Reportagen-und-Hintergruende

„Wenn es wärmer wird, kommt der Olivenbaum“

Das Neupflanzen von Waldbäumen ist eine Entscheidung für mehrere Generationen. Eine langfristige Strategie zu Witterungsschwankungen ist nötig.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 24. Apr. 2019 | 12:51 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 24. Apr. 2019 | 12:51 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Bergen.

Olivenbäume im Celler Land? Nach Meinung des Geschäftsführers des Verbandes Deutscher Forstbaumschulen, Alain Paul, sei es künftig gar nicht ausgeschlossen, dass auch bei uns Olivenbäume gepflanzt werden und somit Konsequenzen aus der zunehmenden Klimaerwärmung und der Häufung von Extremwetterlagen gezogen werden. Das Potenzial der gesamten Baumartenpalette müsse ausgeschöpft werden: „Wenn es wärmer wird, kommt der Olivenbaum ohnehin in 1000 Jahren zu uns“, vermutet Paul.

Hintergrund ist die Trockenheit des Sommers 2018, die bei Jungbäumen teilweise zu erheblichen Ausfällen geführt hat. Fachkreise fordern, die Diskussion um klimafeste Baumarten offen und ideologiefrei zu führen. Die Wissenschaft sollte Antworten auf die Frage finden „Welchen Wald brauchen wir?“

Folgen des Klimawandels bewusst machen

Anders als in der Landwirtschaft ist das Pflanzen von Waldbäumen eine Entscheidung für ein oder mehrere Generationen: „Im Wald wirken sich Fehler bei der Pflanzenwahl über lange Zeit aus, die Waldbesitzer brauchen also jetzt die Möglichkeit, Bäume zu pflanzen, die auch mit den künftigen Klimabedingungen zurechtkommen“, fasste der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, die Situation der Forstwirtschaft kürzlich zusammen. Da der Wald auch bei der Jugend en vogue ist, wird versucht, die Folgen des Klimawandels für den Wald Kindern und Jugendlichen bewusst zu machen: Die kommende Generation muss den gesamtgesellschaftlichen Nutzen der Wälder erkennen und verinnerlichen. Sozusagen Klimaschutz vor unserer Haustür. Da ist die Friday-for-Future-Bewegung durchaus auf dem richtigen Weg.

Wie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände in einem Positionspapier feststellt, wird befürchtet, dass die angekündigten Mittel zur Finanzierung des neuen Fördergrundsatzes „Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“ nicht ausreichen werden: „Eine Aufstockung der Mittel zur wirksamen Hilfe des Privatwaldes ist unumgänglich.“ Zur Begründung heißt es, dass vom Klimawandel und dessen Folgen inzwischen fast alle heimischen Baumarten betroffen seien. „Die Wiederaufforstung der Schadflächen muss auf Grund der Dramatik des Klimawandels mit klimatoleranten, nichtheimischen Baumarten möglich und förderfähig sein, um den Wald langfristig widerstandsfähiger gegenüber Witterungsschwankungen zu machen.“

Von Lothar H. Bluhm

Von