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Mittendrin „Ich wollte niemals Schauspielerin werden“
Mehr Mittendrin „Ich wollte niemals Schauspielerin werden“
13:09 13.06.2010
Manuela Joest mit ihrer Tochter Patricia. Mit der Fernsehserie „Die Stadtklinik“ hatte die 47-Jährige großen Erfolg.
Manuela Joest mit ihrer Tochter Patricia. Mit der Fernsehserie „Die Stadtklinik“ hatte die 47-Jährige großen Erfolg. Quelle: Torsten Volkmer
Winsen (Aller)

In Essen 1962 geboren, war die Manuela Joest mit ihrer Mutter Hilde Joest (siehe Text oben) am Theater unterwegs. „Ich bin da aufgewachsen. Das Foyer des Theaters am Aegi war mein Spielzimmer, dort habe ich Geburtstag mit meinen Freunden gefeiert.“ Dennoch wollte die Winserin Chemikerin werden: „Nur zufällig ist mein Talent entdeckt worden und mir machte das Spielen großen Spaß.“ Nach dem Umzug ihrer Eltern Ende der 60er nach Hannover und 1975 nach Winsen, ging Joest auf das Hölty-Gymnasium, wo es eine Theater-AG gab. „Danach war ich nicht mehr zu halten. Ich beendete die Schule nach der 11. Klasse und machte eine Schauspielausbildung an der Landesbühne Hannover.“

In den 80er Jahren begann die Fernsehkarriere der Winserin. „1984 habe ich meinen ersten großen Film gedreht, Backfischliebe hieß der“, erzählt Joest. Auch in „Und das zum 80. Geburtstag“ war die damals erst 19-Jährige zu sehen. „Nebenbei war ich immer an der Landesbühne.“ Ob in „Das Käthchen von Heilbronn“, „Der Raub der Sabinerinnen“ oder „Durchreise“ – Joest spielte gerne auf der Bühne.

Seit 1985 ist Joest als Freischaffende Schauspielerin an vielen Theatern gewesen. „Ich spielte Tourneen mit Simone Rethel-Heesters, war am Staatstheater in Braunschweig und Oldenburg und gastierte in Frankfurt“, erzählt sie. „Für ein Stück kam ich an ein Theater und dann ging es ans nächste.“ So gastierte sie 1982 auch am Schlosstheater in Celle.

Ihren längsten Erfolg hatte Joest in der RTL-Fernsehserie „Die Stadtklinik“. Von 1993 bis 99 war sie als stellvertretende Oberschwester Ulrike in 158 Folgen zusehen. „Und das obwohl nur 13 Folgen geplant waren“, so Joest. „Die Serie hatte aber so einen Erfolg, dass wir immer weitergedreht haben.“ Sogar ihren Schicksalsschlag, den Angriff eines Schäferhundes 1994, verarbeitete RTL in der Serie. „Der Hund hat mir einen Teil meiner Lippe und des Gesichts heraus gebissen. Ich wollte zuerst gar nicht mehr vor die Kamera“, erzählt Joest. „Aber bereits nach einer Woche habe ich mich nach vorne gewagt und der Presse gestellt.“ In fünf Operationen wurde ihr Gesicht wieder hergestellt und „Schwester Ulrike“ flimmerte weiter über die Mattscheibe. „Ich war schwanger mit meiner Tochter Patricia, als 99 die Serie von einem auf den anderen Tag eingestellt wurde.“ Das sei schade gewesen, aber so hätte sie Zeit für ihr Kind gehabt: „Ich wollte kein Kind, um das sich andere kümmern. Das hat so schon gut gepasst.“ Die ersten vier Jahre nach der Geburt ihrer Tochter hat die Winserin noch kleinere Fernsehrollen übernommen. Seither hat Joest dann aber nie wieder auf einer Bühne oder vor der Kamera gestanden. „Ich würde schon gerne wieder spielen“, erklärt sie. „Das müsste dann in der Nähe sein. Beispielsweise am Schlosstheater. Allerdings müsste ich mich darum selbst kümmern.“ Denn: „Von alleine kommen keine Angebote.“

Von Jasmin Nemitz