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Hintergrund Die Suche geht weiter: „Rüstungsaltlasten“ in Celle
Mehr Hintergrund Die Suche geht weiter: „Rüstungsaltlasten“ in Celle
13:25 13.06.2010
Grafik und luftbild
Grafik und luftbild Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

„Die Gebiete, die bebombt wurden, sind natürlich bekannt“, sagt Maren Sommer, Fachbereichsleiterin Bau- und Bürgerservice der Stadt Celle. „Für das gesamte Stadtgebiet wurde ab dem Jahr 2000 ein so genanntes Blindgänger-Erkundungsprogramm durchgeführt.“ Eine stereoskopische Luftbildanalyse anhand von Aufnahmen der Royal Air Force aus dem Krieg gibt Aufschluss über mögliche Fundstätten in der Stadt.

Sommer: „Die gesamte Kriegs-kontaminierungs-Analyse war im Jahr 2005 abgeschlossen und ist in unser Kataster eingeflossen. Wichtig dabei ist, dass wir durch die Analyse nur potenzielle Fundorte von Altlasten wie Munition oder Blindgängern bestimmt haben.“ Die genaue Analyse schließt sich erst an, sobald ein Bauherr auf seinem Grundstück aktiv werden will – wie jetzt geschehen bei der geplanten Werks-halle auf dem Itag-Gelände.

Im Rahmen der Genehmigung von Bauvorhaben habe die Stadt die Möglichkeit, eine Bescheinigung über die Kampfmittelfreiheit des Geländes einzufordern. „Dann werden wir aktiv“, sagt Detlef Knobloch, Geschäftsführer bei der Schollenberger Kampfmittelbergung GmbH. „Wir fordern die Luftbilder, deren Auswertung und weitere Daten, etwa über Bombentypen, die in dem Gebiet abgeworfen wurden, bei der staatlichen Kampfmittelbeseitigung an.“

Anhand der Daten könne ungefähr abgeschätzt werden, was für Funde zu erwarten sind. Knobloch: „Wir erstellen eine Gefährdungsabschätzung und ein Räumkonzept und erarbeiten daraus eine Arbeitsgangfolge. Danach werden die Mitarbeiter ausgerüstet und die Überprüfung kann beginnen.“

Bei der Itag entschieden sich die Experten für die so genannte Einzelpunktsondierung. „Dabei wird das Gelände ausgemessen, und dann fast wie beim Saatstreuen Messlinie für Messlinie abgegangen“, erklärt Knobloch. „Liefert die Sonde einen ausreichend hohen Ausschlag, werden die Verdachtspunkte markiert. Im Anschluss öffnen wir dann Punkt für Punkt den Boden.“

Da die Sonde Aufschluss über die Lagetiefe von Metallkörpern gebe, sei es nun möglich, sich Stück für Stück an diese heran zu graben. Entweder mit Baggern oder aber später mit Schaufeln oder gar Handfegern. Knobloch: „Erst dann sehen wir, was wirklich in der Erde steckte. Das können auch alte Fahrradrahmen, Motorblöcke oder Trümmerteile sein. Haben wir aber tatsächlich eine Bombe gefunden, wird es ernst.“

Die Bombe werde fachmännisch freigelegt, immer mit der Maßgabe, sie nicht zu bewegen. Anschließend müssen Typ und Zünderart bestimmt werden. Gleichzeitig werde der staatliche Kampfmittelbeseitigungsdienst benachrichtigt. Nur er dürfe die Bombe letztlich entschärfen. Daher überprüft er ein zweites Mal Typ und Zünder und entscheidet dann über alle weiteren Maßnahmen. Im Falle der Bombe auf dem Itag-Gelände bedeutete das: sofortige Evakuierung und schnellstmögliche Entschärfung.

Von Björn Schlüter