrenzimmer

Garantiert alles robust

Die Beschränkungen in der Corona-Krise treffen vor allem kleinere Einzelhändler. Etwa den Betreiber des Geschäfts "Herrenzimmer" in der Celler City.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Apr. 2020 | 07:30 Uhr
  • 10. Juni 2022
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  • 10. Juni 2022
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Celle.

„Uuiijuuiijuuii, ich weiß nicht was das werden soll, wenn ich jetzt fünf Wochen meinen Laden schließen muss“, blickt Frederik Neumann ein wenig ins Ungewisse. Auf Web-Shop umstellen sei eine Möglichkeit, aber die Kunden wollen und sollen die Waren anfassen und haptisch erleben, beschreibt Neumann sein Konzept. Die Corona-Einschränkungen treffen den Existenzgründer jetzt unerwartet hart.

Dabei mag der Celler Jungunternehmer Frederik Neumann (33) das Robuste, das Originale, das Authentische. Und er mag traditionelle Dinge und die althergebrachte Art der Herstellung und die Reinheit des Materials.

Businessplan mit Robustem und Authentischem

Dieses Robuste, Originale und Authentische hat er vor drei Jahren in seinen Businessplan einfließen lassen, als er seine Selbstständigkeit konkret plante.

Bis dahin war er ein Mann mit zwei Berufen und im Vertrieb für italienischen Schmuck in einem sehr großen Gebiet tätig.

Nach seiner Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker, einiger Praxiszeit und Phasen der Neuorientierung absolvierte er eine Lehre im Groß- und Einzelhandel, bevor er auf dem Energiesektor für die technische Verwaltung von Windkraftanlagen zuständig war. „Ich bin immer offen für Neues und begeistere mich für Dinge, die mich interessieren“, sagt Frederik Neumann in seinem Ladenlokal "Herrenzimmer" an der Schuhstraße, das er inzwischen seit zwei Jahren betreibt.

Im gesamten Geschäft gibt es keine Kunstfaser

Frederik Neumann bezeichnet sich als einen besonderen Herrenausstatter – nicht klassisch, sondern ein wenig rauer und ursprünglicher. „Bei mir finden Männer alles, vom qualitativ hochwertigen Pullover über Hemd und Hose bis hin zum Dufflecoat und zu robusten Lederschuhen.“ Seine Philosophie: Im gesamten Geschäft gibt es keine Kunstfaser, kein Elastan. Dafür Jeans aus reiner Baumwolle, naturgefärbte Baumwoll- und Wollpullover, wetterfeste und wachsbeschichtete Jacken sowie Lederwaren. Und das in allen Größen. „Ich verkaufe hier die echte Blue-Jeans, die im Laufe der Jahre des Tragens ihren wahren Charakter entwickelt.“

Dafür gibt es eine große Fangemeinde. Auch in Celle. „Meine Kunden kommen aber auch aus Hannover, Braunschweig und Wolfsburg – insofern habe ich ein großes Einzugsgebiet.“ Per Facebook und Instagram richtet er sich an seine Kundschaft, stellt neue Wareneingänge vor. „Kauf weniger – aber besser“, rät er seinen Kunden. „Garantiert gibt es bei mir keine ultraleichten, superpraktischen, aus Plastikfasern in Billiglohnländern von Kinderhänden produzierte Klamotten.“

Sein Businessplan fand damals die Zustimmung der Banken, denn er hatte sich auch Ziele gesetzt, die nach zwei und drei Jahren angesteuert werden sollten. „Bisher habe ich mein Zweijahresziel gut erreicht“, zieht Neumann eine Zwischenbilanz, wartet auf Ware für die neue Saison und hofft, dass er sein Geschäft bald wieder öffnen kann.

Von Lothar H. Blum

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