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Interview Lux: „Eine Krebsdiagnose bedeutet nicht das Ende“
Mehr Interview Lux: „Eine Krebsdiagnose bedeutet nicht das Ende“
13:15 13.06.2010
Interview der Woche mit dem Vorsitzenden? des Onkologischen Forum.
Interview der Woche mit dem Vorsitzenden? des Onkologischen Forum. Quelle: Melanie Schneid
Celle Stadt

Wie kann man lernen, mit Krebs zu leben?

Für die meisten Menschen ist die Diagnose Krebs zunächst ein Schock. Durch Öffentlichkeit und Medien sind sie der Meinung, Krebs führe unweigerlich zum Tod. Das ist aber nicht zwangsläufig so. Wer die Krankheit vor Augen hat, muss eine komplett neue Einstellung zum Leben entwickeln. Aus der Bedrohung durch eine Krankheit muss die Chance für einen Neuanfang entstehen. Wir vom Onkologischen Forum helfen dabei, diesen Neuanfang mitzugestalten.

An wen richtet sich das Angebot des Forums?

In erster Linie versuchen wir, direkt Betroffenen zu helfen. Aufklärung ist dabei ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Das größte Problem ist, dass viele Menschen zu wenig über Krebs wissen und diese falschen Informationen sind gefährlich. Auch Angehörige und Freunde können bei uns Hilfe suchen. Besonders Kinder wurden in der Vergangenheit außer Acht gelassen. Seit einiger Zeit haben wir deshalb eine umfangreiche Kinderbetreuung eingerichtet.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Als vor 15 Jahren das Onkologische Forum Celle e.V. gegründet wurde, beschränkten wir uns nur auf die Krebsberatung. Mit einer Mitarbeiterin sind wir damals gestartet. Als zweiter Stützpfeiler unserer Arbeit kam 1997 der Arbeitskreis Palliativmedizin dazu. Als palliativ wird eine Krebserkrankung im unheilbaren Stadium bezeichnet. Mit diesem Dienst versuchen wir, Betroffenen ein qualitativ möglichst hochwertiges Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Das kann das eigene zu Hau-se sein oder auch ein Pflegeheim. Die Wünsche der Patienten stehen an erster Stelle. Auch diese Arbeit konnten wir in den letzten Jahren erweitern. Wir sind in der glücklichen Lage, heute mit acht Mitarbeitern unseren Service anbieten zu können. Und wenn Bedarf besteht, werden wir das erweitern.

Neben der allgemeinen Krebs-beratung und dem ambulanten Palliativdienst lehren Sie zudem die „MammaCare“-Methode. Was ist das?

„MammaCare“ ist eine Methode zur Brustselbstuntersuchung. 90 Prozent der Knoten, die sich später als Karzinom herausstellen, werden von den Frauen selber entdeckt. Wenn Brustkrebs frühzeitig diagnostiziert wird, erhöhen sich natürlich die Heilungschancen. Mit der „MammaCare“-Methode können Frauen das systematische Abtasten lernen. Dazu bieten wir regelmäßig Kurse an.

Wie wichtig ist es für das Forum, an die Öffentlichkeit zu gehen?

Vor vielen Jahren war das Thema „Krebs“ noch absolut tabu. Heute werden die Menschen immer häufiger damit konfrontiert und mit Informationen versorgt. Freiwillig beschäftigen sich Nichtbetroffene jedoch selten mit der Thematik. Anfangs machte der Begriff Onkologie vielen Menschen Schwierigkeiten. Viele dachten an Ornithologie, die Vogelkunde. Das veranlasste uns, öffentlich stärker aufzutreten. Durch die Arbeit in den vergangenen Jahren haben wir erheblich dazu beigetragen, dass sich die Wahrnehmung der Krankheit Krebs mehr vom Negativen entfernt hat.

Mit ihren Räumlichkeiten stoßen Sie mittlerweile an Grenzen. Steht ein Umzug bevor?

In der Tat müssen wir uns in naher Zukunft Gedanken über größere Büroräume machen. Mit drei Mitarbeitern sind wir 1999 in die Wehlstraße eingezogen. Mittlerweile arbeiten hier acht Menschen. Da ist die freie Entfaltung der Arbeit nur noch eingeschränkt möglich.

Ist der Bedarf größerer Räume auf den Erfolg Ihrer Arbeit zurückzuführen?

Ja, aber unseren Bedarf kann man leider nicht vorhersehen. Bevor ein zusätzlicher Mit-arbeiter eingestellt wird, werden zunächst Überstunden eingeplant. Da wir ausschließlich auf Spenden angewiesen sind, können wir am Jahresanfang unsere finanziellen Mittel noch nicht abschätzen. Unser Angebot richtet sich immer nach dem Bedarf der Patienten.

Wie soll in Zukunft mit Krebs umgegangen werden?

Ich wünsche mir, dass die Bezeichnung von den schlechten Inhalten entkernt wird. Die Worthülse Krebs ist zu einseitig negativ und muss differenziert werden. Wir versuchen, zu vermitteln, dass eine Krebsdiagnose nicht das Ende bedeutet. Die Öffentlichkeit muss in Zukunft noch besser über die Krankheit im Einzelnen informiert werden und unser tolles Team trägt seinen Teil dazu bei.

Von Stefan Kübler