Celle Stadt

„Personifizierte Provokation“

Sieben Wochen ist Celles City-Manager Veit Hilger im Amt. An seiner Person hat sich im Management-Trägerverein ein Streit zwischen „großen“ und „kleinen“ City-Akteuren entzündet, dessen vorläufiger Höhepunkt der Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Andreas Fiemel war. Wie sieht Hilger seine Rolle in der Celler Altstadt? Welche Probleme sieht er? Was will er erreichen?

  • Von Michael Ende
  • 17. Juli 2009 | 15:24 Uhr
  • 12. Juni 2022
Interview der Woche mit City-Manager Veit Hilger
  • Von Michael Ende
  • 17. Juli 2009 | 15:24 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle Stadt.

Kündigungsandrohungen aus der Chefetage schon nach nur ein paar Wochen im Amt sind bei Citymanagern nicht der Normalfall. Wie gehen Sie damit um? Sitzen Sie schon auf gepackten Koffern?

Nein, warum sollte ich? Celle ist eine sehr schöne Stadt die viel Lebensqualität bietet. Meine Frau und ich fühlen uns hier sehr wohl – und von der „Basis“ bekomme ich so viel Rückhalt. Diese Leute kann und will ich nicht enttäuschen.

Was haben Sie in der Zeit Ihrer Tätigkeit hier in Celle erreicht?

In erster Linie wohl, ein Wir-Gefühl im Einzelhandel in der Celler Innenstadt zu erzeugen. Bei den durchweg sehr engagierten Mitgliedern des Vereins Ein Citymanagement für Celle – aber auch, und das finde ich besonders bemerkenswert, bei Einzelhändlern und Gastronomen, die nicht dem Verein angehören. Das ist ein ganz wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was wollen Sie in der Celler City anschieben?

Neuansiedlung von qualifizierten Unternehmen, die im Marktsegment noch fehlen, Leerstände verringern, die Attraktivität durch einheitliche Öffnungszeiten erhöhen, die Kundenfreundlichkeit und das Engagement der Händler und Gastronomen fördern und unterstützen. Ich möchte Celle zu einer kleinen, feinen Einkaufsstadt machen.

Wo sind Sie gestoppt worden?

Ich bin mit viel Engagement, Ideen und Idealismus an diese Aufgabe herangegangen. Mein Ziel ist es, die Besonderheiten, die Celle nun mal hat, herauszustreichen und Celle als Einkaufsstadt entsprechend zu verkaufen. Offenbar waren mein Tempo und meine Vorgehensweise nicht für alle nachvollziehbar – und aus dieser Richtung habe ich dann auch reichlich Gegenwind bekommen. Für die meisten war mein Arbeitsstil aber wohl vollkommen in Ordnung, wie mir die vielen Reaktionen der letzten Tage zeigen. Und das ist meine Motivation, ungebremst weiterzumachen.

Was ist Ihnen bisher aufgefallen? Wo sind die größten Baustellen, und was ist wichtig für die Entwicklung der Stadt?

Die größte Baustelle ist sicher der Leerstand mitten in der Stadt – da müsste dringend etwas geschehen. Dann wäre es sicher gut, die Stadt auch für jüngere Menschen wieder attraktiv zu machen. Hier fehlen noch einige Anbieter als Kundenmagnet. Insgesamt trifft aber die bunte Mischung von unterschiedlichstem Einzelhandel in diesem unvergleichlichen Umfeld eher den Nerv der Kunden als dieses fade Einerlei in einer anonymen Passage, wie man sie in jeder Stadt findet. Voraussetzung für ein Fortkommen Celles ist ein attraktives Angebot an Händlern. Ein weiterer Punkt wäre, wieder mehr Bewohner in die Altstadt zu bekommen – möglichst junge Menschen. Idealerweise junge Familien.

Wie kommt es, dass sich an Ihrer Person, die doch die Kräfte der City bündeln soll, so dermaßen die Geister scheiden?

Nun, da könnte ich Ihnen die übliche Antwort geben: Da müssen Sie die anderen fragen. Aber mal im Ernst: Ich denke, dass ich für einige wenige wohl zu forsch und selbstständig aufgetreten bin. Einige begrüßen meine Vorgehensweise und geben mir das Signal, so weiterzumachen. Für andere bin ich offenbar die personifizierte Provokation. Mit geht es hier absolut nicht um persönliche Ressentiments, sondern um das Fortkommen der Celler Altstadt und des City-Managements.

Welche Handlungsspielräume muss ein Citymanager haben?

Das scheint mir in der Tat das Thema zu sein. Der Handlungsspielraum eines Citymanagers ist eigentlich ganz einfach zu umschreiben: Alles was ein Citymanager tut, sollte den Einzelhandel, die Gastronomie und die City als attraktiven Anziehungspunkt fördern. Das sollten auch Werbeaktionen und Präsentationen nach außen wie beispielsweise unsere künftig erscheinende CelleCity-News, beinhalten. Interessenskonflikte beim Handlungsspielraum sind wohl kaum zu vermeiden. Allerdings sollten alle dabei im Auge behalten, dass alle Händler und Gastronomen, ob groß oder klein, die gleiche Gewichtung und eine Stimme haben. Für mich ist hier ein ganz wichtiger Aspekt: Achtung voreinander – Loyalität füreinander.

Wenn bei der Mitgliederversammlung des City-Management-Trägervereins am 27. Juli dessen Spitze so besetzt werden sollte, dass Sie auf starken Rückhalt bauen könnten, würden Sie dann anders agieren?

Mit einem starken, einigen Vorstand und einer Mitgliedschaft, wie ich sie in den vergangenen Wochen kennen gelernt habe, kann man sehr viel bewirken. Ich habe in vielen Gesprächen mit Geschäftsleu-

ten in Celle gespürt, dass hier eine Aufbruchstimmung herrscht. Die Akteure in der Innenstadt wollen etwas bewirken, wollen zusammen arbeiten und etwas auf die Beine stellen. Ich bin relativ neu in der Stadt, aber wenn ich den Leuten glauben kann, dann gab es diese Art Stimmung in der Stadt schon lange nicht mehr.

Würden Sie sich dann in der Lage sehen, diese Celler Altstadt nach vorne zu bringen?

Davon bin ich überzeugt. Wenn der Einsatz und die Überzeugung der Akteure sich so fortsetzt, wie ich es in den ersten Wochen meiner Tätigkeit hier erlebt habe, dann können wir gemeinsam sicher ein Fortkommen der Celler Altstadt bewirken. Ich bin von Haus aus Optimist – und das Potenzial in der Stadt ist da.