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Interview Mammographie gibt Sicherheit
Mehr Interview Mammographie gibt Sicherheit
13:57 13.06.2010
Dr. Hans-Jürgen Romatowski
Dr. Hans-Jürgen Romatowski Quelle: Janine Jakubik
Celle Stadt

Mit großem Abstand ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Deshalb ist die Angst vor einem zu spät diagnostizierten Tumor in der Brust bei jeder Frau groß. Selbstabtastuntersuchungen sollen helfen, den Krebs frühzeitig zu entdecken. Was halten Sie von dieser neuen Untersuchungsform?

Von essentieller Bedeutung für die Überlebenschancen der erkrankten Frau ist die Größe des Tumors zum Zeitpunkt seiner Entdeckung. Wenn der Tumor noch in sehr kleinem Stadium erkannt wird, ist die Heilungschance für die Frau deutlich größer, als bei einer späteren Entdeckung, wenn der Krebs schon gestreut hat und auf des Lymphgewebe übergegangen ist. In diesem Stadium ist die Krankheit nicht mehr komplett heilbar. Nun kann man davon ausgehen, dass man einen Tumor in der Brust erst ab einer Größe von etwa zwei Zentimeter Durchmesser ertasten kann. Man weiß aber, dass der Krebs schon ab einer Größe von einem Zentimeter im Körper zu streuen beginnt. Deshalb ist es enorm wichtig, Krebsvorstufen so früh wie möglich zu entdecken. Das geht nur mit einer Mammographie.

Würden Sie die neue Form der Tastuntersuchung als für die Patientin nicht sinnvoll bezeichnen?

Nein, in einigen speziellen Fällen, in denen der Krebs im Randgewebe der Brust sitzt, das man auch mit moderner Technik nur sehr schwer einsehen kann, kann eine zusätzliche Tastuntersuchung hilfreich sein. Es ist aber wichtig, dass sich Frauen nicht alleine auf diese manuelle Untersuchung verlassen. Nur durch eine regelmäßig durchgeführte Röntgenmammographie als Screeninguntersuchung kann der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt werden. Denn mit diesem Verfahren lassen sich schon kleinste Krebsvorstufen in den Milchgängen der Frau aufspüren. Da gehen wir sehr gründlich vor. So werden die Aufnahmen immer von mindestens zwei speziell für diese Aufgabe ausgebildeten Fachärzten beurteilt. Nur wenn beide Ärzte unabhängig voneinander zu dem Schluss kommen, dass kein Befund vorliegt, wird der Frau das gute Ergebnis mitgeteilt.

Die erste Mammographie-Screening-Runde ist im März diesen Jahres beendet worden, das heißt alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in Ihrem Einzugsgebiet hatten die Möglichkeit, sich kostenfrei untersuchen zu lassen. Können Sie schon von ersten Ergebnissen dieser Runde berichten?

An der ersten Screening Runde haben 23300 Frauen teilgenommen. Ein großer Erfolg, der zeigt, dass mehr als fünfzig Prozent der angeschriebenen Frauen der Aufforderung zu einer Screeninguntersuchung nachgekommen sind. Im Vergleich: An der ersten Runde in den Niederlanden haben nur 20 Prozent der Frauen das Vorsorgeangebot angenommen. Von den untersuchten Frauen war eine erfreuliche Zahl von über 98 Prozent gesund, also mit einem gutartigen Befund. Bei 249 Frauen wurde Krebs oder eine Krebsvorstufe entdeckt. Davon hatten 74 Frauen das große Glück, dass der Krebs bei ihnen sich erst als eine Verkalkungen der Milchgänge zeigte.

Viele Frauen machen sich Sorgen wegen der Strahlenbelastung, die durch eine regelmäßig, also alle zwei Jahre, durchgeführte Mammographie anfällt. Können Sie den Frauen die Angst nehmen?

Wir setzen für die Brustkrebscreenings ausschließlich absolut hochwertige Geräte ein, die regelmäßig überprüft werden. Die Strahlenexposition, der die Frauen ausgesetzt sind, sind sehr gering gehalten. Das bedeutet eine 30-prozentige Dosisreduktion gegenüber Analogtechnologie. Keine Frau sollte sich dadurch davon abschrecken lassen, an einer Mammographie teilzunehmen.

Eine häufig geäußerte Kritik an den Screeningrunden ist, dass die Frauen mit dem Befund „Brustkrebs“ dann plötzlich alleine dastehen. Wie gehen Sie mit Patientinnen um, bei denen Sie Krebs diagnostiziert haben?

Bei uns wird keine Frau alleine gelassen. Wir arbeiten gerade in dieser Frage eng mit dem onkologischen Forum hier in Celle zusammen, die über speziell ausgebildete Psychologen verfügen. Außerdem versuchen wir den Frauen während der gesamten Behandlungsvorgänge so viel wie möglich abzunehmen. In dieser Zeit ist es mir besonders wichtig, immer für die Patientinnen ansprechbar zu sein.

Kann man Risikofaktoren für Brustkrebs ausmachen? Gibt es eine Möglichkeit, sich vor dieser Krankheit zu schützen?

Leider nicht wirklich. Sicher ist ein gesunder Lebenswandel mit viel Bewegung von Vorteil. Denn neben der Östrogensituation der Frau und dem Alter zählen auch Übergewicht und Alkohol zu Risikofaktoren. Letztlich verhindern kann man eine Brustkrebserkrankung auf diese Weise jedoch nicht. Heute würde ich eine ernstgenommene Vorsorge als wichtigste Präventivmaßnahme bezeichnen.

Von Janine Jakubik