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Winsen Neue Besen für Winsen
Celler Land Winsen Neue Besen für Winsen
13:14 13.06.2010
Bilder der Winser Bessenbinners: - Obermeister Dieter Pohland (links) und Innungsmeister Willi Beckmann (rechts) schlagen Konstantin Holling (Mitte) mit seinem Reisigbesen zum Gesellen.
Bilder der Winser Bessenbinners: - Obermeister Dieter Pohland (links) und Innungsmeister Willi Beckmann (rechts) schlagen Konstantin Holling (Mitte) mit seinem Reisigbesen zum Gesellen. Quelle: Lothar H. Bluhm
Winsen (Aller)

Hatte Besenbinder-Obermeister Dieter Pohland in der Vergangenheit immer wieder mal Bedenken wegen gefährlichen Eisregens, so fürchtete er jetzt, dass das Tief „Daisy“ das traditionelle Besenbinden auf der Pastorenkoppel beeinträchtigen könnte. Aber es ging auch an diesem Januarsonnabend wieder alles gut, als die Winser Besenbinderlehrlinge Konstantin Holling, Reinhold Holling und Uwe Forkmann nach alter Herren Sitte nach drei ununterbrochenen Lehrjahren mit drei Besenschlägen auf das Hinterteil zu Gesellen ernannt wurden. Mit drei Besenschlägen ernannten Obermeister Pohland und seine Innungsmeister auch Günter Schälicke und Uwe von der Kammer zu Postengesellen.

Der Tradition willen – und aus Freude an der Zunft. Hier wird noch das inzwischen fast ausgestorbene Handwerk des Besenbindens praktiziert.

„Dat Schnieen kann man nur in Haarst moken, wenn de Barken de Bläder verloren hätt“, kennt Pohland die Regeln. Die Birkenzweige dürfen nur im Winter geschnitten werden, wenn daraus gute Reiserbesen werden sollen. Innungsmeister Willi Beckmann zeigt den neuen Lehrlingen, worauf geachtet werden muss. „Dat is Barkenreisig wo wi schniet: Dat is’n robustes Holz, weil det langsam dröögt.“ Wichtig sei aber auch die richtige Spannung beim Zusammenbinden der einzelnen Zweige.

Seit 1921 arbeiten die Winser Männer auf der Pastorenkoppel im Winser Kirchwald. „Klocke neegen dräpt wie us“, wird alljährlich die Zunft eingeladen. So auch jetzt wieder. „Bie us gift dat kein ‚Sie’, hier hed dat nur ‚Du Bessenbinner’.“ Es sei Pflicht für jeden, mindestens einen Besen zu binden.

Die Mundschenke Willi Dahmen und Horst Kahlert sorgen dafür, dass die Versorgung klappt, wenn zur Mittagspause die heiße Erbsensuppe verteilt wird. „Ich gebe mir die größte Mühe“, beschreibt Kahlert das Interesse an seinem neuen Job: „Keiner wird geschlagen!“ Mit dem Beil geschlagen werde vielmehr der „Kopp“ des Besens, der mit Draht und Kneifzange zusammen gebunden ist.

Zwar sei plattdeutsch nach wie vor die Pflichtsprache bei den Winser Bessenbinners, aber auch in diesem Jahr nimmt der Anteil der hochdeutsch sprechenden Besenbinder hörbar zu. Das sei ein Problem, gibt Pohland zu bedenken und hofft, dass sich die jungen Männer verstärkt auch des Plattdeutschen annehmen werden.

Von Lothar H. Bluhm