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Mittendrin Angst vor Eis und Schnee
Mehr Mittendrin Angst vor Eis und Schnee
15:23 13.06.2010
Inge Gottschalk hat in den vergangenen Tagen häufiger auf Taxifahrer wie Jörg Coldewey zurückgegriffen, um zum Supermarkt oder zu ihrer Tochter zu gelangen.
Inge Gottschalk hat in den vergangenen Tagen häufiger auf Taxifahrer wie Jörg Coldewey zurückgegriffen, um zum Supermarkt oder zu ihrer Tochter zu gelangen. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Hohe Schneeberge an den Straßenrändern und glatte Fußwege waren für Rentnerin Inge Gottschalk in den vergangenen Tagen ein unüberwindbares Hindernis. „Mir war es nicht mehr möglich, die 500 Meter bis zum nächsten Supermarkt zu kommen“, erläutert die 72-Jährige. Gottschalk tat das, was viele Celler Senioren in den vergangenen Tagen getan haben: Sie rief ein Taxi.

„Eigentlich ist es absoluter Luxus, drei Euro für einen halben Kilometer bis zum Supermarkt auszugeben“, erklärt Gottschalk. „Aber was soll ich denn sonst machen?“ Mit ihrem Rollator hätte es für die Rentnerin in den vergangenen Wochen kein Durchkommen mehr gegeben. Vor zwei Jahren sei sie sogar gestürzt und habe sich zwei Brüche in der Hand zugezogen – das möchte Gottschalk nicht noch einmal erleben. „Je vorsichtiger Sie sind, desto eher passiert aber was“, behauptet die Rentnerin. Aus diesem Grund gehe sie „dann lieber gar nicht aus dem Haus“ – oder nehme ein Taxi.

Eine entsprechende Entwicklung bestätigen auch viele Celler Taxiunternehmer: „In den vergangenen Tagen habe ich viele Senioren zum Arzt oder in die Stadt gefahren“, so Dirk Weiermann von Taxi Weiermann. Viele ältere Menschen, die sonst mit dem Fahrrad fahren oder das Taxi gar nicht nutzen, seien aufgrund des Wetters umgestiegen, erläutert Weiermann. Das Fahrgastplus ließe sich aber nicht in Zahlen ausdrücken. Von ähnlichen Entwicklungen berichten auch Friedel Selmke von Taxi Selmke und Martin Fündeling, Geschäftsführer der Taxen-Funk-Ruf GmbH. „Momentan fahre ich rund 30 Personen am Tag“, so Selmke. Viele von ihnen seien Senioren, die vor der Glätte Angst hätten. „Das Plus ist fühlbar, aber nicht definierbar“, berichtet Fündeling.

Auch das Seniorenservicebüro der Stadt, das unter anderem Hilfen zur Alltagsbewältigung anbietet, hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Anfragen beantworten müssen. „Viele Senioren kommen bei dem schlechten Wetter nicht aus dem Haus und fragen daher nach Einkaufshilfen, aber auch nach Gesellschaft“, erläutert Mitarbeiterin Ute Paulick. Derzeit habe der Seniorenservice mit seinen 22 ehrenamtlichen Mitarbeitern Not, die Nachfrage zu decken.

Etwas anders sieht es bei der Diakoniestation Siloah Celle aus: „Wir haben wetterbedingt nicht mehr Aufträge erhalten“, so die stellvertretende Leitende Pflegefachkraft Andrea Böker. Die bestehenden Kunden würden die Mitarbeiter aber häufiger um Erledigungen wie einen kleinen Einkauf bitten, berichtet Böker. Sie rät den Senioren, sich bei Glatteiswetter unbedingt Hilfe zu holen.

Von Christian Uthoff