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Mittendrin Silicon Valley für Geflügelfleisch
Mehr Mittendrin Silicon Valley für Geflügelfleisch
15:23 13.06.2010
Von Simon Ziegler
Hintergrundseite Geflügel in Wietze
Hintergrundseite Geflügel in Wietze Quelle: Simon Ziegler
Wietze

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium steht voll hinter den Plänen der Firma Rothkötter, in Wietze einen Schlachtbetrieb im XXL-Format zu errichten. „Wir sehen, dass die Wertschöpfungskette sehr robust ist“, sagt Ministeriumssprecher Gert Hahne und meint damit: Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten funktioniert die industrielle Fleischproduktion ohne größere Turbulenzen.

Hahne glaubt, dass der Trend zum Geflügelfleisch weiter anhalten wird, auch deshalb „versuchen wir, mit der Geflügelwirtschaft in andere Kreise zu gehen“. Das Unternehmen Rothkötter aus Haren im Emsland ist der Überzeugung, dass der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 10,5 Kilogramm in den kommenden Jahren auf bis zu 15 Kilogramm steigen könnte.

Bisher ist das Weser-Ems-Gebiet eindeutiges Ballungsgebiet für Schlachthöfe, Mastanlagen und Futtermittelhersteller. Das hat etwas mit den wenig ertragreichen Böden der Gegend um Meppen, Oldenburg und der Grafschaft Bentheim zu tun. Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden dort kleine Betriebsstrukturen, während im Osten von Niedersachsen große landwirtschaftliche Betriebe vorwiegend auf Ackerbau setzten. Im Weser-Ems-Gebiet dagegen entwickelte sich eine ganze Industriekette. „Knapp 40 Prozent der Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz in der Agrar- und Ernährungswirtschaft“, sagt Dieter Oltmann, Geschäftsführer der Geflügelwirtschaftsverbandes Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg. Veredelung heißt das entscheidende Stichwort. Das bedeutet: Getreide wird an Vieh verfüttert und in Produkte veredelt, zum Beispiel Milch oder Putenbrust.

Oltmanns Verband hat auch Zahlen zur Hand, um das Ausmaß der emsländischen Produktion klarzumachen. In Niedersachsen werden etwa 80 Millionen Stück Geflügel gehalten. Dabei unterscheidet man Masthähnchen, Legehennen, Puten-, Gänse- und Entenhaltung. Die Masthähnchnen machen mit 53 Millionen Stück den weitaus größten Teil aus. Bis zu 80 Prozent des niedersächsischen Geflügels kommen aus dem Weser-Ems-Gebiet. „Die Gegend wird deshalb auch als das Silicon Valley des Geflügelmarktes bezeichnet“, sagt Oltmann.

Dass die gigantischen Mengen Geflügel die Bevölkerung durchaus belästigen, räumt Ministeriumssprecher Hahne ein. In Nordwest-Niedersachsen sei teilweise das Ende der Fahnenstange erreicht, sagt er. Damit ist auch das Problem der Entsorgung von Tierresten wie Knochen und Hühnerkot angesprochen. Hühnertrockenkot gilt als hochwertiger Dünger und wurde in den vergangenen fünf, sechs Jahren bei Landwirten immer beliebter, weil dadurch die Bodenfruchtbarkeit erhöht wird. Im Hühnerkot sind Stickstoff, Phosphor und Kalium enthalten, also die Grundnährstoffe für Pflanzen. Der Kot aus dem Weser-Ems-Gebiet wird teilweise hunderte Kilometer gefahren, um auf Feldern eingebracht zu werden. Auch im Landkreis Celle wird Hühnertrockenkot aus dem Emsland und den Niederlanden eingesetzt (siehe Kasten rechts).

Ärger um Hühnerkot

In Wathlingen haben Bürger vor wenigen Wochen unliebsame Bekanntschaft mit Hühnertrockenkot gemacht. Ende Juni hatte ein Landwirt auf einer von ihm gepachteten Fläche Hühnertrockenkot gelagert, den er als Dünger für landwirtschaftliche Flächen verwenden wollte. Allerdings hatte es mehrere Wochen gedauert, bis der Kot in die Erde gebracht wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft der Wathlinger Tennisanlage war daraufhin eine Fliegenplage und eine massive

Geruchsbelästigung entstan-den.

Das Vorgehen des Landwirtes war rechtlich zulässig. Nach Auskunft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen darf Hühnertrockenkot auf landwirtschaftlichen Feldern bis zu sechs Monate gelagert werden. Die Behörden können erst nach einem halben Jahr eingreifen, weil erst bei längerer Lagerung eine Gefährdung des Grundwassers denkbar sei, heißt es. Der Kot kommt in der Regel aus dem Weser-Ems-Gebiet.

Betreiber-Konzept

Das Unternehmen Rothkötter aus Haren im Emsland hatte in der vergangenen Woche angekündigt, in Wietze einen Betrieb zu

errichten. Zunächst sollen

250 Arbeitsplätze entstehen, langfristig ist die Rede von bis zu 1000 Jobs. Das Konzept für den Kreis Celle soll aus dem Emsland kopiert werden. Das heißt: Rothkötter arbeitet eng mit 100 Landwirten aus der Region zusammen, die die Hähnchenmast übernehmen und die Tiere an den Schlachtbetrieb liefern. Die Landwirte sollen in einem Umfeld von 100 bis 150 Kilometer die Mastställe errichten. Sie kommen also aus allen umliegenden Landkreisen.