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Hintergrund Anteil der ins Netz eingespeisten erneuerbaren Energie liegt in Celle bei 43 Prozent
Mehr Hintergrund Anteil der ins Netz eingespeisten erneuerbaren Energie liegt in Celle bei 43 Prozent
13:55 13.06.2010
Windkraftanlagen -
Windkraftanlagen - Quelle: Lothar H. Bluhm
Winsen (Aller)

„Da sind wir doch heute, 20 Jahre vorher, schon ganz dicht dran“, findet Frank Hustedt gelassen und legt die Tabelle des ins Netz der SVO Netz GmbH eingespeisten Öko-Stroms vor: Betrug die Summe der regenerativen Energie 2004 noch 95,9 Millionen Kilowattstunden, so steigerte sich der Anteil in den vergangenen vier Jahren auf 388,7 Millionen Kilowattstunden. „Das ist bei einem Stromverbrauch in der Region von 904,8 Millionen Kilowattstunden insgesamt ein Anteil von 43 Prozent“, sagt der Experte für die dezentrale Energie-Einspeisung in das Netz der SVO, Frank Hustedt. Und er nennt Gründe für den Anstieg der eingespeisten Energie: „Hatten wir 2004 noch 351 Anlagen, so haben wir inzwischen 939.“

Den größten Zuwachs von der Anzahl her könne die SVO Netz bei Photovoltaikanlagen registrieren: Lieferten 2004 insgesamt 293 Anlagen Strom ins Netz, erhöhte sich die Zahl 2008 auf 824. „Tendenz steigend“, weiß Hustedt. Allerdings liefern Photovoltaikanlagen insgesamt bisher einen kleinen Anteil an der Einspeisungsmenge. Gerade wird auf einem Kuhstall in Walle ei-

ne 300-Kilowatt-Anlage installiert.

Zugenommen haben nach den Aufzeichnungen der SVO Netz GmbH auch Deponie- und Biomasse-Anlagen: Von 22 auf 77. Hustedt: „Über die Hälfte der regenerativen Energie, die in unser Netz eingespeist wird, kommt aus Biogasanlagen.“ Und Hustedt erinnert gern an den 3. März 2008: „Das war ein fast historischer Tag für die SVO Energie: An diesem Montag war es zum ersten Mal nicht nötig, Strom von außerhalb hinzuzukaufen.“ Die regionalen Erzeuger stellten in ausreichender Menge erneuerbaren Strom zur Verfügung.

Grundlage für die Einspeisungen aus erneuerbaren Energien ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Das EEG dient hauptsächlich der CO2-Reduktion und somit dem Klimaschutz“, stellt der Pressesprecher der SVO Energie, Ralf Horst, heraus. Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Kohle soll verringert werden. Zudem mache jede Kilowattstunde Strom, die in unserer Region erzeugt wird, ein Stück weit autark von Importen.

Energieeinspeisungsexperte Hustedt: „Bei den Planungen zum Bau der Anlagen können wir nicht unterstützen. Aber bei allem, was die Einspeisung in unser Netz sowie die Vergütung des Stroms angeht, beraten wir umfassend.“

CO2-Emissionen

Das international vereinbarte Ziel, die CO2-Emissionen in Industriestaaten bis 2050 gegenüber 1990 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, ist nur erreichbar, wenn:

wir jetzt in die Modernisierung unserer Kohle- und Gaskraftwerke investieren, um weniger CO2 zu emittieren;

wir die Emissionsbudgets im Rahmen der EU und der internationalen Vereinbarungen weiter absenken;

der Anteil erneuerbarer Energien über das Jahr 2030 hinaus weiter ansteigt und der jetzt bereits geltende Vorrang der Einspeisung ins Netz erhalten bleibt.

(Aus dem Regierungsprogramm der SPD 2009–2013)

Strompreis-Entwicklung

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördert den Ausbau von Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Quellen produzieren. Dazu gehören Windenergie und Wasserkraft, Deponie- und Biomasse sowie Sonnenenergie, die in Photovoltaikanlagen genutzt wird. Um den Anreiz zu erhöhen, solche Anlagen in Betrieb zu nehmen, erhalten die Erzeuger festgelegte Vergütungen. Das heißt aber auch, dass sich der Strompreis hierdurch verteuert. Momentan sind 3,60 Euro pro Monat je Haushalt für EEG-Mengen zu bezahlen.

Kontakt:

Bürgerkraftwerk Winsen

Carsten Heine, Telefon (05056) 941145, buergerkraftwerk-winsen-aller@gmx.de

Wasserradtechnologie Hornbostel-Bannetze

TU Braunschweig, Institut für Statik, Projektleiter Chris-tian Seidel, Telefon (0531) 3913664, c.seidel@tu-bs.de; www.bmwi.de

Celler Wasserkraft kommt gut an

CELLE. Ob im Wasserkraftwerk in Oldau oder im in Celle liegenden Kraftwerk der Rathsmühle: Die Aller ist der Energieträger Nummer eins. Kontinuierlich erzeugen die zwei Wasserkraftwerke an der Aller zusammen mit zehn kleineren Wasserkraftwerken im Schnitt fünf bis sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr. „Das ist in etwa so viel, wie alle rund 800 Photovoltaikanlagen in unserem Versorgungsgebiet zusammen“, stellt SVO-Sprecher Ralf Horst die Zahlen gegenüber. Daran werde auch deutlich, dass Wasserkraftwerke eine sehr hohe Effizienz haben.

Deshalb verfolgt das Unternehmen auch mit großer Aufmerksamkeit die Planungen der Technischen Universität Braunschweig zum Bau eines Wasserkraftrades in Hornbostel. Der Plan ist, ein zwölf Meter breites Wasserrad, das einen Durchmesser von elf Metern hat, im östlichen Bereich des neuen Schlauchwehres an der Aller zu errichten. Kostenpunkt rund 3,5 Millionen Euro.

Projektleiter Christian Seidel stellt die Bedeutung des Vorhabens heraus: „Das wird eine Pilot- und Demonstrationsanlage, die weltweit einzigartig ist.“ Wasserkraft habe etwa 94 Prozent Wirkung. So sei es möglich, allein durch das Hornbosteler Kraftwerk mit einer Leistung von 500 Kilowatt rund 1000 Haushalte mit Strom zu versorgen. „Die Jahresstromproduktion beträgt zwei bis 2,5 Gigawattstunden und führt zu einer CO2-Einsparung von 2500 Tonnen pro Jahr.“

Deponiegas ist für die Stromerzeugung nicht bedeutungslos

Energiegewinnung aus Abfall:

Celler Anlage war Pionierarbeit

CELLE. Zwei stabile Vorhängeschlösser muss Walter Lindemann immer öffnen, bevor er an seinen Arbeitsplatz hinter der Kleingartenkolonie Kiebitzsee am Krähenberg in Celle gelangt: Hinter hohen Zäunen liegt das Deponigaskraftwerk auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie der Stadt Celle. Walter Lindemann ist für die Unterhaltung und Wartung der Anlage nördlich des Flugplatzgeländes verantwortlich.

In den fünf ehemaligen Hausmülldeponien in Höfer, Katensen, Wietze, Kiebitzsee und Rosche (Kreis Uelzen) entsteht durch die Gärung der Abfälle kontinuierlich Methangas, das die SVO durch Generatoren zu elektrischer Energie umwandelt. „Im Schnitt sind es 3,5 bis 3,9 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, die wir so erzeugen“, weiß Ralf Horst von der SVO Energie. Allerdings werde der Ausstoß des Methangases im Laufe der Jahre immer geringer. „Die Alternative wäre, die Gase abzufackeln.“ Das sei keine sinnvolle Verwendung. Vielmehr sei es sinnvoller, die Gase in Energie umzuwandeln. „Das ist praktisch klassischer Ökostrom – made in Celle.“

Im Dezember 1988 ist die Deponiegasanlage Kiebitzsee im Celler Süden in Betrieb genommen worden. „Das war damals eine wahre Pionierleistung, die bundesweites Interesse bei Fachleuten und Wissenschaftlern fand“, weiß Walter Lindemann, der von Anfang an für die Unterhaltung und Wartung der Anlage neben der Kleingartenkolonie zuständig ist. Nach heutigem Erkenntnisstand geht die SVO Energie davon aus, dass die Anlage noch zirka acht Jahre in Betrieb sein wird, bevor der Ausstoß des Methangases endet. „Allein hier am Kiebitzsee wurden im vergangenen Jahr 734000 Kilowattstunden in das Stromnetz eingespeist“, kennt Lindemann die Zahlen ganz genau.

Initiative zur Gründung einer Bürgersolaranlage in Winsen

WINSEN. Der Winser Carsten Heine ist zuversichtlich: Er möchte gemeinsam mit Hans-Werner Bersem aus Südwinsen für rund 130000 Euro eine 37-Kilowatt-Bürgersolaranlage bauen.

Seit Jahresbeginn hat Heine in Winsen über 2000 Handzettel verteilt und bisher rund 30 positive Rückmeldungen erhalten. Er plant jetzt zunächst eine Bürgerveranstaltung in der zweiten Julihälfte, um möglichst nach einem Genossenschaftsmodell den Bau eines Bürgerkraftwerkes für Winsen konkret in Angriff zu nehmen. „Je mehr Schultern diese Aufgabe auf sich nehmen, desto besser“, meint der Winser Konstrukteur.

Heine möchte seine Anlage am liebsten auf dem Gebäude der Heinrich-Pröve-Realschule am Meißendorfer Kirchweg in Winsen realisieren und dazu die Dachflächen anpachten. „Der Landkreis hat bereits sein Einverständnis signalisiert“, ist sich Heine sicher, dass ihm seitens der Behörde keine Steine in den Weg zur Produktion von Ökostrom gelegt werden. Ähnlich sieht Heine auch die Bereitschaft der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Finanzierung des Projektes zu übernehmen.

Der durch die Photovoltaikanlage erzeugte Strom soll ins öffentliche Netz eingespeist werden. Dieser Aspekt ist Heine wichtig: „Für mindestens 20 Jahre wird die Einspeisungsvergütung gezahlt.“ Das sei eine sichere Rendite für eine finanzielle Beteiligung an dem Modell. Hinzu komme, dass sich die Kosten für Solarmodule stetig reduzieren.

Von Lothar H. Bluhm