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Hintergrund So kommen Familien in Celle stärker durch Krisen
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Celler Programm „Griffbereit“ wird in der Corona-Zeit digital fortgesetzt

09:00 27.03.2021
Von Susanne Harbott
Carola Peschel mit der Gruppe in Wietze im Sommer 2020.
Carola Peschel mit der Gruppe in Wietze im Sommer 2020. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Celle

Der Name ist Programm: Unter dem Titel "Griffbereit" bietet der CJD-Jugendmigrationsdienst (JMD) Celle seit mehr als zehn Jahren in Kooperation mit dem Landkreis Celle ein Familienbildungsprogramm für Familien mit und ohne Einwanderungsgeschichte an. Ziel ist die Förderung der frühkindlichen Entwicklung bei Kindern zwischen ein und drei Jahren durch kleinkindgerechte Aktivitäten sowie die Schaffung wichtiger Grundlagen zum Erwerb von Sprachkompetenz. Im Jahr 2020 haben an dem Programm insgesamt 57 Familien mit ihren Kindern teilgenommen.

Los ging alles im August 2010 in Bergen. Später kamen noch vier weitere Standorte dazu, sodass die Gruppentreffen heute in Wathlingen, Lachendorf, Eschede, Wietze und Bergen stattfinden. Sofern es die Pandemie-Lage erlaubt.

Gemeinsam spielen, singen und basteln

"Das Gute und Positive am Projekt ist, dass Eltern und Kinder regelmäßig wöchentlich in einer Gruppengemeinschaft zusammen miteinander mit viel Freude ihren Interessen nachgehen können", so Elvira Pohl, Elternbegleiterin aus Bergen. Das Angebot wird in Kindertageseinrichtungen oder Familienzentren durchgeführt. Die Gruppen treffen sich wöchentlich für zwei Stunden und werden jeweils von zwei geschulten Elternbegleiterinnen angeleitet. Dabei werden viele Sprachen gesprochen – und es wird zusammen gespielt, gesungen und gebastelt.

Elvira Pohl, Elternbegleiterin aus Bergen: „Das Programm „Griffbereit“ in Bergen ist seit vielen Jahren aktiv und gut besucht, gestartet in der Kita „Neuer Weg“, aktuell ist der Treffpunkt für Eltern und Kinder im Familien- und Mütterzentrum Bergen. Das Gute und Positive am Programm ist, dass Eltern und Kinder regelmäßig wöchentlich in einer Gruppengemeinschaft zusammen miteinander mit viel Freude ihren Interessen nachgehen können. Ich blicke zurück auf sehr viele lebhafte Jahre mit viel Engagement und Interesse von vielen Seiten.“ Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Wegen Corona wurde das Konzept von „Griffbereit“ geändert

Aufgrund der Kitaschließungen und weiterer Maßnahmen in Corona-Zeiten musste das Konzept von „Griffbereit“ geändert werden, da die gemeinsamen Treffen für die Gruppen aktuell nicht mehr möglich sind. Zurzeit wird das Programm gemäß einem Vorschlag der Landeskoordinierungsstelle Hannover, die das „Griffbereit“-Programm landesweit begleitet, in digitaler Form fortgesetzt.

"Die digitalen Informations- und Kommunikationskanäle bieten in der heutigen Situation die Möglichkeit, das Beratungs- und Unterstützungsangebot weiterzuführen, mit den Eltern und Kindern in Kontakt zu bleiben und auf diese Weise Familien in dieser schweren Zeit zu stärken", sagt Programmkoordinatorin Tatiana Schwin. Durch solche Kanäle könnten die Elternbegleiterinnen die wichtigen Informationen zum Umgang mit dem Virus, Informationen über die Kontaktbeschränkungen, Verhaltensregeln und Hilfsangebote für Familien in mehreren Sprachen weiterleiten.

Carola Peschel, Elternbegleiterin aus Wietze: „Ich habe vorher im Kindergartenbereich gearbeitet, wobei der Schwerpunkt in der Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund gelegen hat. Es hat mich schon immer begeistert, wie schnell es gerade auch kleinen Kindern gelingt, durch regelmäßige Förderung spielerisch eine neue Sprache zu erlernen. Genau dieses Konzept setzt auch „Griffbereit“ um. Hier besteht allerdings zusätzlich das Angebot, dass Eltern und Kindern gemeinsam die deutsche Sprache nähergebracht wird.“ Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Koordinatorin bringt praktische Erfahrungen mit

Schwin hatte im Januar 2018 die Stelle der Koordinatorin übernommen, nachdem sie zuvor selbst praktische Erfahrungen als Elternbegleiterin im Programm gesammelt hatte. "Im Jahr 2013 habe ich mit meiner Kollegin Suzan Yilmaz im Kindergarten Spatzennest in Wathlingen als Elternbegleiterin angefangen, ein Jahr später konnten wir eine weitere Gruppe in der Krippe Wirbelwind in Lachendorf anleiten", berichtet sie. "Diese Erfahrung war interessant und spannend für mich – ich habe viele tolle Menschen kennengelernt.“

Marget Koyun, Elternbegleiterin aus Wathlingen: „Ich war selbst zwei Jahre mit meinem Sohn Teilnehmerin der „Griffbereit“-Gruppe in Wahtlingen. Das Programm hat mir so sehr gefallen, dass ich mich für die Stelle als Elternbegleiterin beworben habe. Seit 2017 bin ich bei „Griffbereit“ und stehe mit meiner Kollegin den Eltern und Kindern mit Rat und Tat zur Seite, denn es gibt nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen.“ Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Kommunikation über digitale Kanäle

Aktuell kommunizieren die Elternbegleiterinnen mit den Eltern aus ihren Gruppen im Online-Format, beantworten deren Fragen und geben die Informationen über Messenger-Dienste weiter. Woche für Woche werden dabei verschiedene Themen aufgegriffen – so geht es zum Beispiel um Angebote der Stiftung Lesen mit mehrsprachigen, interaktiven Kinderbüchern. Außerdem stellen die Elternbegleiterinnen den Eltern interessante und spannende Ideen für die Zeit zu Hause vor: Wie und womit kann man die Kinder gut beschäftigen? Welche Spiele sind für draußen gut geeignet? Was kann man im Winter mit Schnee machen? Wie wird eine Kinderhöhle oder eine Wetterstation richtig gebaut?

Kerstin Prengemann, Elternbegleiterin aus Eschede: „Ich leite mit meiner Kollegin Marita seit drei Jahren die „Griffbereit“-Kindergruppe in Eschede. Ich habe ehrenamtlich eine Familie mit Migrationshintergrund mit drei Kindern begleitet und über sie die Gruppe kennengelernt. Sie lernten dort spielerisch etwas Deutsch. Etwas später wurde eine Elternbegleiterin für diese Gruppe gesucht. Ich fühlte mich sofort angesprochen. Es ist herrlich, die Kinder zu fördern, mit ihnen zu spielen, singen und zu basteln und sich mit den Eltern zu unterhalten.“ Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Spannende Ideen für zu Hause

"Die Familien bekommen so ganz viele Tipps gegen die Lockdown-Langweile", berichtet Tatiana Schwin. Ein kreatives Angebot gehöre ebenfalls zum Programm, deshalb werde den Familien regelmäßig „Griffbereit“-Post mit liebevoll vorbereitetem Bastelmaterial und einem persönlichen Gruß an die Kinder coronakonform vor die Haustür gelegt.

Über weitere Ideen und Vorschläge zur Umsetzung des geänderten Programmes hatten sich mehr als hundert Elternbegleiterinnen im Januar bei der ersten landesweiten Online-Konferenz für die Projekte „Griffbereit“ und „Rucksack Kita“, organisiert von der Landeskoordinierungsstelle Hannover, ausgetauscht. So werden seit Anfang des Jahres in den Gruppen auch Videocalls für die Familien angeboten, in denen die Eltern sich über ihre Erfahrungen und Sorgen in dieser Zeit austauschen können.

Tatiana Schwin, Koordinatorin des Programmes „Griffbereit“ im Landkreis Celle: „Bevor ich im Januar 2018 die Stelle der Koordinatorin übernommen habe, konnte ich viel Erfahrung als Elternbegleiterin bei „Griffbereit“ sammeln. 2013 habe ich mit meiner Kollegin Suzan Yilmaz im Kindergarten „Spatzennest“ in Wathlingen als Elternbegleiterin angefangen, ein Jahr später konnten wir eine weitere Gruppe in der Krippe „Wirbelwind“ in Lachendorf anleiten. Diese Erfahrung war interessant und spannend für mich, ich habe viele tolle Menschen kennengelernt.“ Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Auf Spenden angewiesen

Um „Griffbereit“ auch weiterhin durchführen zu können, ist der CJD-Jugendmigrationsdienst Celle auf finanzielle Unterstützung angewiesen. "Jede Spende – wie etwa die jährliche Zuwendung des Rotary Clubs Celle aus dem Adventskalender-Projekt, hilft den Familien", so Tatiana Schwin.

Ein Einstieg für neue Eltern in die Gruppen ist jederzeit möglich und für alle kostenfrei. Weitere Informationen gibt die Koordinatorin Tatiana Schwin,  Telefon (01515) 7818460.