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Interview Eicklinger Bezirksschornsteinfeger Michael Kampe wird als Glücksbringer gebucht
Mehr Interview Eicklinger Bezirksschornsteinfeger Michael Kampe wird als Glücksbringer gebucht
16:12 30.12.2015
Eicklingen

Gerade zum Jahreswechsel erhoffen sich viele Menschen Glück für das neue Jahr. Werden Schornsteinfeger noch immer als Glücksbringer behandelt und wenn ja, wie zeigt sich das?

Bei der Bevölkerung ist es immer noch so, dass wir sehr gut angesehen sind und immer noch angefasst werden mit dem Spruch: „Ich wünsche mir Glück.“ Wir verteilen auch kleine Schornsteinfeger-Figuren als Glücksbringer fürs Portemonnaie. Mit der Zeit ändert sich zwar so einiges, aber der Schornsteinfeger wird immer noch als Glücksbringer gesehen.

Tragen Sie denn noch die typische schwarze Kluft mit einem Zylinder?

Der Zylinder ist natürlich Tradition, den hat man früher vorwiegend für Kehrarbeiten getragen. Beim Kehren der Schornsteine hat man den Zylinder wie heute einen Schutzhelm auf der Baustelle getragen. Wenn man auf den Dachböden langging, hat man sich nämlich so nicht den Kopf gestoßen, weil vorher der Zylinder heruntergeflogen ist. Er wird heute nicht mehr so häufig benutzt, meine Mitarbeiter tragen zum Beispiel keinen mehr. Wir werden allerdings öfter für Hochzeiten „gebucht“, um Spalier zu stehen, da trägt man ihn natürlich.

Haben Sie, nachdem Sie jemand berührt hat, von einer positiven Auswirkung gehört? Hat zum Beispiel durch Sie jemand im Lotto gewonnen?

Zu vielen sage ich schon immer: „Wenn Sie denn im Lotto gewinnen, dann denken Sie an mich.“ Das ist noch nicht vorgekommen, aber manchmal werde ich schon angesprochen und die Leute erzählen mir, dass sie nun doch etwas Bestimmtes geschafft haben. Das verbinden einige dann schon mit mir.

Welche Aufgaben hat der moderne Schornsteinfeger?

Die klassische Aufgabe früher war das reine Schornsteinkehren. Das hat sich komplett geändert. Das Kehren wird immer weniger, heute werden vor allem die Heizungsanlagen auf Betriebs- und Brandsicherheit und Emissionsschutz überprüft. Außerdem sind wir zum Dienstleister geworden und kümmern uns auch um die Gebäudetechnik, ganz aktuell zum Beispiel um die Rauchwarnmelder. Die meisten Schornsteinfeger sind außerdem Gebäudeenergieberater, die Energieausweise ausstellen und immer beratend zur Seite stehen, wenn es um Energieeinsparungen und Umweltschutz geht. Unsere Arbeit ist heute definitiv komplexer als früher.

Machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 2050: Kohle und Öl werden nicht mehr verbrannt, an ihre Stelle rücken Windräder und Solaranlagen. Was werden Schornsteinfeger dann noch zu tun haben?

Wir sind heute schon Dienstleister am Gebäude und beraten hinsichtlich der Energieeinsparung. Einige Kollegen betreiben nebenbei Ofen- und Schornsteinbau. Dass es gar nichts an zusätzlichen Feuerstellen geben wird, kann ich mir nicht vorstellen, weil wir in Deutschland überwiegend Bestandsgebäude haben und so schnell kann sich das nicht ändern. In unserer Berufsgeschichte haben wir schon viele Änderungen miterlebt und wir sind immer Vorreiter was die Techniken betrifft.

Welche Herausforderungen müssen Schornsteinfeger aktuell meistern und welche Eigenschaften sollte man für den Beruf mitbringen?

Vor drei Jahren gab es eine Umstellung und ein neues System. Nun dürfen sich die Kunden für das klassische Messen und Überprüfen der Heizungen und das Kehren der Schornsteine ihren Schornsteinfeger aussuchen. Einige Kollegen hatten Sorge vor negativen Erfahrungen, aber mittlerweile steht fest, dass 95 Prozent der Kunden bei ihrem Schornsteinfeger geblieben sind. Das zeigt, welches Vertrauen uns die Leute entgegenbringen. Das ist auch wichtig, schließlich kommen für ins Haus und da möchte man nicht jeden reinlassen. Wenn man einmal im Gebäude war und die Kunden wissen, wer man ist, dann bricht das Eis. Man hat ihr Vertrauen gewonnen und hört oft: „Sie kennen ja den Weg, dann machen Sie mal.“

Von Amelie Thiemann