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Mittendrin „Lebe immer first class“
Mehr Mittendrin „Lebe immer first class“
16:41 15.06.2010
Celle Stadt

„Es gibt keinen schöneren Beruf als Hotelier“, meint Karl-Heinz Waschkeit. „Ich habe tolle Häuser, tolle Leute und tolle Küchen kennengelernt. Der 78-Jährige gibt sich gut gelaunt. In seiner charmanten Manier möchte er sofort mit mir einen Rundgang durch die Zimmer seines Bungalows machen.

Sein Arbeitszimmer „spricht Bände“, spiegelt quasi sein bisheriges Leben wider. Viele Urkunden, die seine verdienstvollen Tätigkeiten zum Ausdruck bringen , hängen an den Wänden. „Ich bin eigentlich kein Freund von Auszeichnungen“, meint Waschkeit und lacht. Mittlerweile ist er auch Ehrenmitglied des Dehoga. Die Fotos an der Wand machen deutlich, wie viele Begegnungen mit Prominenten Waschkeit im Rahmen seiner verschiedenen Funktionen im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband hatte: Begegnungen mit Wilfried Hasselmann, Willy Brandt, Birgit Breuel und Max Schmeling. „Ich habe in Niedersachsen sieben Innenminister kennengelernt.“

Fotos von Familienangehörigen sind zu sehen. „lebe immer first class... sonst tun’s Deine Erben“ ist auf einem Schild zu lesen. Waschkeit gibt zu, ein Genießer zu sein. Für sämtliche Lebenslagen hat er selbst formulierte Sprüche parat, die ihm zu Leitsätzen werden. „Die Lebenszeit ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“, meint er. „Nicht die Jahre im Leben zählen, sondern das Leben in den Jahren“, lautet ein weiterer Wahlspruch.

Zweieinhalb Jahre ist er Autoralley mit einem Opel Kadett gefahren. Trotz zweier Hüftoperationen und einer Knieoperation wirkt Waschkeit ziemlich fit. Da er sehr schlank ist und einen Bürstenhaarschnitt trägt, wirkt er jünger, als er ist. Im Badezimmer steht sein Hometrainer. Bereits morgens vor dem Frühstück trainiert er zehn Minuten konsequent auf dem Gerät.

Seine Ziele hatte er immer fest im Blick

Mutig war er schon immer: „Ich habe mich als Fleischer für die Meisterprüfung beworben, obwohl ich nicht die entsprechende Schule besucht hatte“, sagt Waschkeit und lacht. Seine Ziele hatte er immer fest im Blick: Als Fleischermeister wollte er sich selbständig machen und wurde Gastwirt in Verden. „Ich wollte zehn Jahre etwas pachten, dann etwas kaufen und es nach 30 Jahren wieder verkaufen“, erzählt Waschkeit. In das Celler Hotel „Atlantik“ hat Waschkeit viel Herzblut investiert. Mit besonderen Ideen und außergewöhnlichen Einfällen begeisterte er seine Gäste. „Man muss dem Gast etwas anderes anbieten zum Frühstück als nur zwei Brötchen, Butter und eine Scheibe Wurst und Käse.“ Auf dem Frühstücksbufett in seinem Hotel gab es schon in früheren Jahren ein Müsli.

Auf einem Fleyer machte er dem Gast die Vorteile deutlich, wenn dieser im Hotel Atlantik logiert. Mit einer Visitenkarte, auf der Telefonnummern von Helmut Kohl und Ronald Reagan standen, suchte er die Aufmerksamkeit auf sein Hotel zu lenken. Eine Speisekarte ließ er mit lustigen grafischen Darstellungen schmücken. Bei skandinavischen Reisebusunternehmern habe ich gemeinsam mit anderen Hoteliers Werbung gemacht für Celle. „Im dritten Jahr haben wir 136 Busse nach Celle holen können“, erzählt Waschkeit. Bei der Grenzöffnung lud er mit Zetteln an den Trabbis Bürger aus den neuen Bundesländern zum Frühstück ein. Und damit nur anständige Gäste sein Haus besuchten, schenkte er so manchem Taxifahrer am Bahnhof Kaffee. In der Weihnachtszeit dekorierte er sein Hotel vor der Eingangstür mit leeren Päckchen.

„Drei Jahre vor der Expo kam mir die Idee, in Niedersachsen ein Reservierungssystem online einführen zu wollen.“ Gemeinsam mit der Landesregierung und den Fremdenverkehrsverbänden wurde ein online-Reservierungssystem langfristig auf die Beine gestellt.

„Man muss Kompromisse machen“

Mit Walter Hirche habe er am liebsten zusammengearbeitet. „Er hat sich der Sache immer angenommen“, sagt Waschkeit. „Mit Breuel war es flodderig, sie hat oft nicht zugehört, bei ihr war alles immer so nebenbei“, kritisiert Waschkeit. Immer stand für ihn fest: „Man kann seine eigene Meinung nicht immer durchsetzen. Man muss Kompromisse machen und aus den Kompromissen das Beste herausholen. Ich habe vor den Wahlen deutlich gemacht, was ich kurz- , mittel- und langfristig will“, erklärt Waschkeit. Vor allem habe er sich immer Verbündete gesucht, um seine Ziele durchzusetzen.

Intensiv hat sich der ehemalige Hotelier dafür eingesetzt, dass das Wort Fremdenverkehr aus der Reisebranche verschwindet und stattdessen die moderne Bezeichnung Tourismus verwendet wird. Es ging Waschkeit um Wirtschaftsförderung. Die Entwicklung des früheren Wirtevereins hin zum Unternehmerverband habe er mit geprägt, sagt er stolz.

Er ist der Erfinder der Hotelklassifizierung

Waschkeit ist der Erfinder der Hotel-Klassifizierung. Stolz ist er darauf, mit der Hotelklassifizierung deutschlandweit und jetzt auch europaweit Spuren hinterlassen zu haben. „Der Dehoga steht jetzt mit skandinavischen Ländern in Verhandlungen, eine einheitliche Hotelklassifizierung einzuführen“, erzählt Waschkeit.

Nachdem er im Jahr 2003 alle Ämter niedergelegt hatte, stand für ihn fest: „Ich wollte Abstand haben. Mein Ziel war es damals, mit meiner Ehefrau Edith Städtereisen nach Köln, Frankfurt, Würzburg in schöne Häuser zu machen, in denen ich Sitzungen hatte. Dann kam im Jahre 2002 der Blitztod seiner Ehefrau.

Intensiv begann er Golf zu spielen. Zweimal die Woche hält er sich viereinhalb Stunden auf dem Golfplatz auf. Ansonsten verbringt er viel Zeit mit seiner Lebensgefährtin Margret Asendorf. „Ich schätze seine Liebenswürdigkeit und dass er geradeaus ist“, sagt die dreizehn Jahre jüngere Frau. „Und er ist auch ein Gourmetkoch“, meint sie. „Zu einem Guten Wein gehört auch ein gutes Glas“, meint der Genießer Waschkeit und lächelt.

Lebenslauf

✐24. Februar 1932

in Verden/Aller geboren

✐1947 bis 1950 Lehre

als Fleischer

✐1956 Meisterprüfung

✐1960 Gaststätte „Zur

scharfen Ecke“ gepachtet

✐1970 Kauf des Hotels

„Atlantik“

✐1976 bis 1982 stellver-

tretender Vorsitzender der

Fachgruppe Hotels

des Dehoga Niedersachsen

✐1977 bis 1989 Vorsitzender

des Kreisverbandes Celle

des Dehoga

✐1982 bis 2003 Vorsitzender

der Fachgruppe Hotels

des Dehoga Niedersachsen,

Vizepräsident

✐1984 bis 1986 Vorsitzender

des Bezirksverbandes

Lüneburg des Dehoga

✐1991 bis 2003 im Bundes-

verband des Dehoga:

Vorstandsmitglied der Fachgruppe Hotels, im Lenkungsausschuss Deutsche Hotelklassifizierung im

Arbeitskreis Tourismus, Kur und Heilbäder in der Stadt Celle: 15 Jahre als beratendes Mitglied im Ausschuss Wirtschaft und Tourismus; im Landkreis: im „Fremdenverkehrsverband Celler Land“. Eine Tochter, zwei Enkelkinder

Von Anne Marx