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Winsen Schützenverein Walle feiert 75-jähriges Bestehen
Celler Land Winsen Schützenverein Walle feiert 75-jähriges Bestehen
13:16 13.06.2010
Von Karin Dröse
75 Jahre Schützenverein Walle - Spielmannszug
75 Jahre Schützenverein Walle - Spielmannszug Quelle: nicht zugewiesen
Walle

Mit Rock, Pop und Oberkrainer Schlagern feiert der Schützenverein Walle morgen das 75-jährige Bestehen. Ab 19 Uhr tritt die Gruppe „Kzwoa“ beim Bayerischen Abend auf. Am Sonnabend steht die Proklamation des Jubiläumskönigs und ein Festball auf dem Programm und am Sonntag ein Sternmarsch mit 21 Gastvereinen. Wichtigstes Ziel des Vorsitzenden Heinz-Hermann Hemme ist es, die Jugend an den Verein zu binden. Die Pläne, im Rahmen der Dorferneuerung mit einem Dorfgemeinschaftshaus einen neuen Schießstand zu bauen, sieht der 43-Jährige skeptisch: „Wir können das finanziell nicht wuppen.“

WALLE. Der Schützenverein Walle ist ein wichtiger Bestandteil des dörflichen Lebens. Dennoch sieht Vorsitzender Heinz-Hermann Hemme finanzielle Probleme, den im Zuge der Dorferneuerung im neuen Dorfgemeinschaftshaus angedachten Schießstand zu verwirklichen. „Wir können keine Eigenleistungen erbringen und die finanzielle Belastung nicht wuppen,“ meint Hemme. Auch wenn Zuschüsse vom Land, Gemeinde und Sportbund fließen sollten und mehrere Vereine das angedachte Projekt, ein neues Dorfgemeinschaftshaus zu bauen, tragen, hat Hemme Zweifel an der Machbarkeit.

Sein vorrangiges Ziel ist es, die jungen Mitglieder von der Jugendgruppe zu den Erwachsenen zu holen. „Gerade im Zeitalter des PCs finde ich es wichtig, an Traditionen festzuhalten“, so Hemme. Diese will er den jüngeren Mitgliedern vermitteln. Das Problem: Oft verlassen die jungen Erwachsenen ihren Heimatort, wenn sie Ausbildung oder Studium beginnen. Deshalb herrscht bei den Mitgliedern zwischen 18 und 30 Jahren eine Lücke, die Hemme gerne schließen würde.

Mit 226 Mitgliedern ist der Schützenverein Walle im Jubiläumsjahr gut aufgestellt. Neben den Schützen und den Jugendlichen sind 64 Damen aktiv. Der Verein verfügt über eine sehr aktive Seniorengruppe, die Rundenwettkämpfe und Fahrten organisiert. Und, die Waller Schützen feiern gerne. Durch ihren Partnerver-ein, den SC Feierabend in Langenhagen sind sie seit 15 Jahren beim Schützenausmarsch in Hannover dabei. „Es ist beeindruckend, wenn 100000 Zuschauer die Straßen säumen und den Schützen zuwinken und jubeln,“ schwärmt Walles Hauptkönig Cord Fliegner. „Die Stimmung in Hannover ist fröhlich wie im Karneval.“ Am Sonnabend muss Fliegner für den Jubiläumskönig seinen Platz räumen. 32 Schützen haben auf die Königsscheibe geschossen. Wer dann Grund zum Jubeln hat, wird noch nicht verraten.

Grund zum Feiern hat Fliegner häufig, denn der 43-Jährige ist auch Jubiläumskönig des Freundschaftskreises Celle-West, bei dem 13 Vereine um den Titel kämpfen. „Ich war bei jedem Schützenball.“ Der Schießsport kam dabei etwas zu kurz, und das obwohl Fliegner sogar bei den Landesmeisterschaften teilgenommen hat.

WALLE. Die Gründung des Kleinkalibervereins Walle geht auf die Initiative des damaligen Lehrers der einklassigen Volksschule, Friedrich Kahrens, zurück. Er begeisterte einige Waller Männer für den Schießsport. So wurde im Hornbostelschem Gasthaus am 22. April 1934 der Verein von 30 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Der erste „Vereinsführer“, so die damalige Bezeichnung, war Willi Kothe. Erster Schützenkönig war 1934 Wilhelm Tanke. Er erhielt aus der Vereinskasse 20 Reichsmark, dazu fünf Reichsmark für den Anhänger zur Königskette.

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben. Anschließend war es nicht einfach, den Schießsport wieder aufzunehmen, da Schusswaffen nur mit strengen Auflagen genehmigt wurden. Der langjährige Vereinsführer Kothe gab das Amt an Werner Jürgens ab, der über 30 Jahre Vorsitzender war. Die Schützen schufen eine provisorische Schießanlage im „Grünhagenschen“ Waldgelände. Es wurde mit Kleinkalibern auf eine Entfernung von 50 Metern geschossen. Ewald Nohms war 1949 nach dem Krieg erster Schützenkönig. 1951 übernahm Willi Cordes für Jahrzehnte das Bemalen der Schützenscheiben. Die Weihe der neuen Vereinsfahne fand während des Schützenfestes am 29. Juni 1952 statt. Ein Begrüßungsgruß wurde auserkoren: „Horidoh-Joho“. Uniformjacken, Schulterklappen und Hüte wurden 1953 angeschafft.

Ein großes Projekt startet 1953: Ein Schießstand sollte gebaut werden. Hierzu wurde von Joseph Markwa ein halber Morgen Land am Ortsausgang Richtung Gudehausen gepachtet. Eine Anordnung in der Versammlung am 22. März lautete: „Beginn am 12. April morgens um 7 Uhr. Es hat jeder zu erscheinen. Eine Hacke, Spaten und Schaufel sind mitzubringen.“ 1965 wurde der Schießstand eingeweiht.

Gefeiert haben die Waller Schützen immer gerne: 1965 wird das Buschfest erstmals erwähnt. Die vom Schützenfest verbliebenen Freibierbestände waren der Hauptgrund zur Einführung dieses heute noch bestehenden Festes, das damals im Juli, inzwischen immer im August stattfindet. Klare Anweisung damals: „Abends sind Frauen mitzubringen“ und „Ende der Feier sei je nach Lage der Dinge“.

1972 tritt der Verein dem Deutschen Schützenbund bei und wird Eigentümer des bisher gepachteten Grundstückes. 1973 wird die Damenschießgruppe gegründet, 1979 die Jugendschützengruppe. 1979 ist der An- und Umbau am „alten KK-Stand“ angedacht, doch da die erwarteten Zuschüsse nicht kamen, wurde beschlossen, am Sportheim einen LG-Stand und einen KK-Stand zu schaffen, der 1982 begonnen und ein Jahr später abgeschlossen wird. Der „alte KK-Stand“ bleibt erhalten und wird 2004 repariert.

WALLE. Vor 17 Jahren wurde der Spielmannszug Walle gegründet. Die Idee hatte Fred Pinsch, der ursprünglich aus Eversen stammte und auch dort aktiv im Spielmannszug mitwirkte. Pinsch war überrascht, wie viele Kinder an den Bushaltestellen im Dorf auf den Schulbus warteten, wenn er morgens zur Arbeit fuhr. „Daraus müsste sich doch etwas machen lassen“, dachte sich der „Rucksackwaller“, wie er sich selbst nannte und leitete alles für die Gründung in die Wege und bemühte sich um günstige Instrumente.

Sein Sohn Manfred Pinsch trug wesentlich zum Aufbau des Spielmannszuges bei und wurde der erste Stabführer des Zuges. So fand am 14. August 1992 im Sportheim die Gründungsversammlung statt, an der 39 Interessierte teilnahmen.

In hellgrüne Uniformen gekleidet absolvierten die Mitglieder des jungen Spielmannszuges die ersten Ausmärsche und Auftritte. 1996 übernahm Fabian Lücke das Amt des Zugleiters. Das Repertoire wurde erweitert und die Waller Spielleute nahmen am Schützenausmarsch in Hannover teil. Im Herbst 2008 gab Fabian Lücke seinen Posten an Julia Thiemann aus Südwinsen ab.

Eine Rhythmusgruppe für Kinder von vier bis sieben Jahren, die „Rasselbande“, wird derzeit aufgebaut.

Heinz-Hermann Hemme (43): „Da meine Familie schon immer im Schützenverein war, ist es für mich selbstverständlich, aktiv am Vereinsleben teilzunehmen. Deshalb habe ich nach kurzer Bedenkzeit das Amt des Vorsitzenden übernommen.“

Schriftführer und Kanonier Christian Böse (32): „Ich bin mit Zwölf zur Schützenjugend gekommen und habe meinen ,Kanonenschein’ gemacht, der mir den Umgang mit Schwarzpulver erlaubt, damit ich bei Schützenfesten böllern kann.“

Hauptkönig Cord Fliegner (43): „1979 wurde ich Gründungsmitglied der Jugendgruppe und bin seither schießsportlich aktiv. Ich habe an vielen Meisterschaften teilgenommen und bin für das Annageln der Königsscheiben zuständig.“

Schützenverein Walle

Vorsitzender

Heinz-Hermann Hemme

Am Kreuz 1

29308 Winsen-Walle

Telefon (05143) 912646

Freitag, 10. Juli

ab 19 Uhr Bayerischer Abend mit „Kzwoa“

Sonnabend, 11. Juli

9 Uhr, Antreten,

Kranzniederlegung

und Abholung des Königs

11.30 Uhr, Königstafel

13.30 Uhr, Marsch zu

Majestäten und Proklamation

16.30 Uhr, Ehrentänze

und Kaffeetafel im Festzelt

16.30 Uhr, Spiele für Kinder

20 Uhr, Festball

Sonntag, 12. Juli

11 Uhr, Katerfrühstück

12 Uhr, Auszeichnungen

13 Uhr, Eintreffen

der Gastvereine

13.30 Uhr, Sternmarsch

am Hof Hoppenstedt

14 Uhr, Fahnenbänder

16 Uhr, Ankunft am Festzelt, Kaffeetafel und Platzkonzert

18 Uhr, Schlagerparade

und Ausklang mit DJ