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Der Norden Roßmann: Wohl genug Selbsttests, Mahnen per Öko-Thriller
Der Norden

Roßmann: Wohl genug Selbsttests, Mahnen per Öko-Thriller

06:00 16.03.2021
Dirk Roßmann, Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Rossmann, gestikuliert beim Sprechen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild
Dirk Roßmann, Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Rossmann, gestikuliert beim Sprechen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild Quelle: Julian Stratenschulte
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Berlin

Burgwedel (dpa) - Die nun breiter verfügbaren Corona-Selbsttests werden nach Einschätzung von Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann ausreichend erhältlich sein und wohl auch noch im Preis sinken. «Für die nächsten Wochen haben wir viele Zusagen von Lieferanten», sagte der Seniorchef der Firma Rossmann der Deutschen Presse-Agentur. «Ich kann noch nicht genau sagen, ob wir wirklich all diese Ware bekommen - gehe aber davon aus, dass es reichlich sein wird.»

Die Nachfrage sei nach der staatlichen Freigabe privater Test-Kits auch bei ihm hoch. Obwohl die Kette mit europaweit mehr als 4200 Filialen bisher recht unbeschadet durch die Krise kam, befürchte er in Handel, Wirtschaft und Gesellschaft erhebliche Pandemie-Folgen, erklärte Roßmann. Sein Roman «Der neunte Arm des Oktopus» sei auch als Beitrag zu sehen, das Bewusstsein für wachsende globale Risiken zu schärfen.

Medizinprodukte seien für sein Unternehmen etwas Neues: «Die meisten Lieferanten sitzen in Asien, da steckt logistisch einiges dahinter, das muss sich erst einspielen.» Es sei wichtig, wegen der noch schleppenden Impf-Fortschritte mehr Tests in die Bevölkerung zu bringen. «Wir kämpfen darum, dass wir möglichst schnell mehr Tests haben. Sobald größere Mengen verfügbar sind, dürften sich die Preise einpendeln.» Spätestens im Mai oder Juni werde es dann aber auch in Deutschland viel mehr Impfstoff geben, ist Roßmann überzeugt.

Der «Erfinder» des Drogerie-Selbstbedienungsmarkts aus Burgwedel bei Hannover - angeblich einer der reichsten Deutschen - sieht wie viele Branchenkollegen Defizite im Öffnungskonzept für den Handel. Doch die ersten Lockerungen seien besser als nichts. «Für einen Händler ist es wirklich unangenehm, Menschen in Kurzarbeit schicken zu müssen - nun gibt es etwas mehr zu tun», so Roßmann. «Modelle wie Click & Collect, zum Beispiel auch bei Bau- oder Möbelmärkten, sind ein Fortschritt. Ich glaube, auch der Modehandel ist froh, dass jetzt etwas passiert.»

Er habe das Gefühl, dass Deutschland trotz des Beginns einer möglichen dritten Corona-Welle derzeit «auf einem guten Weg» sei. Für den Handel gelte indes ebenso: «Das Entscheidende ist, dass die Infektionszahlen zurückgehen.» Zu geringe staatliche Hilfen für kleinere Betriebe seien ein Problem. Aber: «Wer wie stark gefördert wird, ist für die Politik eine schwierige Frage. Und es ist bestimmt nicht immer gerecht.» Er selbst unterstütze punktuell Kollegen, konzentriere sich jedoch auf Hilfen für die eigene Belegschaft. Von möglichen weiteren Mehrwehrsteuer-Senkungen hält Roßmann wenig.

Die Firma Rossmann konnte den Umsatz im vorigen Jahr weiter steigern, er betrug zuletzt rund 10,3 Milliarden Euro. Der Gewinn habe ebenfalls zugelegt, sagte Roßmann - Details nannte er nicht. Wie Supermärkte durften Drogerien offen bleiben, während zahllose andere Geschäfte dichtmachen mussten. Roßmann erklärte, auch er habe regional Einbrüche verzeichnet, vor allem in der Türkei und in Polen.

Das Online-Geschäft laufe eher durchwachsen. «Wir machen hier noch Verluste - keine hohen zwar, und wir bauen das weiter aus, sind aber vorsichtig», meinte Roßmann. Von Lieferkooperationen, wie sie etwa manche Supermärkte eingehen, habe man nach einem Test mit Amazon in Berlin Abstand genommen.

Roßmann steckt nach eigenen Angaben viel Geld in soziale Projekte, macht sich aber große Sorgen wegen der Konsequenzen der Pandemie auf Wirtschaft und Politik generell: «Es gibt ein riesiges Potenzial an unzufriedenen Menschen. Was manche durch die Globalisierung an Problemen erfahren haben, wird durch die Pandemie noch verstärkt.» Dies habe ihn dazu getrieben, seinen Klima-Thriller zu schreiben. «Wir brauchen einen anderen Denkansatz», so Roßmann.

© dpa-infocom, dpa:210316-99-838538/2