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Der Norden Weil schwört Bevölkerung auf harten Lockdown ein
Der Norden

Weil schwört Bevölkerung auf harten Lockdown ein

06:20 23.03.2021
Stephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident. Foto: Ole Spata/dpa/Archivbild
Stephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident. Foto: Ole Spata/dpa/Archivbild Quelle: Ole Spata
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Hannover

Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Bevölkerung auf einen noch härteren Lockdown über Ostern eingeschworen. «Eine kurze aber konsequente Phase des Stillstands kann dazu führen, die Dynamik der Infektionswelle zu brechen und zu dämpfen», sagte Weil nach den Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Krise in der Nacht zum Dienstag. «Es geht darum, das Infektionsniveau zu begrenzen bis die Teststrategie greift.»

Angesichts weiter steigender Corona-Infektionszahlen schicken Bund und Länder Deutschland über Ostern in den schärfsten Lockdown seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr. Vom 1. bis einschließlich 5. April, also vom Gründonnerstag bis Ostermontag, soll das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu durchbrechen. Das vereinbarten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in der Nacht zum Dienstag. Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird insgesamt bis zum 18. April verlängert.

Weil appellierte an die Menschen, die Beschränkungen in bisher nie da gewesenem Umfang zu beachten. «Bitte lassen Sie sich mit uns zusammen auf dieses Vorgehen ein. Bitte halten sie sich über Ostern mit direkten Begegnungen zurück, bitte verzichten sie auf jede nicht unbedingt notwendige Mobilität», so Weil. «Ich betrachte den harten Lockdown über Ostern als eine Durchbrechung der zermürbenden Spirale von immer neuen Schließungen und zaghaften Lockerungen.»

Zugleich verwies Weil darauf, dass Niedersachsen sich bei den Bund-Länder-Beratungen mit seiner Idee von Öffnungen kombiniert mit Schnelltests durchgesetzt habe. «Gleichzeitig soll im Rahmen von Modellvorhaben durch gezieltes Testen der Zugang zum Einzelhandel und zur Gastronomie, zu Kultur- und Sportveranstaltungen geöffnet werden.» Durch aktuelle Negativtests könnten sichere Zonen geschaffen werden, in denen Menschen Angebote angstfrei wahrnehmen sollen. «Testungen helfen so, Freiheitsrechte wieder wahrzunehmen.» Der Preis für all das sei der harte Oster-Lockdown.

Während dieser Zeit werden Ansammlungen im öffentlichen Raum dem Beschluss zufolge generell untersagt. Wo bereits Außengastronomie offen ist, muss sie für diese fünf Tage wieder geschlossen werden. Kirchen und Religionsgemeinschaft werden gebeten, an Ostern nur Online-Angebote für die Gläubigen zu machen. Nur Impf- und Testzentren sollen offen bleiben.

Nicht durchsetzen konnte Niedersachsen sich mit der gemeinsam mit Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz vorangetriebenen Idee, ihren Bürgern Urlaub in Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Appartements, Wohnwagen und Wohnmobilen im eigenen Land möglich zu machen, sofern diese über eigene Sanitäreinrichtungen verfügen und auch das Essen in Eigenregie organisiert wird. Davon ist im Beschluss nichts mehr zu finden.

«Wir hatten alle miteinander gehofft, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen die Ausbreitung des Virus nun endlich hätte eindämmen und wieder mehr Bewegungen und Begegnungen möglich machen können», sagte Weil. Das sei nicht geschehen. Auch in Niedersachsen überschritten 15 der 45 Landkreise und großen Städte am Montag wieder die 100er-Marke bei der Sieben-Tages-Inzidenz. In diesen Regionen wurde die Notbremse schon gezogen und bereits erfolgte Öffnungen mussten bereits oder müssen bald wieder zurückgenommen werden.

Allerdings sei Besserung in Sicht, stellte die niedersächsische Staatskanzlei in Aussicht. Ab Mitte April werde genug Impfstoff vorhanden sein, um wöchentlich bundesweit 3,5 Millionen Menschen gegen das Coronavirus zu impfen. Bis zum Sommer sollten dann alle Menschen geimpft sein, die sich impfen lassen wollen. Nach Ostern würden außerdem konsequent 40 Prozent der Menschen zweimal wöchentlich getestet. Durch regelmäßiges Testen großer Teile der Bevölkerung im Bildungswesen und im Arbeitsleben sollten Infektionen frühzeitig aufgespürt und Infektionsketten unterbrochen werden.

Nach Ostern sollten alle Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche getestet werden können und in den Unternehmen würden die Testkapazitäten ausgebaut, sagte Weil. «Ich bin zuversichtlich, dass die niedersächsische Wirtschaft sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellen und alles daransetzen wird, die in Präsenz arbeitenden Beschäftigten zweimal wöchentlich zu testen.»

© dpa-infocom, dpa:210323-99-930648/4