Baseballschläger-Attacke

Versuchter Totschlag: Angeklagter verschwunden

Ungewöhnlicher Prozessauftakt nach brutaler Attacke in Meißendorf: Die Spekulationen, warum der Angeklagte verschwunden ist, gehen in drei Richtungen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. Apr. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. Apr. 2022 | 17:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Lüneburg.

Vor dem Landgericht Lüneburg sollte am Dienstag der Prozess gegen den 54 Jahre alten Ralf-Michael H. beginnen. Doch der Platz des Angeklagten blieb im Schwurgerichtssaal leer. Die Staatsanwaltschaft wirft H. versuchten Totschlag vor. Er soll Anfang vergangenen Jahres in Meißendorf seine Ehefrau, die sich von ihm getrennt hatte, mit einem Baseballschläger attackiert und gewürgt haben. Die Angegriffene konnte sich befreien und fliehen.

Nach Attacke in Meißendorf: Angeklagter Ralf-Michael H. fehlt bei Prozessauftakt

Verteidiger Matthias Waldraff, der den Beschuldigten verteidigt, zeigte sich aufgewühlt. „Ich hatte letzten Freitag Kontakt zu meinem Mandanten und wir haben die Hauptverhandlung vorbereitet. Warum er jetzt nicht da ist, verstehe ich nicht. Ich befürchte, dass er sich etwas angetan haben könnte“, sagte der Anwalt.

Polizei fährt zum Wohnort des Angeklagten in Braunschweig

Der Vorsitzende Richter Franz Kompisch zögerte keine Sekunde, unterbrach die Sitzung und telefonierte mit der Polizei. Mehrere Streifenwagen fuhren mit Martinshorn und Blaulicht zu der in den Akten registrierten Anschrift von H. Die Informationen von dort klangen beunruhigend.

Der 54-Jährige, der mittlerweile mit einer neuen Lebensgefährtin in Braunschweig wohnt, verließ nach Auskunft der Freundin gegen fünf Uhr morgens die Wohnung. Seitdem ist sein Schicksal unklar.

Abgetaucht, Unfall oder Selbstmord? Lüneburger Landgericht erlässt Haftbefehl

Die 4. Große Strafkammer erließ einen Haftbefehl. Für Richter Kompisch gibt es drei denkbare Szenarien. Der Angeklagte setzte sich ab, er verunglückte auf dem Weg nach Lüneburg oder beging tatsächlich Suizid. „Das wollen wir nicht hoffen“, fügte der Vorsitzende hinzu und vertagte den Prozess auf den 5. Mai. Fünf geladene Zeugen traten ohne Aussage die Heimreise an.

Von Benjamin Reimers

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