Senior verklagt Gemeinde

Wurde auf Winser Friedhof Urne versetzt?

Dieter Langelotz hält es für möglich, dass die Urne seiner Frau versetzt wurde. Es geht um Störung der Totenruhe. Die Sache kommt vor Gericht.

  • Von Simon Ziegler
  • 29. Juli 2021 | 17:51 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 29. Juli 2021 | 17:51 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Winsen.

Seine Geschichte klingt unglaublich. Dieter Langelotz aus Südwinsen befürchtet, dass Mitarbeiter der Gemeinde die Urne mit den sterblichen Überresten seiner Frau nachträglich versetzt haben könnten. "Das ist Störung der Totenruhe. Ich bin mit den Nerven völlig am Ende", sagt der 82-Jährige.

Südwinser hat Zeugen

Langelotz' Frau Karin war kurz vor Weihnachten 2018 gestorben. Die Beisetzung fand auf dem Winser Friedhof an der Bannetzer Straße statt. Die Urne wurde in einem Bereich in die Erde gelassen, der damals noch recht neu war. Doch 14 Tage später habe die Grabplatte etwa zwei Meter weiter gelegen, behauptet Langelotz. Zum Ortstermin diese Woche hat der Senior eine Zeugin mitgebracht. Evelin Stubbenhagen, die mit Langelotz befreundet ist, bestätigt die Version des Witwers. Die Grabplatte sei heute nicht an dem Platz, an dem damals die Steingut-Urne mit Metallbehälter in die Erde eingelassen worden sei. Das wisse sie genau, schließlich könne sie sich an einen Kranz erinnern, der an einer anderen Stelle gelegen habe. Und in dessen Mitte sei die Urne damals in die Erde gebracht worden.

Dieter Langelotz sagt, er versuche seit Jahren Klarheit in die Sache zu bringen. Doch er dringe nicht durch. "Ich kann meinen Frieden nicht finden, solange ich nicht weiß, was mit der Urne meiner Frau passiert ist." Er will, dass nachgeschaut wird, ob sich unter der Grabplatte auch tatsächlich die Urne befindet. Weil er mit seinem Ansinnen nicht weiterkommt, hat er sich einen Anwalt genommen. Genauer gesagt, den dritten Anwalt, nachdem die ersten beiden das Thema nicht so forciert hatten, wie er sich das vorgestellt hat.

"Beisetzungsort und Grabplatte sind nicht identisch"

Jetzt wird Langelotz von Jörg Salzwedel aus Hambühren vertreten, dessen Kanzlei in Hannover sitzt. Und Salzwedel hat Klage gegen die Gemeinde Winsen eingereicht. Salzwedel geht zwar nicht davon aus, dass es sich um Störung der Totenruhe handelt. Er fordert aber, dass der rechtmäßige Zustand wieder hergestellt wird. Er unterstellt der Gemeinde nicht mal bösen Willen, möglicherweise sei das Ganze aus Unachtsamkeit geschehen. "Beisetzungsort und Grabplatte sind nicht identisch", sagt Salzwedel. Neben Zeugen will er das mit Fotos beweisen.

Die Sache liegt vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg. Eine CZ-Anfrage dort lief ins Leere. Einen Termin für eine Verhandlung gibt es offenbar noch nicht.

Gemeinde macht ohne richterliche Anordnung nichts

Winsens Bürgermeister Dirk Oelmann weist die Anschuldigungen weit von sich. Die Gemeinde habe die Urne nicht nachträglich versetzt. Es könne auch nicht einfach nachgesehen werden. "Das wäre Störung der Totenruhe. Ohne richterliche Anordnung wird weder eine Urne noch ein Sarg wieder nach oben geholt", sagt der Verwaltungschef. Trotz allem bringt er ein gewisses Verständnis für den Senior aus Südwinsen auf. "Da er sich diese Geschichte wirklich einbildet und darum auch im Recht fühlt, kann ich seinen Standpunkt nachvollziehen. Es ändert aber nichts daran, dass es keinen Anhaltspunkt für den Wahrheitsgehalt seiner Version gibt. Das Grabfeld ist gerastert und es gibt keinen Grund, warum man sich da vertun sollte", macht Oelmann seinen Standpunkt klar. Er könne sich aber denken, "dass man sich im Zuge einer Beerdigung auf einer grünen Wiese, wenn da noch Blumen und Kränze liegen, aus Sicht der Trauernden schnell mal um einen Meter verschätzen kann".

Der Verhandlung sieht die Verwaltung gelassen entgegen. "Ich sehe keinen Anhaltspunkt, mit dem man uns einen Fehler nachweisen kann", sagt Oelmann. Sollte es wider Erwarten doch auf eine Störung der Totenruhe hinauslaufen, wäre das indes keine Lappalie: Darauf steht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.