Streit um Messstellen

Celler Bauern drohen Land mit Klage

Mit Blick auf verschärfte Düngeregeln wollen Celler Landwirte nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, für das es möglicherweise andere Ursachen gibt. Sie drohen dem Land mit einer Klage.

  • Von Oliver Gatz
  • 18. Jan. 2020 | 11:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Oliver Gatz
  • 18. Jan. 2020 | 11:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Die Düngeverordnung ist zwar Angelegenheit des Bundes, doch für die Ausweisung der roten Gebiete mit zu hoher Nitratbelastung ist das Land Niedersachsen zuständig. Dagegen läuft der Celler Kreisverband des Landvolkes Sturm. Denn nahezu das komplette Kreisgebiet ist von verschärften Auflagen betroffen.

Nicht der Sündenbock sein

„Wasser ist unser wichtigstes Gut“, betont der Celler Landvolk-Vorsitzende Christoph Düvel. „Alles, was die Landwirte dafür tun können, soll auch getan werden.“ Allerdings dürften Landwirte nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, für das es möglicherweise andere Ursachen gebe.

Vier Grundwasserkörper ragen in den Landkreis Celle. Weisen mehr als 20 Prozent der Brunnen in einem Grundwasserkörper zu hohe Nitrat-Werte auf, wird dieser nach Angaben des Landvolks komplett rot eingestuft, bei den sogenannten Teilwasserkörpern reicht bereits ein einziger „roter Brunnen“ dafür aus. Das wollen die Bauern nicht hinnehmen und fordern eine stärkere Unterteilung der Gebiete.

Kritik an pauschaler Einstufung

Beispiel: Der „rote“ Brunnen in Trauen bei Munster hat zur Folge, dass auch der Bauer in Hohne – rund 40 Kilometer Luftlinie entfernt – hohe Düngeauflagen hinnehmen muss, da seine landwirtschaftlichen Flächen in einem Teilwasserkörper liegen, der sonst nur „grüne“ Messstellen aufweist. „Das ist widersinnig“, meint Landvolk-Geschäftsführer Martin Albers.

Rund zwei Drittel der niedersächsischen Landvolk-Kreisverbände haben deshalb gemeinsam ein hydrogeologisches Institut mit der Überprüfung der Messstellen beauftragt. Die Bauern wollen sich wappnen für eine mögliche Klage gegen das Land. „Wir stellen die Belastung durch die Landwirtschaft infrage. Wir wollen sie bewiesen haben“, sagt Düvel. Albers ergänzt: „Es dürfen nicht alle über einen Kamm geschoren werden.“

Veraltete Daten

Ihren Angaben zufolge könnten auch Umsetzungsprozesse im Boden für hohe Nitrat-Werte verantwortlich sein. So lägen manche „rote Brunnen“ in Waldgebieten, wo keine Landwirtschaft betrieben werde. Zudem bezögen sich viele Messdaten auf den Zeitraum 2012/2013 und seien veraltet. Viele Bauern hätten in der Zwischenzeit die Düngung umgestellt.

Weitere Unterteilung nicht möglich

Das niedersächsische Agrarministerium räumt ein, dass eine Messstelle nicht unbedingt die Einträge aus ihrem direkten Umfeld abbildet, sondern aufgrund der Grundwasserströmung ein größeres, weiter entfernt liegendes Einzugsgebiet haben kann. Allerdings sei es aus fachlicher Sicht nicht möglich, die Grundwasserkörper weiter zu untergliedern. Bis Ende 2021 solle jedoch eine überarbeitete Bewertung dieser Areale erfolgen. Rote Gebiete könnten dann aufgrund neuer Werte eventuell grün werden und umgekehrt. Das Ministerium betont, dass die Messstellen eine repräsentative Stichprobe zur Ermittlung der Grundwassergüte in Niedersachsen darstellten.

Messstellen werden überprüft

Die Landesregierung werde die Funktionalität und Qualität der Messstellen bei jeder Probenahme überprüfen, erläutert Ministeriumssprecherin Sabine Hildebrandt. Außerdem werde das Umweltministerium die Messstellen alle zwei Jahre untersuchen und auch „anlassbezogen“ einzelne Messstellen überprüfen und bei Bedarf ertüchtigen. „Den zu bestimmten Messstellen geäußerten Zweifeln wird die Landesregierung nachgehen“, betont Hildebrandt.

Verteilung spiegelt Flächennutzung wider

Bei der Auswahl der Messstellen sei darauf geachtet worden, dass die Verteilung die Flächennutzung in Niedersachsen widerspiegele. Hildebrandt: „Der Einfluss städtischer Messstellen auf das Gesamtergebnis ist also proportional zum Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Niedersachsen.“ Die Nitrat-Analyse sei unter anderem von akkreditierten Prüflaboren vorgenommen worden, die regelmäßig von externen Fachleuten der Deutschen Akkreditierungsstelle begutachtet würden, so die Sprecherin.