Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Mittendrin Hans-Werner Grützmacher
Mehr Mittendrin Hans-Werner Grützmacher
17:10 29.06.2010
Celle Stadt

Der passionierte Einzelhändler Hans-Werner Grützmacher hat eine ganz besondere Vorstellung von dem, was er einem Kunden bieten möchte: „Vor 42 Jahren habe ich hier in Celle bei der Kaffeerösterei „Friedr. Huth Nachf.“ angefangen. Nach meiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann hätte ich sicher auch wo anders arbeiten können, aber für mich stand fest, dass ich bei Huth den Arbeitgeber finden würde, der zu dem Bild, das ich von einem Verkäufer habe, passt. Deshalb habe ich es einfach versucht und bin ins Geschäft gegangen und habe gefragt, ob ich nicht hier anfangen könnte. Ich durfte und hier bin ich nun nach 42 Jahren und kann nur schweren Herzens aufhören und in Rente gehen“, erinnert sich Hans-Werner Grützmacher. Eine lange Zeit, in der der schlanke bedächtig und höflich auftretende Mann das Geschäft stark mit geprägt hat. Die Kunden kennen ihn, einige sogar schon seit 42 Jahren. Und er kennt seine Kunden.

Die Menschen sollen sich

hier wohl fühlen

„Es ist mir wichtig die Menschen, die ich bediene zufrieden zu stellen. Sie sollen sich hier wohlfühlen und dazu kann ich betragen. Das hat sich in der ganzen Zeit kein bisschen geändert. Was vielleicht anders ist, ist, dass man die Frau eines Doktors früher mit ,Frau Doktor’ angesprochen hat, ansonsten mit ,gnädige Frau’. Das möchten die Frauen heutzutage nicht mehr so gerne hören. Aber darauf kann man sich ja einstellen“, lacht Grützmacher, der sich hinter dem über hundert Jahre alten Verkaufstresen sichtlich wohl- fühlt. Kommt ein Kunde herein ist er in seinem Element.

Besonders gerne verkauft er den Kaffee. Wenn ein Kunde ein halbes Pfund vom Feinsten bestellt, strahlt er und ehe man sich versieht, ist der Kaffee auch schon eingepackt. Und zwar nicht umständlich mit Klebestreifen und heraus rieselndem Kaffeepulver. Mit seiner speziellen Falttechnik, die er sichtlich perfektioniert hat, kann er das Paket ohne Hilfmittel so verschließen, dass es absolut dicht ist. „Früher, als ich das gelernt habe, mussten wir die Packung hinwerfen und nur, wenn da nichts daneben ging hatten wir es richtig gemacht“, erklärt er.

Genau so, wie er niemals einen Taschenrechner im Laden in die Hand genommen hat. „Schon mein Vater hat immer gesagt. Junge lerne gut rechnen und du kannst was“, erklärt Grützmacher. Und damit sollte er recht behalten. Denn damals wie heute wird die Rechnung des Kunden an der Kasse im Kopf zusammengerechnet. Früher hat Grützmacher sogar die Inventur ganz ohne Taschenrechner und Computer mit Kopf und Zettel gemacht.

Seine große Passion

ist das Kaffeerösten

Aber nicht nur das Drehen und Wenden von Zahlen ist eine kleine Leidenschaft des zuverlässigen Verkäufers. Seine andere große Passion ist das Kaffeerösten. „Kurz nachdem ich bei Huth angefangen hatte, ging der Hauptkaffeeröster. Das war meine Chance in die Rösterei zu kommen. Und als ich tatsächlich gefragt worden bin, ob ich nicht das Rösten erlernen möchte, stand es für mich fest. Hier gehst du nicht mehr weg. Hier bleibst du“, schwärmt Grützmacher. Denn das Rösten von wirklich gutem Kaffee ist eine ganz eigene Kunst. Bei Huth wird der Kaffee nämlich bei 200 Grad geröstet und dann bei Luft getrocknet. Das tückische dabei: Der Moment, in dem die Kaffeebohnen genau richtig sind, muss abgepasst werden. „Da kann man sich nicht nur auf die Uhr verlassen. Das muss man auch hinhören. Wenn der Kaffee fertig ist, dann knacken die Bohnen nämlich. Dann hat man noch eine halbe Minute Zeit, um ihn heraus zu holen“, erklärt Grützmacher, der auch dafür sorgt, dass in dem Mitarbeiterpausenzimmer der Kaffee noch althergebracht per Hand und im Filter aufgegossen wird. Einmal stand für eine gewisse Zeit ein Espressovollautomat im Pausenraum. „Den haben wir aber nicht genutzt. Dafür habe ich Sorge getragen“, lacht der Kaffeeexperte. Sein Expertenwissen im Kaffeerösten war ganz besonders wertvoll im Jahr 2002, als der Eigentümer Wilhelm Schwanitz starb und sein Sohn die Geschäfte übernommen hat. Denn außer dem alten Schwanitz konnte nur noch Grützmacher die Kenntnisse im Kaffeerösten weitergeben. So lernte er nach dem Tod Wilhelm Schwanitzs drei seiner Kollegen im Kaffeerösten an. Die Celler Tradition konnte weiterleben.

Beharren auf

guten Traditionen

Dieses Beharren auf guten Traditionen ist es auch, was seine große Stammkundschaft so sehr an ihm schätzt. So ist Grützmacher auch bekannt dafür, dass er einer der zuverlässigsten Paketepacker ist. „Damals zu Zeiten der ehemaligen DDR haben viele Pakete für Verwandte im Osten packen lassen. Heute sind es überwiegend Kinder, die weggezogen sind und sich ab und zu über kleine Grüße aus der Heimat freuen“, so Grützmacher. Gleich geblieben ist aber, dass er weiterhin über einen großen Fundus an Versandadressen verfügt und genau weiß, wer was haben möchte. Will der Kunde mal wieder ein Päckchen verschicken, dann ruft er einfach an und Hans-Werner Grützmacher weiß schon, was zu tun ist.

Ein paar Kleinigkeiten

vor Ladenschluss

Genau wie bei alten Stammkunden, die gerne auch mal sonnabends kurz vor Ladenschluss anrufen und ihn bitten noch ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. „Das mach ich dann natürlich gerne. Und wenn es sein muss besorge ich ihnen dann auch nochmal schnell ein Brot vom Bäcker und was sie sonst noch brauchen. Und nach Feierabend mach ich dann noch eine kleine Tour, um die Waren auszuliefern. Ich freue mich, wenn ich meinen Kunden etwas Gutes tun kann“, erklärt er.

Das wird ihn auch in seiner Zeit als wohl verdienter Pensionär nicht loslassen. Denn schon jetzt hat er angekündigt, dass er immer dann, wenn mal Hilfe gebraucht wird, gerne wieder für ein paar Tage hinter dem Verkaufstresen stehen möchte. Weihnachten zum Beispiel, wenn mal wieder viele Päckchen liebevoll zusammengestellt und verpackt werden müssen.

Lebenslauf

Am 22. Juni 1945

in Friedberg/Neumarkt

im heutigen Polen geboren

1959–1962 Ausbildung

zum Einzelhandelskaufmann

bei der Firma Neuhof

1962–1965 Verkäufer

bei Neuhof

1966–67 Wehrdienst

seit 1968 Verkäufer bei

Friedr. Huth Nachf. in Celle

Von Janine Jakubik